Bürgerhospital in Stuttgart Vom Notquartier zum Wohngebiet

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Jahrzehntelang hat das Areal als Standort des Bürgerhospitals gedient. Nun sind in einer ganze Reihe von Gebäuden Flüchtlinge untergebracht. Doch schon in wenigen Jahren soll der Wandel des Geländes zum Wohnquartier beginnen. Bis zu 600 Einheiten sollen entstehen.

Erst viele Jahrzehnte Krankenhaus, jetzt Notunterkunft für Flüchtlinge.  Schon bald sollen in dem ehemaligen Bettenhaus 120 Wohnungen entstehen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Erst viele Jahrzehnte Krankenhaus, jetzt Notunterkunft für Flüchtlinge. Schon bald sollen in dem ehemaligen Bettenhaus 120 Wohnungen entstehen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Schritt für Schritt will die Stadt im Laufe des Jahres einen Großteil der Notquartiere für Flüchtlinge auflösen. Diese sollen in geeignetere Unterkünfte umziehen. Bei der mit rund 600 Menschen belegten größten Interimsunterkunft, dem ehemaligen Bettenhaus des Bürgerhospitals, wird das noch etwas dauern. Doch Pläne, wann es dort wie weitergehen soll, hat man auch für diesen alten Klinikbau schon. Ende 2017 oder Anfang 2018 sollen auch die dort untergebrachten Asylbewerber in andere Quartiere umziehen, sagt der Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU).

Günstiger Wohnraum ist Mangelware

Danach könnte schon bald die Sanierung des früheren Klinikbaus beginnen. Denn immer konkreter werden bei der Stadt die Überlegungen, das frühere Hauptgebäude des Bürgerhospitals „relativ schnell in normalen Wohnraum umzunutzen“, erklärt Föll. Vor allem angesichts des eklatanten Mangels an günstigem Wohnraum in der Stadt hätte eine Umnutzung des bestehenden Gebäudes seinen Charme. Bis Ende 2019 – Föll rechnet mit einer Bauzeit von eineinhalb Jahren – könnten dort 120 geförderte Wohnungen entstehen. Nimmt man dazu noch das direkt anschließende Gebäude entlang der Wolframstraße, in dem bisher Personalwohnungen des städtischen Klinikums, aber auch Büros untergebracht sind und das ebenfalls saniert werden soll, kämen in einem überschaubaren Zeitraum insgesamt etwa 160 neue Wohnungen zusammen. „Das ist keine Kleinigkeit“, sagt der Finanzbürgermeister vor dem Hintergrund, dass die Verwaltung mit OB Fritz Kuhn (Grüne) an der Spitze sich zum Ziel gesetzt hat, jährlich 300 neue Sozialwohnungen zu schaffen.

Gute Mischung auch mit vielen Sozialwohnungen

Dass die beiden ehemaligen Klinikgebäude erhalten werden, ist sehr wahrscheinlich, derzeit läuft die Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Schon Anfang Juni soll ein städtebaulicher Wettbewerb für das gesamte ehemalige Krankenhaus-Areal inklusive des benachbarten Geländes des Abfallwirtschaftsbetriebes AWS im Rat beschlossen werden. Zur Aufgabenstellung soll gehören, dass die Teilnehmer die beiden Bestandsgebäude in ihr Konzept integrieren.

In dem ehemaligen Bettenhaus sind geförderte Wohnungen vorgesehen. Doch die Hälfte der Einheiten solle „vor Ort frei vermietet werden“, erklärt Föll. Geplant ist, dass die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), die das Projekt entwickeln soll, diesen Anteil an Sozialwohnungen nur „mittelbar belegt“, also an anderer Stelle im eigenen Bestand irgendwo im Stadtgebiet. Dadurch wolle man eine gute soziale Mischung in dem Gebäude erreichen, sagt der Finanzbürgermeister.

Das Gelände umfasst 3,9 Hektar

Auf dem 3,9 Hektar großen Areal sollen in den kommenden Jahren einige Gebäude abgebrochen werden und einer Neubebauung Platz machen. Doch so manches bleibt bis auf weiteres erst einmal stehen. So die beiden Gebäude der früheren Psychiatrie an der Tunzhofer Straße, die man aufwendig umgebaut hat und die weiterhin als reguläre Flüchtlingsheime genutzt werden, ebenso die zur Türlenstraße gelegene Kindertagesstätte nebenan. Auch das Hochhaus an der Türlenstraße mit Personalwohnungen des städtischen Klinikums, die von der SWSG übernommen werden, wird noch einige Jahre benötigt, bis man Ersatz geschaffen hat. Auch bei zwei weiteren historischen Gebäuden wird noch geprüft, ob sie erhaltenswert sind. „Alles abzubrechen, ist nicht immer die richtige Antwort“, sagt Föll, auch wenn man in wesentlichen Teilen des Gebiets eine Neubebauung vorsehe. Alter Gebäudebestand, so er eine gute Substanz habe, zeige die Herkunft eines Viertels und trage zu Bildung von dessen Charakter und Identität bei. Zu den Elementen, die man auf jeden Fall erhalten wird, gehört auch der ehemalige Patientengarten, der vom ehemaligen Bettenhaus und von dem Nebengebäude, die als erstes umgebaut erden sollen, eingerahmt wird und der das Quartier attraktiv mache.

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Bis zu 600 Wohnungen

Insgesamt 600 Wohneinheiten sollen in den kommenden Jahren in mehreren Bauabschnitten in dem Planungsgebiet entstehen, das Gelände des AWS an der Türlenstraße eingeschlossen. Ein Drittel der Einheiten sollen Sozialwohnungen sein, mehr nicht, damit kein sozialer Brennpunkt entsteht.

Wie bei einigen der vorhandenen Gebäude, die noch einige Zeit benötigt werden, wird auch die Räumung des AWS-Geländes „nicht von heute auf morgen gelingen“, sagt der Finanzbürgermeister. Angesicht der Flächenknappheit in der Stadt sei es nicht einfach, Ersatzgelände zu finden. Für das Neckargebiet, das von diesem AWS-Stützpunkt aus bedient wird, zeichne sich aber eine Ersatzlösung ab. Und auch für den Filderbereich, der zum Aktionsgebiet des Standorts an der Türlenstraße gehört, arbeite man an einer Lösung, sagt Föll.

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