Bürgerinitiative in Stuttgart-Vaihingen Lässt sich der Schienenlärm bald verringern?

Von Götz Schultheiss 

Anwohner der Stadtbahn klagen über Schienenlärm. Nach einer Lösung des Problems in absehbarer Zeit suchen geplagte Bürger, SSB-Mitarbeiter und Angestellte des Umweltamts zurzeit in Arbeitsgesprächen.

Stadtbahnzüge entlasten die Stuttgarter Fildervororte vom Autoverkehr, dennoch verursachen sie an manchen Punkten auch Lärm. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Stadtbahnzüge entlasten die Stuttgarter Fildervororte vom Autoverkehr, dennoch verursachen sie an manchen Punkten auch Lärm. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Vaihingen - Die Mitglieder der Vaihinger Initiative gegen den Stadtbahnlärm, die elf Aktivisten zählt und nach eigenen Angaben für Hundert vom Stadtbahnlärm Geplagte spricht, sind keine Modernitätsverweigerer, die sich gegen den öffentlichen Nahverkehr auf Schienen sperren. Sie werden offenbar von den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), einer Tochter der Stadt, und dem städtischen Amt für Umweltschutz als Gesprächspartner ernst genommen. „Wir hatten jüngst mit der SSB und dem Amt ein gutes Gespräch. Die SSB hat uns in ihre Werkstatt eingeladen. Man nimmt uns als Gesprächspartner ernst“, sagt Jürgen Häberle, der Sprecher der Initiative. 45 Prozent all derer, die sich bei ihm meldeten, hätten sich schon zuvor bei der SSB und der Stadt über Stadtbahnlärm beschwert, und 85 Prozent „derjenigen, die sich bei uns beschweren, nehmen den Lärm nicht nur auf ihren Balkonen, sondern bei geschlossenen Fenstern in ihren Wohnungen wahr“.

Lärm entsteht zwischen den Rädern und den Schienen

Beim Gespräch in der SSB-Werkstatt hätten SSB-Mitarbeiter gezeigt, was das Unternehmen bereits gegen den Lärm unternehme und was so alles technisch möglich sei: „Ein Mitarbeiter hat demonstrierte, was an den Fahrzeugen zur Lärmdämmung wünschenswert, aber nicht machbar ist.“ Dafür, sagt Häberle, gebe es ein gutes Beispiel. Der Lärm entstehe zwischen den Rädern und den Schienen: „Die SSB wollte wie wir auch eine Verkleidung als Dämmung, aber die Hersteller machen da nicht mit. Die SSB und wir liegen hier also gar nicht auseinander.“

Nach der Besichtigung der Werkstatt und nachdem nun klar ist, was bereits gemacht wurde und was noch alles getan wird, habe man sich zusammengesetzt und für den 20. Oktober ein weiteres Arbeitsgespräch mit den selben Partnern vereinbart. Bis dahin solle die Initiative auf der Basis des Gesprächs ihren Forderungskatalog konkretisieren. Zu den Forderungen, die weiter auf der Liste der Initiative stehen werden, gehöre die Reduzierung der Geschwindigkeit in Problembereichen und bei hoher Zugfrequenz. „Man soll uns aber nicht missverstehen: Wir wollen keine generelle Geschwindigkeitsverringerung der Bahnen im gesamten Stadtgebiet, sondern nur an den Problempunkten“, sagt Häberle.

Eine weitere Maßnahme zur Lärmverringerung könnten stationäre Schmieranlagen sein, die eine Emulsionslösung auf die Schienen auftrügen. Auch dies könne die Fahrgeräusche verringern.

Ein Messzug auf dem SSB-Netz könnte Datenmaterial für eine Lärmkarte liefern

„Ein anderer Vorschlag von uns ist es, einen Messzug auf dem Schienennetz der SSB verkehren zu lassen, der Messwerte für eine Lärmkarte ermittelt, denn im gesamten Netz gibt es Stellen, an denen es punktuell sehr laut wird“, sagt Häberle. Anhand der Messwerte sehe man alles und sei nicht auf Hinweise durch Beschwerden von Anwohnern angewiesen: „Solche Messzüge verkehren bereits auf den Schienennetzen anderer Städte, darunter in Karlsruhe.“

Jürgen Häberle ist sich dessen bewusst, dass es bereits einen Lärmaktionsplan gibt, aber dem Projekt, dass die Europäische Union den Kommunen, die es fortschreiben müssen, auferlegt hatte, misst er in Sachen Stadtbahnlärm keine ausschlaggebende Bedeutung zu: „Die Werte basieren auf Berechnungen, nicht auf Messungen, nach dem Lärmaktionsplan würde die SSB alle Vorgaben erfüllen. Nur Messungen liefern genaue Daten.“ Eine weitere Maßnahme, die sich schnell umsetzen ließe, sei es, die Wartungsintervalle der Bahnen zu verkürzen. „Die Erfahrung zeigt, dass frisch gewartete Stadtbahnwagen leiser verkehren als länger nicht gewartete Züge.“ Eine weitere Forderung, die wohl am 20. Oktober besprochen wird, ist der Wunsch nach einem Lärmbeauftragten, der entweder bei der SSB oder bei der Stadt angesiedelt werden solle: „Den gibt es bisher in Stuttgart noch nicht, für diese Aufgabe ist das Amt für Umweltschutz zuständig.“

Es soll eine Diskussionsgrundlage für die Fraktionen im Gemeinderat entstehen

Als lärmdämmend, führt Häberle aus, hätten sich auch begrünte Gleistrassen erwiesen: „Das ist deutlich leiser als Schotter, aber diese Gleise werden nur bei Neubaustrecken angelegt.“ Ältere Trassen würden jedoch nicht umgebaut. Die Initiative wolle, dass die SSB in die Lage versetzt werde, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit beim öffentlichen Nahverkehr auf den Schienen nicht nur die Nutzer, sondern auch die Anwohner, von denen die meisten selbst mit der Stadtbahn fahren, zufrieden seien.

Alles in allem ist der Sprecher der Initiative zuversichtlich, mit der SSB und dem Amt für Umweltschutz zu einem für alle Seiten tragfähigen Ergebnis zu kommen. Er weiß aber auch, dass Lärmschutz Geld kostet und dass die Ausgaben dafür aus dem Haushalt der Landeshauptstadt kommen müssten. „Ich gehe davon aus, dass wir in weiteren ein bis zwei gemeinsamen Sitzungen mit dem Amt für Umweltschutz und der SSB spätestens im Dezember ein Papier zusammenbekommen, das wir den Fraktionen des Gemeinderats präsentieren können“, sagt er. In der Runde habe es zu diesem Vorhaben einstimmiges Kopfnicken gegeben: „Das kann sich jeder vorstellen“, sagt Häberle.




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