Bürgerkrieg in Äthiopien Abiy Ahmed befiehlt Angriff auf Tigrays Hauptstadt

Dieses Bild eines undatierten Videos zeigt äthiopische Soldaten nahe der Konfliktregion Tigray. (Archivbild) Foto: AP
Dieses Bild eines undatierten Videos zeigt äthiopische Soldaten nahe der Konfliktregion Tigray. (Archivbild) Foto: AP

Nach Ablauf eines Ultimatums macht der äthiopische Ministerpräsident ernst: Er weist Militäreinheiten an, in die Regionalhauptstadt Mekele einzumarschieren. Die Zivilbevölkerung solle aber verschont werden.

Nairobi - Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hat dem Militär nach Ablauf eines Ultimatums befohlen, in die Hauptstadt der Konfliktregion Tigray einzumarschieren. Die militärische Offensive habe nach dreiwöchigen Kämpfen in der Region ihre Endphase erreicht, teilte Abiys Büro am Donnerstag mit. Die Einwohner Mekeles wurden aufgerufen, im Innern von Gebäuden zu bleiben.

„Wir werden die Zivilbevölkerung mit größter Sorgfalt schützen“, wurde in der Regierungsmitteilung versprochen. In den vergangenen Tagen hatte die Regierung den Einwohnern von Mekele noch gedroht, wenn sie sich nicht von der Führung der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) loslösten, werde es „keine Gnade“ geben. Die TPLF regiert die Region und war vor Abiys Machtantritt 2018 auch in Addis Abeba ein Machtfaktor gewesen.

Miliz hat sich nicht ergeben

Am Mittwochabend lief ein 72-Stunden-Ultimatum ab, das Abiy der Regierung in Tigray gestellt hatte, um sich zu ergeben. Es wurde mitgeteilt, dass sich Tausende Kämpfer von Milizen in Tigray sowie Spezialeinsatzkräfte innerhalb der 72 Stunden ergeben hätten. Solche Angaben lassen sich kaum unabhängig bestätigen, da die Kommunikation in Tigray seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen Bundes- und Regionalregierung am 4. November unterbrochen ist. In Tigray leben rund sechs Millionen Menschen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen in der Nacht zum Donnerstag hat die Lebensmittel- und Kraftstoffversorgung in Tigray ein „sehr kritisches“ Niveau erreicht. Sprit und Bargeld seien bald nicht mehr verfügbar, mehr als eine Million Menschen sei aus ihren Wohngebieten vertrieben worden und Nahrungsmittel für fast 100 000 Flüchtlinge aus Eritrea würden in einer Woche aufgebraucht sein. Mehr als 600 000 auf monatliche Lebensmittelrationen angewiesene Menschen hätten im November kein Essen erhalten. In Mekele sei der Verkehr immens blockiert; das Welternährungsprogramm WFP bekomme keinen Zugang zu seinem eigenen Lagerhaus, um von dort Lebensmittel auszufahren.

Internationale Gemeinschaft will deeskalieren

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mahnte, wer das Ausliefern von Hilfsmitteln vorsätzlich behindere, der Verstoße in dem Konflikt gegen das Völkerrecht.

Die internationale Gemeinschaft hat die Seiten zur Deeskalation aufgerufen und an beide appelliert, Dialog zu suchen und humanitäre Hilfe zuzulassen. Abiy wies das aber als internationale „Einmischung“ zurück.




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