Das sind die vier Bürgermeister der Stadt Esslingen: Oberbürgermeister Matthias Klopfer (oben links), Georg Sigel (oben rechts), Ingo Rust (unten links) und Yalcin Bayraktar (unten rechts). Brauchen die vier Männer Unterstützung? Foto: Bulgrin (3) H.Rudel (1)/Collage: fotocollagen.de/ff
Es sollte nicht an die Öffentlichkeit gelangen und landete dann doch dort: Die Stadt Esslingen denkt darüber nach, sich einen weiteren Bürgermeister zu leisten. Doch das Vorhaben ist fragwürdig, meint Johannes M. Fischer in seinem Kommentar.
Johannes M. Fischer
08.04.2025 - 15:49 Uhr
Böse Stimmen in der Stadt behaupten, die Bürgermeisterriege von Esslingen achte doch sehr darauf, dass die berühmt-berüchtigte Work-Life-Balance nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Aber das ist Gerede.
Es gibt auch Stimmen in der Stadt, die den Eindruck vermitteln, dass Rathaus und Gemeinderat inzwischen zu viel hinter verschlossenen Türen aushandeln. Während die erste Aussage einen Mangel an Fleiß suggeriert, nährt die zweite den Verdacht, in Esslingen werde gekungelt. Auch das ist nur Gerede.
Pläne nähren Zweifel an Esslinger Führung
Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Erster Bürgermeister Ingo Rust: Brauchen sie Unterstützung? /Bulgrin
Fakt ist aber, dass die Schaffung einer weiteren Bürgermeisterstelle in einer Stadt, die keine Großstadt ist, Zweifel an der Fähigkeit der jetzigen Verwaltungsspitze nährt. Fakt ist auch, dass die Art, wie diese Überlegungen zufällig an die Öffentlichkeit kamen, nicht die allerfeinste ist. Wie bei einem Geheimplan wurde das Ganze vorbereitet und in einem Gremium unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen. Das ist nicht fein gegenüber den nicht informierten Fraktionen und der wohl ebenfalls nicht informierten Ratsgruppe. Und nicht fein gegenüber der Bevölkerung, die nicht nur den Gemeinderat, sondern auch den Oberbürgermeister gewählt hat. Eine solche Wahl ist ein großer Vertrauensvorschuss, der nur durch ein transparentes Verhalten zurückgezahlt werden kann.
Leider tat sich das Rathaus schwer, mit seinen Plänen aus dem Hinterzimmer herauszutreten und seine Überlegungen frühzeitig und offen auf der Straße zu diskutieren. Dabei hat die Verwaltung ja vermutlich sogar gute Argumente für die Aufstockung.
Das Stellenprofil ist allerdings mehr als vage. Es könnte aber sein, dass es der Stelle bedarf, um die zu erwartenden Millionen aus dem von Bundestag und Bundesrat im März beschlossenen Sondervermögen nach Hause zu bringen und in die Modernisierung zu stecken. Wenn das so ist, dann müsste die neue Stelle mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. Womöglich wären zwei Expertinnen oder Experten, die sich mit Fördergeldern gut auskennen oder Ahnung vom Brückenbau haben, zielführender als eine weiterer Mensch am Steuer. Es gibt für diesen Bereich einen Ersten Bürgermeister, der sich mit den Finanzen beschäftigt, und es gibt einen weiteren, der das Bauen verantwortet. Darunter gibt es etliche Abteilungsleiter. Und einen Oberbürgermeister gibt es außerdem. Das sollte eigentlich reichen für eine Mittelstadt, die sich gut darin gefällt, über leere Kassen zu klagen.