Bürgermeister im Interview Fußgängerzone wird kein Selbstläufer
Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost spricht über die Modernisierung der Marktstraße, das neue Gewerbegebiet und Verhandlungen über ein umstrittenes Grundstück.
Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost spricht über die Modernisierung der Marktstraße, das neue Gewerbegebiet und Verhandlungen über ein umstrittenes Grundstück.
Die Stadt Marbach ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, hat dennoch einen Berg von Aufgaben vor sich wie die Sanierung von Sporthallen und der Grundschule oder die Unterbringung von Geflüchteten. Umgekehrt bieten sich auch Chancen dank eines neuen Gewerbegebiets und der bald sanierten Fußgängerzone. Bürgermeister Jan Trost erklärt im Interview, wie der Stand bei all diesen Großprojekten ist.
Direkt vor Ihrem Arbeitszimmer wird seit Monaten gebohrt und gehämmert. Wann kann endlich die Einweihung der frisch sanierten Fußgängerzone gefeiert werden?
Das ist eine Frage, die viele Bürger und Geschäftsleute umtreibt. Ein genaues Datum kann ich aber leider noch nicht nennen. Das hängt im Wesentlichen davon ab, ob der Winter mild bleibt. Bei Frost müssten die Pflasterarbeiten, die gerade schwerpunktmäßig an der Reihe sind, ruhen. Wir sind aber optimistisch, dass die Hauptarbeiten Ende April 24 abgeschlossen sind – selbst wenn dann noch das eine oder andere erledigt werden müsste. Es wäre zum Beispiel denkbar, dass bis dahin nicht jeder Baum gepflanzt und nicht jedes Spielgerät installiert ist.
Der Belag ist ja teilweise schon verlegt. Welche Rückmeldungen haben Sie dazu bislang bekommen?
Man muss dazu vorausschicken, dass der Endzustand bislang an keiner Stelle erreicht wurde, beispielsweise noch verfugt und abgerüttelt werden muss. Aber gerade bei älteren Bürgern ist die Resonanz positiv, weil das Pflaster weniger Unebenheiten aufweist und sich mit einem Rollator leichter begehen lässt. Bemängelt wird immer wieder, dass es im mittleren Bereich der Fußgängerzone derzeit zu dunkel sei. Wir schauen, ob wir mit einem Provisorium arbeiten, bis die neuen Laternen hier installiert sind.
Wird in der zuletzt schwächelnden Fußgängerzone nach der Modernisierung das Leben wieder pulsieren?
Das wünschen wir uns alle, aber garantieren kann ich das nicht. Wir haben dann aber zumindest wieder zeitgemäße Rahmenbedingungen, eine schöne Atmosphäre, die den Menschen Lust machen soll, ins Herzen von Marbach zu kommen. Dazu soll auch ein attraktives Veranstaltungsprogramm beitragen, das unser Citymanagement weiter auf die Beine stellen wird. Große Hoffnung als Besuchermagnet setzen wir ferner auf den Wochenmarkt, der gegen Sommer, wenn alle Restarbeiten erledigt sein sollten, vom Parkplatz bei der Stadionhalle wieder in die Fußgängerzone zieht. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass jede Innenstadt zu kämpfen hat, da muss man sich keine Illusionen machen. Die Konkurrenz durch den Online-Handel ist extrem stark.
Andere Probleme gibt es im Lauerbäumle, wohin das Hallenbad und der Hermann-Mayer-Sportplatz verlagert, ein großer Parkplatz gebaut sowie eine Bushaltestelle eingerichtet werden sollen.
Nach wie vor fehlt uns hier ein Schlüsselgrundstück, um den Parkplatz und die Bushaltestelle über einen Durchstich von der Affalterbacher Straße aus erschließen zu können. In der Sache sollen Anfang dieses Jahres nochmals Gespräche mit den Eigentümern geführt werden. Wenn wir uns nicht einigen können, müssen wir entscheiden, ob wir den Rechtsweg beschreiten sollen, um die Flächen via Enteignungsverfahren zu sichern. Ziel ist aber ganz klar eine gütliche Einigung.
Eine einvernehmliche Lösung streben Sie bestimmt auch mit den Nachbarkommunen bei der Finanzierung des Hallenbads an. Gibt es hier Fortschritte?
Bei einem Auftaktgespräch war die Begeisterung der Kollegen erwartungsgemäß nicht sonderlich groß. Rechtlich wäre es aber möglich, die umliegenden Städte und Gemeinden an den Kosten für den Bau eines Lehrschwimmbades zu beteiligen. Sie schicken ja auch Schüler zu uns ans Schulzentrum. Und wir möchten bekanntlich ein Lehrschwimmbecken errichten lassen. Auch in dem Fall muss der Gemeinderat in diesem Jahr entscheiden, ob wir offiziell in ein sogenanntes Beteiligungsverfahren einsteigen sollen, also die Nachbarkommunen je nach Schülerzahl anteilsmäßig an dem Projekt zu beteiligen.
Wichtig ist für die Bürger auch die künftige Wärmeversorgung. Die Stadt hatte dazu ein Konzept in Auftrag gegeben. Gibt es schon erste Erkenntnisse?
Wir rechnen bis Ende 2024 mit Ergebnissen aus der kommunalen Wärmeplanung. Dann müssen wir Prioritäten setzen. Wir können sicher nicht in jedem Quartier gleichzeitig ein Wärmenetz aufbauen. Zudem brauchen wir Fördermittel. Dort, wo der größte Handlungsbedarf besteht, sollten wir einsteigen. Grundsätzlich machen Wärmenetze dort Sinn, wo die Häuser dicht beieinanderstehen und kein Platz für individuelle Lösungen auf den einzelnen Grundstücken bereitsteht. Man muss kein Energiewissenschaftler sein, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die Marbacher Altstadt prädestiniert wäre. Hier unterbinden in der Regel auch die Auflagen des Denkmalschutzes hohe energetische Standards bei den Gebäuden, sodass eine Wärmepumpe als Lösung meist allein aus Platzgründen schon ausscheidet.
Kommt auch der Ortskern von Rielingshausen für ein Wärmenetz in Frage?
Das wird die Untersuchung zeigen. Vor rund zehn Jahren hatten wir das im Zusammenhang mit der Ortskernsanierung schon einmal prüfen lassen. Damals hieß es, es gebe zu wenig größere Wärmemengenabnehmer und wäre deshalb nicht wirtschaftlich.
Davon abgesehen braucht man erstmal einen alternativen Energieträger.
Ja, das wird ein spannendes Thema und ebenfalls unter die Lupe genommen. Besonders haben wir hier den Neckar im Blick, der immer Wasser führt, aus dem womöglich Energie gewonnen werden könnte. Ähnlich ist es bei der Kläranlage, bei der an 365 Tagen im Jahr warmes Abwasser ankommt.
Bauarbeiten sind aber nicht nur wegen etwaiger Wärmenetze, sondern auch an der Grundschule in Rielingshausen zu erwarten. Wann startet dort die Erweiterung?
Wir haben das dafür nötige Schlüsselgrundstück erwerben können, sind nun mit der Schulleiterin Frau Gartner im Gespräch, wie wir weiter vorgehen. Klar ist, dass der vorhandene Platz nicht reichen wird, weil die Schule zumindest vorübergehend teilweise zweizügig sein wird. Außerdem steigt die Nachfrage für die Kernzeitbetreuung. Wir müssen also überlegen, ob wir die Kapazitäten über einen Anbau oder ein Provisorium erhöhen.
Müssen für die Unterbringung von Geflüchteten ebenfalls frische Kapazitäten geschaffen werden?
Wir haben zumindest so lange keine Engpässe, wie das ehemalige Krankenhaus vom Landkreis als Unterkunft genutzt wird. Diese 100 Plätze können wir uns zu 80 Prozent auf unsere eigene Quote anrechnen lassen. Solange es also dort keine Veränderung gibt, können wir im Jahr 2024 die Entwicklung vergleichsweise entspannt beobachten. Außerdem lassen wir als Stadt in der Wildermuthstraße ein Haus bauen, in dem bis zu 55 Geflüchtete wohnen können. Damit könnten wir perspektivisch den Wegfall der Plätze im früheren Krankenhaus fast schon kompensieren. Wir brauchen aber in Deutschland unverzüglich eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen.
Die genannten Bauvorhaben verschlingen viel Geld. Und trotz aller Zuschüsse müssen auch für die Gartenschau höhere Investitionen getätigt werden. Bleibt da überhaupt noch etwas für andere Großprojekte übrig?
Unsere Pflichtaufgaben müssen wir natürlich dennoch erledigen. Zum Beispiel wird die Grundschule in Marbach saniert. Hier werden wir in diesem Jahr konkret in die Planungen einsteigen. Fördermittel wurden schon bewilligt. In einem ersten Schritt waren bereits die Toiletten saniert worden. Kein Geheimnis ist, dass auch die Stadionhalle ihre besten Zeiten hinter sich hat. Ziel ist, das Gebäude bis 2030 zu sanieren. Das gilt auch für die Gymnasiumturnhalle oder den Neubau des Feuerwehrhauses in Rielingshausen.
Zur Gegenfinanzierung könnten perspektivisch die Steuereinnahmen aus dem neuen Gewerbegebiet mit Erdmannhausen beitragen. Wer wird sich dort ansiedeln?
Die Firma Hainbuch möchte dort eine neue Fabrikationshalle bauen. Wie man lesen konnte, haben sich die Geschäfte inzwischen wieder besser entwickelt, die Corona-Delle ist überwunden. Noch Anfang dieses Jahres werden unter Federführung der Gemeinde Erdmannhausen Verhandlungen mit Grundstückseigentümern in dem Gebiet geführt. Wir erhoffen uns eine signifikante Erhöhung bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer, wenn das Gebiet aufgesiedelt ist.
Wie eilig ist es beim Autohaus Bühler, das sich ebenfalls dorthin verlagern möchte?
Das bisherige Domizil auf der möglichen Expansionsfläche von Lidl ist nur angemietet. Außerdem braucht das Autohaus Bühler entsprechende Flächen, weil sie als modernes Autohaus die Sparten Verbrenner und E-Antriebe abdecken möchten. Da gibt es Handlungsbedarf. Weitere Betriebe aus Marbach und aus Erdmannhausen haben auch schon Interesse angemeldet, gerne in dem neuen Gewerbegebiet sesshaft werden zu wollen.
Werdegang
Jan Trost ist in seiner zweiten Amtszeit Bürgermeister in Marbach. Zuvor war der 48-Jährige Fachbereitsleiter Verwaltung in Sachsenheim. Aufgewachsen ist Trost im benachbarten Steinheim. Das Abitur machte er am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium. Der verheiratete Familienvater hat drei Kinder.