InterviewBürgermeister Reiner Ruf „Eine Gemeinde ist nie fertig“

Wer wird der neue „Schlossherr“ in Rechberghausen? Am  26. April wird der Nachfolger von Bürgermeister Reiner Ruf gewählt. Foto: Horst Rudel
Wer wird der neue „Schlossherr“ in Rechberghausen? Am 26. April wird der Nachfolger von Bürgermeister Reiner Ruf gewählt. Foto: Horst Rudel

Am 1. Juli geht der Bürgermeister Reiner Ruf in den Ruhestand. In seiner mehr als 37-jährigen Amtszeit hat er große Fußstapfen hinterlassen. Am 26. April wird sein Nachfolger in der rund 5300 Einwohner zählenden Schurwaldgemeinde gewählt.

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Rechberghausen – - Er ist der dienstälteste Bürgermeister weit und breit. Reiner Ruf hat sein Amt am 1. Dezember 1977 als Jungspund angetreten und ist erst der zweite Schultes der Nachkriegszeit am Ort. Bei seiner letzten Wiederwahl war klar, dass der 62-Jährige diese Amtsperiode nicht mehr zur Gänze absolvieren wird. Im vergangenen November kündigte der Vater von fünf Kindern seinen vorzeitigen Rückzug an.
Herr Ruf, was ist heute anders als bei Ihrem Amtsantritt 1977, und was wird sich nie ändern?
Die Aufgaben sind im Kerngeschäft unserer Kommunen eigentlich unverändert geblieben. Die allgemeine Daseinsvorsorge wird jedoch heute anders definiert, weil sich die gesellschaftlichen Verhältnisse stark gewandelt haben. Ein Beispiel ist die intensive Förderung der Kleinkinder, die Ganztagesbetreuung an Kindergärten und Schulen. Damit gibt es gute Angebote. Aber die politische Hoffnung, dass damit mehr Kinder auf die Welt kommen werden, wird sich leider nicht erfüllen. Die Familien werden inzwischen zwar finanziell besser unterstützt, aber auch mit noch mehr finanziellen Mitteln wird man das nicht erreichen, zumal diese Mittel oft gar nicht so verwendet werden, für was sie eigentlich vorgesehen sind: für die Erziehung und Bildung der Kinder. Ändern werden sich zwei Dinge nie: eine Gemeinde ist nie fertig. Und: es ist heute wie damals eine Binsenweisheit, dass man immer nah bei den Menschen im Ort sein sollte.
Sie haben viel bewegt in den vergangenen 37 Jahren. Was hätten Sie gerne noch angestoßen, und worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz?
Es ist Bürgermeisterwahl am 26. April, und deshalb habe ich schon die beiden letzten Jahre Wert darauf gelegt, nur die wichtigsten Themen noch im Gemeinderat voranzubringen. Der neue Bürgermeister, die neue Bürgermeisterin, soll ja einen guten Start hinlegen können. Die Gemeinde ist auf den Wechsel vorbereitet. Als Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses unmittelbar vor Beginn des eigentlichen Wahlkampfes habe ich mich sehr zurückzuhalten. Später kann ich gerne noch etwas Bilanz ziehen.
Vor welchen Herausforderungen steht Ihre Nachfolgerin?
Aus der oben geschilderten Zurückhaltung sage ich da auch nur: mit der Bürgerschaft, dem Gemeinderat und der Verwaltung die Entwicklungspotenziale nutzen, fleißig weiterarbeiten, die eigene Spur finden.
Es gibt nur eine Bewerberin für Ihr Amt. Können Sie sich vorstellen, weshalb?
Siehe oben, diese Situation will ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren.
Im Ort heißt es, ein neuer Bürgermeister habe nicht mehr viel zu tun. Das Problem sei eher, die vorhandenen Strukturen zu erhalten. Stimmt das?
Ja und Nein! Ja, wenn man an die vorhandene und gut strukturierte Infrastruktur denkt. Diese bedarf nun eher der vorsichtigen, behutsamen Ergänzung und Unterhaltung. Da sind wir aber fast überall gut auf dem Laufenden. Nein, weil ich viele Aufgaben sehe, die sich durch den rasanten Wandel in der Gesellschaft ergeben. In der Innenentwicklung sehe ich viele Entwicklungspotenziale.
Warum hören Sie vorzeitig auf  – die Amtszeit endet erst zum 30. November 2017?
Zunächst habe ich bereits vor meiner fünften Wahlperiode unserer Bevölkerung angekündigt, dass ich diese Amtszeit nicht bis zum Schluss machen möchte. Das wurde damals akzeptiert. Also mache ich damit nur das wahr, was ich in Aussicht gestellt habe.
Sie werden am 1. Juli Ruheständler sein. Geht das überhaupt?
Ich hoffe, mir gelingt das auch wie vielen anderen vor mir oder nach mir. Einige interessante Aufgaben verbleiben mir, und es gibt bei den vielen Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge sehr viel Beratungsbedarf bei den Städten und Gemeinden. Da sehe ich für mich auch noch ein Betätigungsfeld – das Thema Kommunalberatung reizt mich sehr. Mal sehen.
Was raten Sie Ihrer Nachfolgerin?
Aus Rechberghausen das Beste zu machen.




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