Insgesamt votierten 59,9 Prozent der Wahlberechtigten in Schönaich für sie. In absoluten Zahlen: 2987 Wähler. Ihr stärkster Mitbewerber Markus Mezger konnte nur 1849 Voten einsammeln und landete deutlich abgeschlagen bei 37,1 Prozent.
Walther gibt sich überwältigt
„Ich bin überwältigt von diesem Ergebnis und dem Vertrauen der Wähler“, sagte Walther in ihrer Rede in der Schönaicher Gemeindehalle. Sichtlich bewegt blickte sie auf die intensive Zeit des Wahlkampfs zurück: „Ich bin sehr dankbar für die letzten zwei Monate, in denen ich wunderbare Menschen hier in Schönaich kennenlernen durfte.“ Sie wolle ihr Bestes geben und auch die von sich zu überzeugen, die ihr an diesem Tag ihre Stimme nicht geliehen hätten.
Ganz oben auf ihrer Agenda stehe nun, Vertrauen zur Belegschaft im Rathaus und den Mitgliedern im Gemeinderat aufzubauen. „Ich bin top-motiviert, jetzt damit loszulegen. Das Kennenlernen als Grundlage für eine gute Zusammenarbeit ist für mich das Wichtigste“, sagte sie am Wahlabend. Ob sie das Ergebnis in dieser Klarheit hat kommen sehen? „Ganz im Ernst: Nein, weil ich keine Glaskugel hatte.“
Mezger als fairer Verlierer
Ihr war klar, dass sie in Markus Mezger einen starken Mitbewerber haben würde. Der gab sich am Sonntag als fairer Verlierer: „Ich wünsche Anna Walther alles Gute und kann das Ergebnis akzeptieren. Die Wählerinnen und Wähler haben sich jemand von außerhalb gewünscht und mir war klar, dass die Hürde hoch ist.“ Seine knapp 40 Prozent spiegelten rückblickend die Stimmung in der Bevölkerung wider, befand er. Nach wie vor brenne er aber für seine Heimatgemeinde und konnte sich eine Kandidatur als Bürgermeister auch nur in Schönaich vorstellen.
Nach dem verpassten Einzug ins Rathaus geht für ihn der Alltag weiter: Am Montag wartet auf ihn wieder sein Schreibtisch im Wirtschaftsministerium. Während der Kandidatur ließ Mezger sein Amt als Gemeindeverbands-Vorsitzender der Schönaicher CDU ruhen. Für den Fall seiner Wahl hatte er angekündigt, ganz davon zurückzutreten. Ob er das Parteiamt trotzdem abgeben will, ließ er am Sonntag aber noch offen.
Auch der Landrat gratuliert
Zur Gratulation kam auch der Böblinger Landrat Roland Bernhard, der sagte: „Die Menschen haben sich für Sie entschieden, das heißt, sie wollten eine Kandidatin von außen.“ Dass Walther alles mitbringe, was eine als Bürgermeisterin brauche, habe sie in den vergangenen Tagen bewiesen. Außerdem stehe sie derzeit in Diensten der Sindelfinger Stadtverwaltung, „und für den Oberbürgermeister Bernd Vöhringer eine gute Arbeit zu machen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, witzelte Bernhard. Es freue ihn auch, dass die Frauenquote in der Bürgermeister-Riege des Landkreises „um hundert Prozent steigt.“ Mit Anna Walther erobert erstmals wieder eine Frau ein Rathaus im Kreis, zuvor waren es ausschließlich Männer.
Wann genau sie ihren Dienst in Schönaich antritt, steht derzeit noch nicht fest. Die verheiratete Mutter von zwei Söhnen (acht und zehn Jahre) will das Ergebnis zunächst sacken lassen, bevor sie die nächsten Schritte einleitet. Seit 2019 arbeitet sie im Sindelfinger Rathaus als Referentin im Stab des OB im Bereich Strategie, Koordination und Bürgerangelegenheiten. Walther: „Ich will jetzt Gespräche führen, wann ich meine Stelle verlassen kann.“ Derzeit wohnt Walther in Renningen. Ob sie mit ihrer Familie an ihren neuen Wirkungsort ziehen wird, konnte sie ad hoc nicht beantworten. „Ich werde tun, was für die Gemeinde und meine Familie das Richtige ist“, sagte sie.
Wahlbeteiligung deutlich gestiegen
Insgesamt 8178 Wahlberechtigte waren am Sonntag zur Urne gebeten. Immerhin 62,4 Prozent von ihnen machten ihr Kreuzchen, was einer deutlichen Steigerung der Wahlbeteiligung im Vergleich zur vorherigen Wahl 2017 bedeutete. Damals lag diese bei 49 Prozent und Daniel Schamburek siegte mit 54,4 Prozent. Er war im Januar nach anhaltenden Streitigkeiten mit dem Gemeinderat überraschend zurückgetreten. Für seine Nachfolgerin gilt es jetzt, diese Gräben wieder zuzuschütten und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.