Bürgermeisterkandidat Thomas Fuhrmann Im Vollsprint an die Rathausspitze

Der Anwalt Thomas Fuhrmann soll die Stadtkasse verwalten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Ex-Leichtathlet und Stadtrat Thomas Fuhrmann soll im März die Nachfolge von Michael Föll als Leiter des wichtigen Ressorts für Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen antreten. In der CDU gilt er als vorzeigbar, sogar die Linken zollen im Lob.

Stuttgart - Klaus, Lang, Susanne Eisenmann, Michael Föll – gleich drei Vorsitzende oder Stellvertreter der CDU-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat wechselten in den vergangenen 40 Jahren auf die Bürgermeisterbank. Ein erwartbarer Schritt, auch SPD und Grüne nutzen dieses Karrieresprungbrett gern. Thomas Fuhrmann, der am 19. Dezember von Kreis- und Fraktionsvorstand der Union zum Kandidaten für die Föll-Nachfolge als Bürgermeister für Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen gewählt werden soll, tanzt in dieser Hinsicht aus der Reihe.

 

Zwar ist der 47-jährige Jurist mit eigener kleiner Kanzlei aus Mühlhausen auch schon ein Vierteljahrhundert für die CDU kommunalpolitisch aktiv und wäre unter Kreischef Christoph Palmer auch fast Landtagskandidat geworden; die meiste Zeit saß er aber im Bezirksbeirat („zu 90 Prozent mit einstimmigem Beschluss“). Als Stadtrat dreht er gerade seine erste Runde. Dass er ein solches Tempo anschlägt, muss nicht verwundern: Fuhrmann war Deutscher Vize-Meister mit der 4 x 200-Meter-Staffel von Salamander Kornwestheim. Mit einer Bestzeit von 10,58 Sekunden über 100 Meter dürfte er der schnellste Stuttgarter Stadtrat aller Zeiten sein.

Erst fast Fraktionschef, jetzt Bürgermeisteranwärter

Der voraussichtliche neue „Wasenbürgermeister“ – trotz Vorschlagsrechts der CDU muss er am 14. März 2019 im Gemeinderat erst noch gewählt werden – hat seine Achterbahnfahrt schon hinter sich. Nachdem Michael Föll vor zwei Wochen mitgeteilt hatte, das Rathaus Ende Februar zu verlassen und Fraktionschef Alexander Kotz seine Bereitschaft zur Nachfolge andeutete, war Fuhrmann die erste Wahl – für den Fraktionsvorsitz. „Ich habe nicht Nein gesagt, weil ich Alexander Kotz die Chance geben wollte, unabhängig von den Folgen seine Entscheidung zu treffen“, so Fuhrmann. „Ich hätte es aber trotz des enormen Aufwands gern gemacht.“ Danach erfuhr er aber zweierlei: Es gab gar keine Lücke zu füllen, weil Alexander Kotz nun plötzlich doch nicht mehr Finanzbürgermeister werden wollte – und der Chef traue das Amt auch keinem anderen aus der Fraktion zu. Verstehe einer die CDU: kurz darauf war das Fraktionsmitglied Fuhrmann der Bürgermeisterkandidat der Stunde.

Fachanwalt mit Herz für Flüchtlinge

In der CDU gilt er als vorzeigbar. Bereits vor zwei Jahren war Fuhrmann ein möglicher Kandidat für den Posten des Verwaltungsbürgermeisters. Er wollte aus Sympathiegründen aber nicht gegen Fabian Mayer antreten. Jüngst hat man ihm die Leitung des Akteneinsichtsausschusses zum Klinikumsskandal übertragen. Den Job ist er bald wieder los – als potenzieller Krankenhausbürgermeister ist er dort unerwünscht.

Fuhrmann ist Fachanwalt für Verwaltungs- und Sozialrecht. In diesem Bereich, vor allem in der Flüchtlingsfrage, hat er im Rathaus die meisten Sympathiepunkte gesammelt. Selbst die Linken zollen ihm für seine Fachkunde und unaufgeregte Art Lob und Anerkennung. „Merkel muss weg“ käme Fuhrmann, anders als manch anderem Fraktionskollegen, nicht über die Lippen. Er hat als Anwalt zu viele Schicksale kennen gelernt, als dass er alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren würde. „Wir müssen diesen Menschen helfen, wir sind doch ein reiches Land“, hat ihm seine kleine Tochter nach einer Kindersendung ins Stammbuch geschrieben.

100 Prozent Loyalität

Fuhrmann weiß, dass Fölls Fußstapfen ein paar Nummern zu groß erscheinen. Es tröstet ihn, dass jeder andere Kandidat mit demselben Problem zu kämpfen hätte. Der Alte hat dem Neuen aber versichert, nach Amtsantritt 2004 öfters den „Freischwimmer“ gemacht zu haben. „Ich will auch gar kein zweiter Föll sein“, betont Fuhrmann. „Gestalten und verwalten“ wolle er. Dafür müsse er in den Sitzungen keine Volksreden halten. Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit in der Haushaltsführung, die er bei der Verwaltungsausbildung für den gehobenen Dienst gelernt habe, seien in der Gemeindeordnung vorgeschrieben. Großbaustelle Klinikum? Zuhören, lernen mithilfe der Führungskräfte und eingreifen, wenn es nötig sei. Unzufriedene Schausteller? Kein Problem, als Praktikant musste er in Ludwigsburg die Plätze auf dem Wochenmarkt verteilen. Seitdem kennt er alle Tricks. Es erwarteten ihn kompetente Mitarbeiter, sagt Fuhrmann. Sie dürften sich auf einen kollegialen Führungsstil einstellen, damit sei er immer gut gefahren. Das schließe „klare Kante“ nicht aus. Von ihm hat Fritz Kuhn keinen Tritt ans Schienbein zu befürchten. Bei Alexander Kotz hätte sich der Grünen-OB nicht sicher sein können. „100 Prozent Loyalität“ erfahre künftig nicht mehr der Fraktions-, sondern der Rathauschef. Das empfiehlt sich auch, weil der OB die Urlaubsanträge unterschreibt.

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