Bürgermeisterwahl in Aidlingen Helena Österle bekennt sich zum Ort

Helena Österle beim Wahlkampftermin im Aidlinger Adler. Foto: Langner

Die Kandidatin Helena Österle aus Nagold bekommt im Aidlinger Adler einen Vorgeschmack darauf, wo es in der Gemeinde grummelt und gärt.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Donnerstagabend im Gasthof Adler. Eine Woche nach der Kandidatenvorstellung mit mehr als 600 Zuhörern in der Sonnenberghalle hat Helena Österle hier zum Bürgergespräch geladen. Knapp 20 Gäste sind gekommen, um sich die Bürgermeisterkandidatin aus Nagold anzuschauen.

 

Eingangs stellt sich die Verwaltungsfachwirtin ausführlich vor und macht deutlich, worauf es aus ihrer Sicht bei dieser Wahl ankommt: „Ich sage ganz klar: Verwaltungserfahrung ist wichtig“, betont sie mit Blick auf ihren in dieser Hinsicht unbeleckten Mitbewerber Marc Weidel. So erwähnt sie etwa eine Baugebietsentwicklung in einem Wohngebiet in Nagold, wo sie die Abteilung Liegenschaften geleitet hat. Dies ist auch ihre aktuelle Aufgabe bei der Stadt Calw. Außerdem spricht sie über ihren Einsatz für Tourismus, lokales Gewerbe und ehrenamtliche Initiativen.

Fragen zu Versäumnissen der aktuellen Verwaltung

Wie sie das Ehrenamt stärken und die örtlichen Vereine wirksam fördern würde, darüber will Österle laut Einladung vor allem sprechen. Dazu und zu anderen drängenden Punkten hätte sie viel zu sagen – etwa zum langersehnten Kindergartenneubau in Dachtel oder zum drohenden Aus für die Sonnenbergschule. Am Ende sind es aber offenbar ganz andere Themen, die an diesem Abend die Gemüter erhitzen – und ehe sie sich versieht, muss die 46-Jährige Stellung zu Versäumnissen und Fehlern der aktuellen Rathausverwaltung beziehen.

Dazu zählen die seit 2019 ausstehenden Jahresabschlüsse – ein Missstand, den Österle im Falle ihrer Wahl möglichst schnell beheben will. Sonst wisse man schließlich gar nicht, welche finanziellen Spielräume man habe. „Wie kann so etwas denn passieren?“, empört sich eine Zuhörerin. Österle verweist auf die Umstellung des Haushaltswesens von Kameralistik auf Doppik, die einige Gemeinde vor Schwierigkeiten stelle.

Eine andere Frau spricht ein weiteres Reizthema an: Die Abwassergebühren, die in Aidlingen wegen einer lange übersehenen Fehlkalkulation insbesondere für Familien zu einer massiven Belastung geworden sind. Auch hier bekommt die Bürgermeisterkandidatin einen Vorgeschmack auf die Probleme, die sie im Falle ihrer Wahl zu lösen hätte.

Zwischendurch verliert sich das Gespräch im Kleinklein. Etwa, wenn es darum geht, warum Hallen nach Wochenendveranstaltungen nicht gereinigt werden oder als ein Zuhörer seine ausschweifende Fragenliste abarbeitet. Zumindest sind jetzt vermeintlich drängende Punkte geklärt, wie etwa die Frage, ob Österle, die ebenso wie Weidel CDU-Mitglied ist, „von der Partei gesteuert“ werde (Antwort: „Nein“, sie wolle überparteilich agieren) oder „wie viel Österle“ in ihrer Vorstellungsrede stecke, wo sie doch „Bürgermeister-Macher“ Klaus Abberger für ihren Wahlkampf engagiert habe (Antwort: „Sehr viel“. Er helfe ihr zwar beispielsweise bei Social Media, Homepage und Flyern, aber die lokalspezifischen Inhalte seien von ihr).

Helena Österle will auch ein zweites Mal in Aidlingen kandidieren

Auch der Aussage, dass sie als Nagolderin von den Entscheidungen ihrer Verwaltung ja gar nicht betroffen sei, widerspricht sie. „Als Bürgermeisterin bin ich Teil der Gesellschaft“, sagt Österle. Ihr Eigenheim in Nagold werde die Familienmutter dennoch vorerst nicht aufgeben. „Aber ich würde mir eine kleine Wohnung hier suchen“, stellt sie in Aussicht. Und: Wer weiß, was kommt? Sie habe schließlich vor, in Aidlingen auch für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. „Ich bin ja noch jung“, sagt sie lächelnd.

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