Bürgermeisterwahl Friolzheim Nach drei Amtszeiten: „Es macht mir immer noch richtig Spaß“

Michael Seiß steht vor dem Rathaus in Friolzheim. Er möchte auch weiterhin als Bürgermeister drinnen agieren. Foto: Simon Granville

In Friolzheim wird am 8. März nicht nur für den Landtag gewählt. Michael Seiß möchte Bürgermeister bleiben, er hat eine Mitbewerberin. Der Ort steht vor einigen Herausforderungen.

Am 8. März wählen die Bürgerinnen und Bürger in Friolzheim im Enzkreis nicht nur ein neues Landesparlament, sondern mit einem zweiten Stimmzettel einen neuen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. Neben dem Stelleninhaber Michael Seiß kandidiert auch die Friolzheimerin Sitran Sidar Senol für dieses Amt in der rund 4100 Einwohner zählenden Gemeinde.

 

Die Antwort auf die Frage, warum er nach 24 Jahren als Bürgermeister in Friolzheim für eine vierte achtjährige Amtsperiode kandidiert, kommt sofort: „Es macht mir immer noch richtig Spaß“, sagt der 57-Jährige mit einem Lachen. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat sei sachlich und konstruktiv, Beschlüsse würden in der Regel mit großer Mehrheit gefasst.

Seiß: Seine Ehefrau und die beiden Kinder stünden hinter ihm

Auch im Rathausteam gebe es ein gutes Miteinander. Gerade in seiner zweiten Amtszeit ab 2018 habe man viele besondere Herausforderungen mit der Corona-Krise, dem Ukraine-Krieg und der Unterbringung von Geflüchteten meistern müssen. „All dies macht es mir einfacher zu sagen, ich mach’s noch mal“, erklärt Seiß – der einst nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) drauf gesattelt hat. Er habe noch Energie und Ideen, seine Ehefrau und die beiden Kinder stünden voll hinter ihm.

Trotz knapper Kasse: Friolzheim hat ein Millionenprojekt vor sich

Energie und Ideen wird der Chef – oder eventuell eine künftige Chefin – der Verwaltung brauchen, um „das große Thema der nächsten Jahre“ zu bearbeiten: Die nicht nur in Friolzheim, sondern in den Kommunen landauf, landab immer knapper werdenden kommunalen Finanzen. Schon in der Woche nach der Bürgermeisterwahl am 8. März wollen Michael Seiß und der Gemeinderat in einer Haushaltsklausur beraten, wie der Friolzheimer Haushalt für 2026 gestaltet werden kann.

Drei Amtsperioden hat Michael Seiß bald hinter sich. Foto: Simon Granville

Es gibt Themen, die angegangen werden müssen, etwa die Situation am Seegraben mit Kläranlage und Kanalisation. Aufgrund neuer Vorschriften muss ein neues Regenüberlaufbecken gebaut werden. „Dieses Millionenprojekt wird uns die nächsten zwei bis drei Jahre fordern“, sagt Seiß. Glücklicherweise gebe es dafür noch Fördergelder.

Auch für die Kinder in der Gemeinde soll einiges getan werden, aktuell geht es um einen Hitzeschutz an der Grundschule – die zwar ein preisgekröntes Gebäude sei, sich aber durch Ausrichtung nach Süden im Sommer stark aufheize. Noch keine Gemeinderatsbeschlüsse gibt es für den Neubau einer Krippe, der einen als Provisorium gedachten Pavillon ersetzen soll. „Wir sind aber an den Planungen.“

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde zusammen mit der Energie Calw die Energie Friolzheim GmbH gegründet, deren Mehrheitsanteilseigner sie ist. „Wir haben den Anspruch, die Energie, die zu hundert Prozent aus regenerativen Quellen kommt, möglichst günstig anzubieten.“ Auch wolle die Gemeinde noch mehr Strom selbst produzieren, etwa durch PV-Anlagen. Sollte das Thema Windkraft konkret werden, dann werde er auf jeden Fall einen Bürgerentscheid vorschlagen. Er sei nicht gegen Windkraft, aber man müsse genau hinschauen, sagt Seiß.

Porsche nutzt ein Gewerbegebiet nicht – nun gibt es neue Ideen

Neben Themen wie Breitbandausbau und mehr Digitalisierung in der Verwaltung hat Michael Seiß, der seit 2002 Bürgermeister in Friolzheim ist, noch ein neues Gewerbegebiet im Auge: Vor zehn Jahren wurde eine Fläche im Gewann Reute an die Firma Porsche verkauft, die sie seither aber nicht nutzt. Nun geht sie wieder zurück an die ursprünglichen Eigentümer, sodass die Nachbarorte Friolzheim und Mönsheim sie im Rahmen eines interkommunalen Gewerbegebiets erschließen können. „Porsche hat sich dabei als fairer Partner erwiesen“, betont Seiß. Jetzt soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden, mit den naturschutzrechtlichen Untersuchungen sei bereits begonnen worden.

Auch die Mitbewerberin Sitran Sidar Senol wird porträtiert

Auch das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger will Seiß nicht nur weiter fördern, sondern sichtbarer machen, wie er sagt. Er nennt dafür beispielsweise einen Vereinsabend, möglicherweise mit Preisverleihung. Das ist eine Idee, mit der auch seine Mitbewerberin Sitran Sidar Senol in das Rennen um die Gunst der Wählerschaft geht. Die Kandidatin wird in einem separaten Artikel vorgestellt.

Öffentliche Vorstellung

Festhalle
Michael Seiß und seine Herausforderin Sitran Sidar Senol stellen sich der Öffentlichkeit am Freitag, 27. Februar, um 19 Uhr in der Festhalle in Friolzheim vor.

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