Bürgermeisterwahl in Aidlingen Marc Weidel macht Wahlkampf im eigenen Ort
Marc Weidel stellt auf dem Dorfplatz von Lehenweiler fest, dass Sachthemen jetzt interessanter sind als sein Alter.
Marc Weidel stellt auf dem Dorfplatz von Lehenweiler fest, dass Sachthemen jetzt interessanter sind als sein Alter.
Am Samstagnachmittag scheint die Sonne auf den Lehenweiler Dorfplatz. Marc Weidel möchte Bürgermeister werden in Aidlingen, wozu Lehenweiler gehört. Am kommenden Wochenende fällt die Entscheidung, wer die Nachfolge von Ekkehard Fauth (parteilos) antreten darf.
Weidel sucht das Gespräch mit den Bürgern in Lehenweiler, stellt sich zwischen 14 und 17 Uhr ihren Fragen, möchte wissen, was die Menschen bewegt, die im Teilort leben. Und sie kommen.
Schon eine Viertelstunde vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung treffen die ersten ein. Bis nach 15 Uhr ist Weidel von mehr als einem Dutzend Bürgerinnen und Bürger umringt, die ihm die Probleme, Anliegen ihrer Gemeinde vortragen und ihm Fragen stellen. Später kommen noch mehr hinzu. Gegen 17.30 schließlich verlässt der Kandidat den Ort – gut 30 Menschen, die das Gespräch mit ihm suchten, hat er bis dahin selbst gezählt.
Marc Weidel, 23, noch im Studium der Betriebswirtschaftslehre, wurde geboren in Böblingen, wuchs auf in Aidlingen. Bei der Bürgermeisterwahl konkurriert er mit der 46-jährigen Verwaltungsfachfrau Helena Österle. Beide sind Mitglied der CDU. Österle lebt in Nagold, leitet das Calwer Liegenschaftsamt, hat eine Verwaltungskarriere vorzuweisen. Erfahrung steht also gegen noch ganz frische Begeisterung und eine starke Identifikation mit der eigenen Gemeinde.
Marc Weidel ist ein ungewöhnlich junger Bürgermeisterkandidat – aber das, sagt er, nach dem Ende seiner Lehenweiler Bürgersprechstunde, spiele längst keine Rolle mehr: „Es war ein wichtiges Thema in der Anfangszeit meiner Kandidatur. Seit der Kandidatenvorstellung geht es eigentlich nur noch um Sachthemen, und das freut mich. Wir sprechen nicht mehr über das Alter, sondern über die Herausforderungen, vor denen man hier im Ort steht.“
Vor dem alten Schulhaus in Lehenweiler gestalten sich die Begegnungen locker. Die Gespräche streifen Themen wie die Ansiedlung von Gewerbe, die Angebote in Lehenweiler, immer wieder auch die Busanbindung des Ortes. Die Gestaltung der Bushaltestelle wird stark kritisiert. Diese Situation empfinden die Lehenweiler mitunter als gefährlich. „Da erwarte ich mir mehr Unterstützung“, sagt eine Frau. „Das Rathaus lässt uns allein damit.“
Natürlich interessiert die Bürger Lehenweilers vor allen Dingen die Zukunft ihres Orts: „Wie wird Lehenweiler in zehn Jahren aussehen?“ Ein neues Wohnbaugebiet auf Kosten ihres Bolzplatzes – das wünschen sich die Menschen im Dorf keinesfalls, dafür eine bessere Kinder- und Jugendarbeit. Gerade bei diesem Thema sind die Bürgerstimmen eher kritisch, und Marc Weidel sagt, in seinem Resümee des Nachmittags, denn auch: „Dieses Thema hat man bislang einfach verschlafen. Man kann Kinder und Jugendliche nicht einfach als eine weitere Kostenstelle betrachten. Bei ihnen geht es um die Zukunft. Und Beim Thema der Ortskerne sollte man eine gewisse Augenhöhe suchen. Ich finde, es ist wichtig, alle Ortsteile mit einzubeziehen, und man sollte, als Bürgermeister, gelegentlich auch bei den Sitzungen der Ortschaftsräte anwesend sein, um eine Wertschätzung der Teilorte auszudrücken.“
„Ein einfacher Job wird es nicht“ – diese Feststellung kommt an diesem Nachmittag aus der Reihe der Bürger. „Wenn Sie das alles hinbekommen, dann wählen wir Sie auch.“