Bürgermeisterwahl in Eberdingen Der Chefsessel ist heiß umkämpft

Carsten Willing, Michael Kara, Daniel Frenzel, Ulrich Raisch und Andreas Hildebrand wollen den Eberdinger Bürgermeister Peter Schäfer beerben. Foto: Simon Granville

Sechs Kandidaten wollen Schultes in Eberdingen werden, einer ist beim Wahlkampf aber gar nicht präsent. Und eines der Themen, das sie am meisten beschäftigt, spielt in der Nachbarkommune.

„In Vaihingen hond’ se ja au oin kriagt“, kommentiert ein Mann in den mittleren Reihen halblaut. Den sie in Vaihingen gekriegt haben, das ist Uwe Skrzypek, seit Kurzem Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt – und Quereinsteiger. Der Kommentar bezieht sich auf eine Publikumsfrage an Daniel Frenzel und Andreas Hildebrand: Woher sie das Selbstbewusstsein nähmen, ohne Verwaltungshintergrund anzutreten? Daniel Frenzel führt das betriebswirtschaftliche Studium ins Feld, das er nach mehreren Ausbildungs- und Berufsetappen absolvierte. Andreas Hildebrand sagt: „Mit Anfang 30 ist es noch gut möglich, sich in gewisse Dinge einzuarbeiten. Ob bei einem Unternehmen oder in der Kommune: Beim Verwalten gibt es Parallelen. Und wir haben Amtsleiter, die ihre Themen beherrschen.“

 

Vier junge, schneidige Aspiranten – drei davon aus dem Ort – , ein älterer Dauerbewerber und ein nie aufkreuzendes Kandidaten-Phantom, keine einzige Frau und allerlei berufliche Hintergründe: So zeigt sich das illustre Feld der Bewerber um die Nachfolge von Peter Schäfer. Der parteilose Eberdinger Bürgermeister (65), seit 2000 am Steuer, will seine dritte Amtsperiode nicht mehr vollenden, sondern im Februar ein Jahr vor der Zeit aufhören. Während 2015 nur zwei aussichtslose Kandidaten gegen Schäfer antraten – Ulrich Raisch und Heiko Gold von der Nein-Partei –, wetteifern jetzt also, da er von Bord geht, mehrere Bewerber um seinen Posten. Bis auf den weniger ernst zu nehmenden Samuel Speitelsbach, der gar nicht erst aufkreuzte, stellte sich das Quintett nun an drei Abenden in allen drei Ortsteilen vor – den einst selbstständigen, seit 1975 vereinten Orten Eberdingen, Nussdorf und Hochdorf.

„Das muss dringend verhindert werden“

In der vollen Hochdorfer Halle erleben die Besucher am Donnerstag manche Überraschung. Eine davon: Eines der virulentesten Themen Eberdinger Themen spielt gar nicht in Eberdingen. Der mögliche Erddeponie-Standort im benachbarten Hemmingen treibt die Menschen um. Sollte die Deponie kommen, erwarten die Eberdinger eine massive zusätzliche Verkehrsbelastung. Jeder der potenziellen Bürgermeister betont, dagegen ankämpfen zu wollen. „Das muss dringend verhindert werden, sonst führt das zum Kollaps“, sagt etwa Michael Kara, Schultes der 950-Seelen-Gemeinde Oggelshausen am Federsee, der sich als „erfahrener Verwaltungsfachmann“ präsentiert, „der frischen Wind von außen“ bringen will.

Während der stets konziliante 27-Jährige seinen Außenblick als Vorteil sieht – aber einflicht, dass er als in Besigheim Aufgewachsener die Region durchaus gut kennt – , wollen Carsten Willing, Daniel Frenzel und Andreas Hildebrand gerade mit ihrem Heimvorteil punkten. Willing wirft seine Expertise als Verwaltungswissenschaftler und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Staatslehre in Speyer in die Waagschale, zudem sein Engagement im Gemeinderat und bei der Feuerwehr. „Begonnenes zügig und strukturiert umsetzen, kostspielige Leuchtturmprojekte vermeiden, Transparenz und offene Kommunikation leben“ wolle er, erklärt der 31-Jährige.

Ein energieautarkes Eberdingen?

In Eloquenz um nichts nach stehen ihm die beiden anderen Lokalmatadore: Der 32-jährige Andreas Hildebrand, aus dem Schwarzwald stammender örtlicher CDU-Vorsitzender, der Herrenschneider lernte und auch schon mal Abteilungsleiter bei Breuninger war, sieht den Verwaltungschef-Posten so: „Sie, die Bürger, sind die Teilhaber und Kunden, ich bin der angestellte Bürgermeister des Unternehmens.“ Er will eine kommunale Wohnbaugesellschaft gründen, örtliche Firmen unterstützen und neue ansiedeln. Daniel Frenzel, 35, ist das soziale Miteinander besonders wichtig, das er selbst als Jungscharleiter und Elternbeiratsvorsitzender lebt. Frenzel schwebt ein energieautarkes Eberdingen nach dem Vorbild des bayerischen Ascha vor, er setzt auf regionalen Konsum, Verkehrssicherheit und eine Eberdingen-App, damit „Eberdingen in diesem Jahrhundert ankommt“, wird aber in Sachen Kommunalexpertise kalt erwischt, als er zu seiner Meinung zur unechten Teilortwahl gefragt wird und erst einmal passen muss.

Die Vier füllen ihre Redezeit mit viel Inhalt, während Ulrich Raisch es aufs Neue schafft, ausschweifend um die Tatsache herumzureden, dass er über die Kommune, an deren Spitze er gewählt werden will, wenig Substanzielles weiß. Dafür erwähnt er immerhin als Einziger die Einzigartigkeit des Eberdinger Keltenfürsten.

Die Bürger wollen manches genau wissen: welche Konfession die Bewerber haben und was sie besser machen wollen als der Amtsinhaber. Oder was Michael Kara dazu sagt, dass aus Oggelshausen anonym Beschwerden über angebliche Versäumnisse im Amt an eine hiesige Zeitung lanciert wurden. „Da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht“, wehrt sich Kara. Er spricht von Stimmungsmache und unbegründeten Anschuldigungen von Bürgern, die dafür bekannt seien, die Rathausspitze zu kritisieren.

Am 4. Dezember wird der Neue gewählt

Die Kandidaten
Nachfolger von Peter Schäfer werden wollen Michael Kara, Bürgermeister von Oggelshausen (CDU, tritt aber parteiunabhängig an), der Eberdinger Jurist Carsten Willing (Freie Wähler), der Eberdinger gelernte Herrenmaßschneider und örtliche CDU-Ortsverbandsvorsitzende  Andreas Hildebrand und der Eberdinger Versicherungsvermittler und Betriebswirt Daniel Frenzel (parteilos). Außerdem kandidieren zwei Daueraspiranten: der Stuttgarter Musikpädagoge Ulrich Raisch und der durch rechtsradikale Äußerungen aufgefallene Ingenieur Samuel Speitelsbach aus Ravenstein. Nicht zur Wahl in Eberdingen zugelassen wurde indes Friedhild Miller aus Böblingen, die keine Wählbarkeitsbescheinigung vorgelegt hatte

Die Wahl
Die Eberdinger wählen ihren neuen Bürgermeister am Sonntag, 4. Dezember. Sollte ein zweiter Wahlgang nötig sein, ist dieser auf Sonntag, 18. Dezember, terminiert.

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