Bürgermeisterwahl in Ebersbach Vier Männer – ein Ziel

Von  

Das Schaulaufen im Vorfeld der Ebersbacher Bürgermeisterwahl hat begonnen – jetzt müssen die Kandidaten mit Argumenten punkten.

Roland Schmelzle, Eberhard Keller, Sacha Auwärter und Oliver Knur (von links) haben sich den Ebersbachern als Bürgermeisterkandidaten empfohlen. Foto: Ines Rudel
Roland Schmelzle, Eberhard Keller, Sacha Auwärter und Oliver Knur (von links) haben sich den Ebersbachern als Bürgermeisterkandidaten empfohlen. Foto: Ines Rudel

Ebersbach - Vor vollem Haus haben sich die vier Bewerber um das Amt des Ebersbacher Bürgermeisters erstmals gemeinsam ihren Wählerinnen und Wählern präsentiert. In Erwartung des Wahltags am 14. Mai nutzten die Kandidaten die Gelegenheit, in der Marktschulturnhalle für ihre Ideen zu werben, wie es mit der hoch verschuldeten Stadt weitergehen kann und – moderiert vom scheidenden Amtsinhaber Sepp Vogler – mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Die Kleinstadt mit 15 500 Einwohnern sieht sich im Wettstreit mit den benachbarten Kommunen um die Bedeutung als Gewerbestandort, Schulstadt und Lebensort. In ihren jeweils 15-minütigen Vorstellungsreden bekräftigten alle vier Bewerber den Willen zu einer Haushaltskonsolidierung. Angesichts des dicken Pakets von Pflichtaufgaben, das einen großen Teil der kommunalen Finanzen in Ebersbach bindet, boten die vier Aspiranten jeweils ähnliche Vorstellungen zum Thema.

Das interkommunale Gewerbegebiet soll rasch entwickelt werden

Alle Bürgermeisterkandidaten verbinden mit dem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet Strut, das gemeinsam mit der Nachbarstadt Uhingen entwickelt wird, die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Diplom-Betriebswirt Oliver Knur (46) aus Ebersbach-Weiler, der für die CDU im Gemeinderat sitzt, möchte diese interkommunale Zusammenarbeit ausbauen und in der Strut innovative Betriebe ansiedeln. Auf die rasche Entwicklung der Strut setzt auch der parteilose promovierte Diplomingenieur Roland Schmelzle aus Albershausen, der den Ausbau des Logistikparks Haller lobt. Der ehemalige Südradmanager traut sich angesichts der spezialisierten Verwaltungsfachleute im Ebersbacher Rathaus auch den Job als Chef der städtischen Verwaltung zu. Das bekräftigte er am Dienstag.

Und wer finanziert das geplante Kinderhaus Nord?

Der Ebersbacher Handwerksmeister und Werkleiter Sacha Auwärter sieht auch noch in den Ebersbacher Teilorten Reserven für Gewerbeansiedlungen. Seit 2014 verfügt er über ein Mandat der Freien Wähler im Gemeinderat. Ähnlich wie seine Fraktion möchte der 41-Jährige neue Investitionen, beispielsweise den Bau des zur Debatte stehenden Kinderhauses Nord, von einem Investor finanzieren lassen. Nein, die Planungshoheit der Kommune werde dabei nicht geschmälert, antwortete der Vorsitzende des Verbunds der Ebersbacher Vereine auf entsprechende Bedenken.

Es gehe um Menschen, nicht um Gewinne

Eberhard Keller (SPD) aus Stuttgart schlägt vor, besonders attraktive Gewerbeflächen zu höheren Preisen abzugeben. Für ihn habe die Stärkung der Wirtschaft Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete, weil durch Zuzüge die teure Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden müsste. Der Mitarbeiter der Stadt Mannheim, der im Kontaktbüro zur Landesregierung in Stuttgart arbeitet, möchte in Ebersbach innovative Start-up-Betriebe, beispielsweise im Bereich Mechatronik, in Zusammenarbeit mit der Göppinger Hochschule ansiedeln. Keller (44) lobte die neue Haushaltsstrukturkommission und ergänzte, die Konsolidierung der städtischen Finanzen sei nicht vergleichbar mit einer Unternehmenssanierung; Hier gehe es immerhin um Menschen, nicht um Gewinne.

Von Teamgeist und „Wir-Gefühl“

Dass die Menschen in Ebersbach auf dem Wege der Bürgerbeteiligung an Entscheidungen mitwirken sollen, nahm bei der Vorstellungsrunde ebenfalls breiten Raum ein. Roland Schmelzle wirbt mit seinem Teamgeist und der Idee der offenen Tür, die er bereits als Manager praktiziert habe. Außerdem liege ihm die Zusammenarbeit mit dem Stadtseniorenrat, die Anbindung der Teilorte per Bürgerbus, die Erhaltung des Freibads und verlängerte Öffnungszeiten im Jugendhaus am Herzen, sagte der 56-Jährige.

Oliver Knur will dem „Wir-Gefühl“ gegenüber dem Kirchturmdenken den Vorzug geben. Mit Hilfe des Kommunalen Ordnungsdienstes möchte er den Vandalismus eindämmen. Unter Standortmarketing verstehe er auch einheitliche Öffnungszeiten der Ebersbacher Geschäfte und eventuell einen Ebersbacher Gutschein, erklärte Knur auf die Frage einer Bürgerin, wie er den Einzelhandel in Zeiten wachsender Onlinemärkte stärken wolle. Während die Stadt mit ihrer reizvollen und verkehrsgünstigen Lage punkten könne, müsse die Filstalbahn attraktiver werden, meint Knur. Und Gegenkandidat Auwärter verspricht sich von einer zusätzlichen Einfädelspur auf die B 10 bessere Verkehrsbedingungen.