Stellen sich am 8. März zur Wahl: Sitran Sidar Senol will Bürgermeisterin von Friolzheim werden, Michael Seiß möchte sein Amt behalten. Foto: Simon Granville
Die Bewerber um das Bürgermeisteramt in Friolzheim, Amtsinhaber Michael Seiß und Herausforderin Sitran Sidar Senol, stellen sich vor. Inhaltliche Übereinstimmungen werden deutlich.
Brunhilde Arnold
01.03.2026 - 14:21 Uhr
Aus dem Rathaus hatte Eberhard Enz, Hauptamtsleiter in Friolzheim, die große Amtsglocke in die Turn- und Festhalle mitgebracht. Eigentlich sollte sie das Ende der jeweils 20-minütigen Redezeit der Bürgermeisterkandidaten Sitran Sidar Senol und Michael Seiß einläuten. Doch weil die beiden früher mit ihren Ausführungen zu ihrer Person und ihren Gedanken und Plänen für Friolzheim fertig waren, musste sie nicht eingesetzt werden.
Das bedauerte nicht nur der erste stellvertretende Bürgermeister Michael Welsch, der die offizielle Kandidatenvorstellung am Freitagabend moderierte, sondern auch das Publikum. Also läutete Eberhard Enz die Glocke zur Freude der an die 400 Gäste einmal kräftig. Dafür gab es ebenso Beifall wie für eine emotionale Gesangseinlage des Hannes-Wader-Songs „Heute hier, morgen dort“, den Sitran Sidar Senol auf Friolzheim umgeschrieben hatte und mit dem sie ihre Rede beendete.
Der Friolzheimer Bürgermeister Michael Seiß musste Handy sowie Smartwatch abgeben
Bevor es so weit war, musste allerdings den vom Gemeinderat beschlossenen Regularien zur Veranstaltung Genüge getan werden. Die Friolzheimer Pädagogin Senol hatte als erste ihre Bewerbung abgegeben und durfte deshalb gleich ans Rednerpult treten. „Der jeweils andere Bewerber wird aus Diskretionsgründen in die benachbarte Gaststätte geführt“, erklärte der Moderator, was viele im altersmäßig durchaus gemischten Publikum mit Lachen quittierten. Amtsinhaber Michael Seiß musste nicht nur sein Handy, sondern sogar seine Smartwatch abgeben.
Die Friolzheimer Pädagogin Sitran Sidar Senol hatte als erste ihre Bewerbung abgegeben und durfte deshalb gleich ans Rednerpult treten. Foto: Simon Granville
So bekam er auch nicht mit, wie Sitran Sidar Senol über ihr Selbstverständnis von ihrer möglichen Arbeit als Bürgermeisterin sowie der Entwicklung Friolzheims sprach. Das Thema Verantwortung sei etwas Grundsätzliches für sie, ebenso wie die Transparenz bei Entscheidungen. Führungserfahrung habe sie nicht nur aufgrund ihrer Tätigkeit als Kita-Leiterin, sondern seit 2014 führt die 34-Jährige auch zwei Bildungszentren. Sie bringe unternehmerisches Denken mit, kenne Krisen, aber auch Lösungen. „Zuhören, verstehen, anpacken – das ist kein Wahlslogan, sondern meine Haltung“, erklärte sie.
Mit Blick auf ihre fehlende Verwaltungserfahrung sagte sie: „Ja, es stimmt, ich war noch keine Bürgermeisterin, aber ich treffe täglich Entscheidungen.“ Sie mache dabei keine Schnellschüsse, sondern habe stets die strategische Entwicklung im Blick. Sie sprach die Bedeutung der örtlichen Gewerbebetriebe an, schilderte ihre Ideen für ein stärkeres Miteinander der Generationen, für Kinder und Familie, die Einbindung von Jugendlichen und für mehr Wertschätzung der Vereine sowie für eine starke Wirtschaft, die kein Selbstzweck sei, „sondern sie finanziert unsere Kindergärten“.
Bürgermeister Seiß über Friolzheim: „Miteinander bringen wir diese kleine, aber feine Gemeinde voran.“
Der amtierende Rathauschef kam gleich auf den Punkt.„Ich heiße Michael Seiß, bin Ihr Bürgermeister und möchte es gern noch eine Weile bleiben“, sagte der 57-Jährige. Er stehe für Kontinuität im Rathaus, sei Chef einer Verwaltung mit 100 Beschäftigten und habe das Bürgermeister-Handwerk gelernt. „Miteinander bringen wir diese kleine, aber feine Gemeinde voran“, versprach Seiß, der seit 24 Jahren Bürgermeister in Friolzheim ist.
Bürgermeister Michael Seiß leitet seit 24 Jahren die Geschicke der Gemeinde Friolzheim. Foto: Simon Granville
Er schilderte viele Projekte, die in dieser Zeit angestoßen wurden: die Digitalisierung der Verwaltung etwa, die Bürgersolarberatung und die Energie Friolzheim. Er lobte die Situation im Einzelhandel und bei der medizinischen Versorgung im Ort. Im Sommer wolle er Jugendliche zu einem informellen Treffen einladen.
Wie schon zuvor Sitran Sidar Senol sprach auch Michael Seiß das zehn Hektar große Gebiet Reute an, das von der Firma Porsche wieder zurückgegeben wurde und nun als interkommunales Gewerbegebiet entwickelt werden soll. „Dass die Firma Dallmayr trotz größter Bemühungen nach Rutesheim abwandert, weil sie hier keine Erweiterungsmöglichkeit hatte, soll uns nie wieder passieren“, so Seiß. Auch er betonte die Bedeutung des Ehrenamts und wolle an seinem Plan festhalten, eine Ehrenamtsgala für die Vereine zu veranstalten. Weiter regte er eine Bürgerstiftung für soziale Zwecke an.
Herausforderin Sitran Sidar Senol über die Friolzheimer: „Ich glaube, jetzt haben sie ein anderes Bild von mir.“
Eine offene Fragerunde an die Bewerberin und den Bewerber gab es zur Enttäuschung mancher Besucher nicht, doch Interessierte konnten sie im Nebenraum der Festhalle direkt ansprechen – und manche nutzten die Gelegenheit. Vor den Stehtischen bildeten sich sogar kleinere Warteschlangen. „Die Leute fragen thematisch querbeet, von Schule über Sicherheit bis zu Gewerbe“, erzählte Michael Seiß, als der Andrang nachließ. Bei seiner Wiederwahl vor acht Jahren hatte er es lediglich mit der Vielfach-Kandidatin Fridi Miller aus Sindelfingen zu tun. Mit Sitran Sidar Senol steht er diesmal mit einer ernstzunehmenden Herausforderin im Wettbewerb um das Bürgermeisteramt, die auch umfangreich Wahlkampf betreibt.
Auch an deren Tisch sprachen die Besucher über ihre Sorgen, etwa zum Thema Sicherheit. Sie habe durchaus mit so viel Publikum an dem Abend gerechnet, weil die Leute sie nicht kannten. „Ich glaube, jetzt haben sie ein anderes Bild von mir“, meint Sitran Sidar Senol.