Bürgermeisterwahl in Otterbach „Nicht-Kandidat“ will Rathauschef werden
Wegen eines Fehlers in seiner Wahlwerbung hatte Johannes Herrmann seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Ottenbach zurückgezogen.
Wegen eines Fehlers in seiner Wahlwerbung hatte Johannes Herrmann seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Ottenbach zurückgezogen.
Bei ihrer Suche nach einem geeigneten Bürgermeister für Ottenbach hatten die Besucherinnen und Besucher in der Gemeindehalle zahlreiche Fragen an die vier Bewerber, die sich bei der Kandidatenvorstellung präsentiert haben. Max Göschel, Florin Joos, Heiko Hudler und Axel Raisch wurden um Antworten zu vielen Themen wie Pflege, Ärzteversorgung, Busanbindung und Hochwasserschutz gebeten. Die Kandidaten wurden auch nach ihren Kompetenzen, eine Gemeindeverwaltung zu leiten, gefragt. Dieses Thema hat inzwischen eine neue Dynamik in Ottenbach erhalten, weil nun ein Bewerber im Spiel ist, der zwar kein offizieller Kandidat ist, aber durchaus Bürgermeister werden möchte, wie er beim einem Telefonat bestätigt.
Johannes Herrmann hatte Mitte Dezember mitgeteilt, dass er in Ottenbach kandidieren werde. Dann zog er die Bewerbung kurz vor Ende der Bewerbungsphase am 29. Dezember aber zurück. Herrmann ist Hauptamtsleiter in Bad Überkingen und damit hängt auch sein Rückzug zusammen. Er müsse selbst Wahlen betreuen und sollte daher wissen, was zu beachten ist. Seiner Einschätzung nach ist ihm bei seiner Wahlwerbung für Ottenbach auf sozialen Medien ein Fehler beim Thema Neutralität unterlaufen. Herrmann deutet im Gespräch nur an, was genau passiert ist: Er hatte wohl aus dem Vereinsumfeld Zustimmung für sich reklamiert, ohne vorher das Einverständnis einzuholen. Als er darauf aufmerksam gemacht wurde, habe er das nicht rechtzeitig vor Ende der Bewerbungsphase korrigieren können, erläutert Herrmann den Rückzug kurz vor Torschluss. Damit die Wahl nicht gefährdet wird, habe er die Reißleine gezogen.
„Als Hauptamtsleiter musste ich das tun“, sonst wäre ihm, so Herrmann, vielleicht vorgeworfen worden, dass er es hätte besser wissen müssen. Bei so einer Wahl gelte es, vieles zu beachten. Er wolle nicht riskieren, dass das Ergebnis für ungültig erklärt wird. Trotz des Rückzugs ist Herrmann aber nicht wirklich aus dem Rennen.
Manche Ottenbacher machen sich dafür stark, die Möglichkeit des Wahlrechts zu nutzen und Herrmanns Namen händisch in die freie Zeile des Stimmzettels einzutragen. Dagegen hat der 33-Jährige keine Einwände. „Das sehe ich schon grundsätzlich positiv.“ Er habe auch weiterhin Interesse am Bürgermeisteramt. Einen offiziellen Wahlkampf könne er natürlich nicht machen, sagt der Bärenbacher, aber er zeige sich in Ottenbach und stehe für Gespräche zur Verfügung.
Nachdem die Kandidaten ihre Reden gehalten hatten, kamen sie am Dienstag, 13. Januar, gemeinsam auf die Bühne, um Fragen des Publikums zu beantworten. Dabei ging es zum Beispiel um die ärztliche Versorgung und um Pflegeeinrichtungen in der Kommune. Denn die Bewerber wollen erreichen, dass ältere Einwohner in Ottenbach bleiben können, wenn sie pflegebedürftig werden. Zudem wünschen sich die Ottenbacher eine Hausarztpraxis. Er hoffe „auf Kooperationen mit bestehenden auswärtigen Praxen, die an einigen Tagen in Ottenbach Sprechstunden anbieten könnten“, sagte Max Göschel. Im Bereich Pflege möchte er das Ehrenamt stärker aktivieren. Er denkt an einen Krankenpflegeverein.
Heiko Hudler setzt indes auf sein „Lieblingsprojekt“ Mehrgenerationenhaus. Das könne eine Begegnungsstätte für alle Generationen werden und auch eine Arztpraxis unterbringen. Wie das finanziert werden soll, kann er noch nicht sagen. Es gehe nicht ohne Gönner. Einen Hausarzt in den Ort zu holen, bezeichnet Florin Joos als schwierig. Früher habe es einmal eine Dorfschwester gegeben. Irgendwann werde Telemedizin an Bedeutung gewinnen. Er wünsche sich ein „Dorfhaus“ für alle Ottenbacher. Axel Raisch tritt dafür ein, dass Ottenbach ein Lebensort für alle Generationen bleibt. Es gebe zwar das Studium für Landärzte, aber am Ende sei eine Praxis ein Wirtschaftsunternehmen, das sich rechnen müsse.
Eine Lösung für eine bessere Busanbindung konnte kein Bewerber liefern. Da könne die Gemeinde wenig machen, allenfalls versuchen, Druck auf das Landratsamt auszuüben. Raisch, der seine Kampagne „Aus Liebe zu Ottenbach“ nennt, verneinte die Frage, ob er in den Ort ziehen werde. „Diese Überlegung besteht nicht.“ Joos wurde gefragt, ob die Partei Volt seinen Wahlkampf unterstütze. Er finanziere den Wahlkampf selbst, auch alle Texte seien von ihm, antwortete Joos. Hudler wurde auf seinen beruflichen Lebenslauf angesprochen, der im Februar 2025 endet. Seither sei er nicht mehr berufstätig, bestätigte Hudler. Er habe sich als Berater im Bereich Energieeffizienz weitergebildet.