Bürgermeisterwahl in Remshalden Für Wahlsieger Latzel war die Nacht sehr kurz – Mitleid mit Amtsinhaber Molt

Der neue Chef im Rathaus von Remshalden heißt Kevin Latzel. Foto: Gottfried Stoppel/privat

Die von fast allen erwartete Stichwahl fällt aus. Stattdessen wird der 46-jährige Kevin Latzel auf Anhieb mit 51,6 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister in Remshalden gekürt.

Am Tag nach seinem Wahltriumph ist Kevin Latzel zwar noch etwas gerädert vom wenigen Schlaf in der „kurzen Nacht“, doch von der Euphorie des Vorabends ist beim Telefongespräch mit ihm immer noch einiges zu spüren: Bei der Bürgermeisterwahl in Remshalden (Rems-Murr-Kreis) hat er mit 51,6 Prozent gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und somit den Chefsessel erobert. Der Amtsinhaber Reinhard Molt hingegen kam auf magere 15,5 Prozent.

 

Die meisten Beobachter hatten erwartet, dass aus dem bisherigen Triell, also einem Dreikampf unter gleichwertigen Kandidaten, ein Duell werden würde. Das suggerierte der gleichermaßen verteilte Beifall bei der offiziellen Präsentationsrunde in der Wilhelm-Enßle-Halle vor ein paar Wochen.

Felix Wiesner hatte sich mehr erhofft

Doch nach dem eindeutigen Votum für den parteilosen Latzel fällt die eigentlich prognostizierte und für den 10. Mai vorgesehene Stichwahl aus – denn der 29-jährige Felix Wiesner, in Remshalden weithin bekannt als Vorsitzender der CDU-Fraktion, erreichte zwar 32,6 Prozent, hatte sich aber sicher mehr erhofft und mindestens mit einem zweiten Wahlgang gerechnet.

Latzel jedenfalls war schon am Sonntagabend „total happy“, sein intensiver Wahlkampf, der ihn regelmäßig zu „Haustürbesuchstouren“ veranlasst hatte, wie er sich selbst ausdrückte, hat Früchte gezeigt. Und zwar deutlich mehr, als er selbst erwartet hätte. „Dieses klare Ergebnis hat sich nicht herauskristallisiert; aus dem Wahlkampf und der Resonanz hatte man eher herauslesen können, dass alle drei Kandidaten ziemlich gleichauf liegen dürften“.

Der 46-jährige Kevin Latzel ist in Stuttgart-Hedelfingen aufgewachsen, die Familie hat später zwischenzeitlich auch in Rudersberg gelebt. Er ist sei 30 Jahren Verwaltungsprofi, hat dies „von der Pike auf“ gelernt, seine Ausbildung absolvierte er von 1996 an in der Stadtverwaltung Fellbach.

Dort lernte er auch seine aus Remshalden-Geradstetten stammende Ehefrau kennen – ihr Name: Nathalie Schatzl. Das sorgte, wie er gegenüber unserer Redaktion erläutert, im Urlaub bei den Grenzkontrolleuren stets für einige Aufmerksamkeit und Scherze – etwa, ob es bei einer Heirat auf den Doppelnamen „Schatzl-Latzel“ oder umgekehrt hinauslaufen könnte.

Seit 16 Jahren lebt Latzel in Remshaldens Teilort Grunbach, derzeit ist er Bezirksvorsteher in Stuttgart-Obertürkheim – noch. Denn sein Amt im Remstal wird er aller Voraussicht nach in knapp drei Monaten antreten, die Amtseinführung in Remshalden ist für Ende Juli angedacht. „Ich möchte ein Bürgermeister sein, der nicht im Büro bleibt, sondern in den Ortsteilen präsent ist“ – mit dieser Vorgabe hatte er sich schon im Wahlkampf präsentiert.

Der zweitplatzierte Felix Wiesner hatte sich „einen Wahlsieg“ erhofft und war zumindest davon ausgegangen, in die Stichwahl zu kommen. „Es war vor allem nicht absehbar, dass der Amtsinhaber so wenig Stimmen erhält.“

Doch offenkundig konnte er von der spürbaren Wechselstimmung in Remshalden weniger profitieren als Kevin Latzel. „Ich bin schon enttäuscht“, bekennt Wiesner auf Nachfrage, doch „mit ein bisschen Abstand“ werde sich auch der Stolz einstellen, „dass mich fast 2000 Menschen mit ihrer Stimme unterstützt haben“ – doppelt so viele wie den Amtsinhaber.

Nur 15 Prozent für Reinhard Molt, im Umkehrschluss also mehr als 80 Prozent dagegen, das ist natürlich schon ein klares Signal der Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Bürgermeister. Damit habe er nicht gerechnet, „ich kann’s nur schwer erklären“, sagt Molt selbst am Montag auf Nachfrage zum Wahlausgang. „Ich bin nicht jemand, der sich selbst zu sehr lobhudelt“, doch seine Bilanz sei so schlecht ja nicht.

„Kein schöner Abgang“ für Molt

In Summe sei er 20 Jahre in Remshalden tätig gewesen. „Ich kann mir persönlich nichts vorwerfen.“ Er habe auch „keine goldenen Löffel geklaut“. Im Wahlkampf habe er auf Erfahrung und Kontinuität gesetzt, „doch Remshalden wollte offenkundig den Wechsel“. Er sei 26 Jahre Wahlbeamter gewesen, werde noch in diesem Jahr 62 Jahre alt und nun wohl ins Pensionärsleben wechseln.

Diese deftige Klatsche für Molt, der so viele Jahre Remshalden geprägt habe, „bedauere ich wirklich“, sagt sein Nachfolger Kevin Latzel, „das ist kein schöner Abgang, das hat er nicht verdient“. Ähnlich äußert sich Wiesner: „Bei aller Kritik an Herrn Molt, die ich ja auch selbst geübt habe“, so der Christdemokrat, „aber das hat er nicht verdient“.

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