Bürgermeisterwahl in Renningen Ein Kandidat und viele offene Fragen

Ulf Sieglitz würde gerne im Renninger Rathaus einziehen. Foto: Simon Granville

Ulf Sieglitz, Bürgermeister-Bewerber, in Renningen schweigt zu seinem Lebenslauf und will sein Programm am 1. Oktober publizieren.

Nur zwei Bewerbungen sind im Renninger Rathaus zur Bürgermeisterwahl am 13. Oktober eingegangen. Bemühungen der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen, eigene Kandidaten für die Nachfolge des langjährigen Amtsinhabers Wolfgang Faißt (Freie Wähler) zu finden, blieben erfolglos.

 

Das mag auch damit zusammenhängen, dass zwei, denen man das Amt des Stadtoberhaupts parteiübergreifend zugetraut hätte, gar nicht zur Wahl angetreten sind: Während der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Jan Hambach seit März Bürgermeister in Freiberg am Neckar ist, hat der Erste Beigeordnete Peter Müller eine Kandidatur frühzeitig ausgeschlossen.

Mit Melanie Hettmer und Ulf Sieglitz stehen nun eine Kandidatin und ein Kandidat zur Wahl, die außer dem gemeinsamen Alter wenig miteinander verbindet. Sie verfügt über reichlich Verwaltungserfahrung bei der Stadt Sindelfingen und im Kultusministerium, er ist ein Quereinsteiger.

Melanie Hettmer hat in den vergangenen Wochen einen sehr transparenten Wahlkampf geführt. Nicht so rund ist es für Ulf Sieglitz gelaufen. Er hatte seine Kandidatur in einem Blogeintrag mit vielen orthografischen Fehlern bekannt gegeben. Seitdem ist eine Facebook-Seite mit aktuell 26 Followern die einzige Anlaufstelle geblieben, um seine Aktivitäten zu verfolgen. „Pünktlich zur Kandidatenvorstellung wird die Homepage und mein Wahlprogramm fertig sein“, kündigt Sieglitz an und ist optimistisch: „Die Letzten werden die Ersten sein!“

Bei der eigenen Biografie wortkarg

Mindestens so neugierig wie auf das Wahlprogramm darf man darauf sein, ob Ulf Sieglitz mehr zu seinem Lebenslauf verrät. Während der in Malmsheim lebende Kandidat gerne und ausführlich über alles spricht, was in seinen Augen in Renningen falsch läuft, wird er auffällig wortkarg, wenn es um seine eigene Biografie geht.

Angaben, die er hierzu unserer Redaktion gemacht hat, möchte er nicht in der Öffentlichkeit verbreitet wissen. Aktuell gehe er einer Verwaltungstätigkeit in einem Familienunternehmen nach, das im In- und Ausland im Immobiliengeschäft tätig ist, hieß es zunächst. Mittlerweile hat er dieses Unternehmen als das seiner Lebenspartnerin Anna Stifter benannt. „Aber welche Rolle spielt das im Wahlkampf?“, fragt Sieglitz im Gespräch und will sich von niemandem vorschreiben lassen, wann und wo sich zu seiner Vergangenheit zu äußern hat.

Eine ähnliche Erfahrung mussten zuletzt Besucher seiner Facebook-Präsenz machen. Beiträge, in denen Sieglitz von anderen Usern nach seinem Beruf und seiner Eignung befragt wurde, löschte er einfach. Erst als sich mit Jürgen Lauffer ein Mitglied des Renninger Gemeinderats zu Wort meldete, antwortete Sieglitz. Doch auch hier wich er Fragen nach seiner Eignung und konkreten Finanzierungsplänen aus und stellte ein privates Gespräch in Aussicht.

Zweifel lässt der Kandidat nicht gelten

Das lehnte Lauffer jedoch ab: „Ein persönliches Treffen kann es für mich nur geben, wenn Sie klare Antworten auf berechtigte Fragen geben.“ In vielen weiteren Kommentaren wurde an der Seriosität von Sieglitz gezweifelt. Doch der winkt auf Nachfrage ab: „Das sind vier oder fünf Spezialisten, die mich schlechtreden wollen.“

Begibt man sich auf die Suche nach Informationen zu Sieglitz, wird das Bild etwas klarer. Im Jobnetzwerk XING findet man einen Ulf Torsten Sieglitz, der von 1999 bis 2005 als Projektmanager für die Firma Zandron in Südafrika gearbeitet hat. Vorher war er laut dortigen Angaben als Angestellter bei der Firma Behr in Pforzheim tätig. Der letzte Eintrag datiert aus den Jahren 2013 bis 2015, in denen er als Minijobber Fahrer bei der Firma Taxi Stifter gewesen ist. Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen seiner Lebensgefährtin. Vieles spricht also dafür, dass es sich um Sieglitz‘ Profil handelt.

Bei der Kandidatenvorstellung in der Renninger Rankbach-Halle am Dienstag, 1. Oktober, 19.30 Uhr, hat Ulf Sieglitz Gelegenheit, die offenen Fragen zu beantworten.

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