Die Kandidatin hat im ersten Wahlgang nur 30,8 Prozent der Stimmen bekommen. Kritiker sagen, mit ihrer sachlichen Art erreiche sie die Rutesheimer nicht emotional. Stimmt das?
Bettina Beck blickt optimistisch in Richtung Sonntag. „Da werden die Karten noch einmal neu gemischt.“ Nach dem ersten Wahlgang zur Bürgermeisterwahl in Rutesheim am 8. Februar lag die Finanzdezernentin des Kreises Ludwigsburg deutlich zurück. Während Tobias Pokrop, der amtierende Bürgermeister von Riederich im Kreis Reutlingen, 49 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte, kam Beck auf nur 30,8 Prozent. Am 22. Februar entscheidet sich nun in der Stichwahl, wer künftig an der Spitze des Rathauses stehen wird. Bettina Beck gibt sich kämpferisch – und setzt auf Erfahrung, Stabilität und Bürgerbeteiligung. Die Situation von Tobias Pokrop haben wir in einem gesonderten Artikel beleuchtet.
Trotz des klaren Rückstandes hat Bettina Beck am Montag nach der Wahl viele positive und ermunternde Rückmeldungen bekommen, wie sie sagt. „Da ich schon damit gerechnet hatte, dass es eine Stichwahl geben wird, habe ich mir das Wahlergebnis noch im Detail angeschaut, meine persönlichen Schlüsse daraus gezogen und die nächsten Schritte meines Wahlkampfs vorbereitet.“ Für die 56-Jährige war klar, dass sie jeden Tag in der Stadt unterwegs sein werde.
Wo sieht sie noch Potenzial? „Im ersten Wahlgang haben mehr als 3500 Wahlberechtigte nicht gewählt. Diese möchte ich ermutigen, dieses Mal zur Wahl zu gehen und sie von meinem Angebot überzeugen, sodass sie mir ihr Vertrauen und ihre Stimme schenken.“
Bettina Beck setzt in Rutesheim auf eine starke Wirtschaft als Basis
Sie bringe durch ihre berufliche Erfahrung alles mit, um den Rutesheimer Kurs erfolgreich fortzuführen. „Als Diplom-Verwaltungswirtin und Diplom-Ökonomin kann ich nicht nur eine Stadt leiten, sondern auch gemeinsam mit den Unternehmen auf Augenhöhe die Wirtschaft voranbringen. Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage dafür, dass wir in vieles weitere investieren können: in gute Bildung, in unsere Vereine, in unser Miteinander und in unsere Zukunft.“ Die Stadt sei attraktiv, wirtschaftlich stabil und biete eine hohe Lebensqualität für alle Generationen.
Bettina Beck: „Ich brenne für die Aufgabe“
Im Hinblick auf den personellen Umbruch im Rathaus – mit den Abgängen von Bürgermeisterin Susanne Widmaier, dem Ersten Beigeordnete Martin Killinger sowie dem Stadtbaumeister Bernhard Dieterle-Bard fallen in diesem Jahr drei tragende Säulen weg – könne sie Stabilität, Verlässlichkeit und Erfahrung bieten. „Ich komme von nebenan und kenne Rutesheim und die Umgebung sehr gut. In den letzten Wochen durfte ich Rutesheim und die Menschen noch einmal viel näher kennenlernen und ich muss sagen: Ich brenne für die Aufgabe, diese wunderbare Stadt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern in die Zukunft zu führen“, sagt die 56-Jährige, die mit ihrem langjährigen Partner derzeit in Böblingen wohnt.
Eine wiederkehrende Kritik aus Teilen der Wählerschaft lautet, sie wirke sehr sachlich, vielleicht auch etwas nüchtern, sie könne so nicht alle Menschen erreichen. Beck räumt ein, dass die straffe Redezeit bei den Kandidatenvorstellungen wenig Raum für Emotionen gelassen habe. „Und die große Bühlhalle in Rutesheim hat den Blickkontakt mit dem Publikum erschwert.“ Anders seien ihre Erfahrungen bei den zahlreichen Besuchen bei Veranstaltungen, bei Vereinen und Organisationen. „Hier hatte ich in den letzten Wochen die Möglichkeit, mich mit den Bürgerinnen und Bürgern im persönlichen Gespräch auszutauschen. Hier konnte ich meine Persönlichkeit präsentieren und zeigen, dass ich nahbar, offen, freundlich und den Menschen zugewandt bin.“
Die Kandidatin will „transparent handeln“ und „verständlich erklären“
Derzeit sucht die Kandidatin verstärkt den persönlichen Kontakt zu den Wählerinnen und Wählern, um sich mit ihnen über die Themen auszutauschen, die sie bewegen. Wie sie im Falle eines Sieges die Menschen mitnehmen wolle? „Mit einem transparenten Handeln in der Verwaltung.“ Damit alle gut informiert sind, möchte Bettina Beck die Social-Media-Kanäle der Stadt stärker nutzen. Dort solle verständlich erklärt werden, welche Argumente es zu einem Thema gebe und warum am Ende eine bestimmte Entscheidung getroffen werde.
Gespräche mit Bettina Beck bei Hefezopf, Kaffee und Tee
Zudem plane sie themenbezogene Treffen direkt vor Ort. Anregungen der Bürgerinnen und Bürger sollen mit einbezogen werden. „Ich stehe für eine ehrliche und verlässliche Kommunikation auf Augenhöhe.“ Sie werde neue Formate etablieren – beispielsweise Gespräche bei Hefezopf, Kaffee und Tee. Oder sie werde die Bürger zu „Pizza & Politics“ einladen. Gleichzeitig sei es ihr wichtig, ihrer Linie treu zu bleiben. Sie werde keine Versprechen geben, die sie später nicht halten könne. Von großen Ankündigungen hält sie nichts. „Ich stehe für eine behutsame Weiterentwicklung.“ Bettina Beck ist sich sicher: „Am 22. Februar werden bei der Stichwahl die Karten neu gemischt.“
Stichwahl in Rutesheim am 22. Februar
Stichwahl
Weil kein Bewerber um das Amt der Rutesheimer Verwaltungsspitze am 8. Februar die absolute Mehrheit erreichen konnte, findet am Sonntag, 22. Februar, eine Stichwahl statt. Finalgegner sind Tobias Pokrop und Bettina Beck.
Wahllokale
Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Gewählt für die Verwaltungsspitze ist, wer die einfache Stimmenmehrheit erhält.