Tobias Pokrop verpasste knapp die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang in Rutesheim. Aus seiner aktuellen Wirkungsstätte Riederich kommen auch kritische Töne. Was steckt dahinter?
Nach der Bürgermeisterwahl ist vor der Stichwahl. Weil kein Bewerber um das Amt der Rutesheimer Verwaltungsspitze am 8. Februar die absolute Mehrheit erreichen konnte, sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt aufgefordert, am 22. Februar erneut ihre Stimme abzugeben. Die beiden Finalisten sind Tobias Pokrop und Bettina Beck. Der amtierende Bürgermeister von Riederich im Kreis Reutlingen hatte im ersten Anlauf 2429 Stimmen und damit 49 Prozent erhalten. Er ließ seine direkte Konkurrentin Bettina Beck, die Finanzdezernentin des Kreises Ludwigsburg, deutlich zurück (1526 Stimmen/30,8 Prozent). Für beide heißt es, weiter die Werbetrommel in eigener Sache zu rühren. Wie Tobias Pokrop das macht, erklären wir hier. Die Situation der zweiten Kandidatin Bettina Beck beleuchten wir in einem gesonderten Artikel.
Mit 49 Prozent der Stimmen ist Tobias Pokrop nur knapp an der absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt. Für den amtierenden Bürgermeister von Riederich ist das Ergebnis ein „starkes Votum, das mich zuversichtlich auf die Stichwahl am 22. Februar blicken lässt.“ Bei drei engagierten Bewerbern könne man nicht davon ausgehen, dass es im ersten Wahlgang für eine absolute Mehrheit und damit für eine Entscheidung reiche - der dritte Kandidat Alexander Fischer hatte 985 Stimmen bekommen (19,9 Prozent).
Pokrop fühlt sich für Stichwahl in Rutesheim gut gerüstet
Den Tag nach der Wahl habe Tobias Pokrop „absolut entspannt“ erlebt. Er habe Telefonate mit Kollegen und Unterstützern geführt, dabei das Wahlergebnis analysiert und die nächsten Schritte im Wahlkampf festgelegt. Für die verbleibenden Tage bis zur Stichwahl setzt Pokrop vor allem auf Präsenz in Rutesheim: er besucht den Wochenmarkt und Veranstaltungen, führt Gespräche vor Ort. Inhaltlich bleibt er bei seinen Schwerpunkten. Das klare Votum des ersten Wahlgangs habe ihn bestärkt. „Da im zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit ausreichen wird und bereits im ersten Wahlgang bei drei Bewerbern fast die Hälfte aller gültigen Stimmen für mich votiert hat, fühle ich mich gut gerüstet“, sagt der 48-Jährige.
In Riederich steht der dreifache Familienvater seit fast 13 Jahren an der Spitze der Verwaltung, zuvor war er sieben Jahre Kämmerer. Insgesamt blickt er auf 23 Jahre Verwaltungserfahrung zurück. Gleichwohl gab es auch kritische Stimmen zu seinem Führungsstil im etwa 4200 Einwohner zählenden Riederich, die mittlerweile auch in Rutesheim kursieren. Laut Berichten der örtlichen Südwestpresse waren im Jahr 2024 in Riederich sieben Gemeinderäte aus dem Amt ausgeschieden, ein langjähriges Mitglied habe öffentlich von einem „Trauerspiel in den letzten Jahren“ gesprochen. Im Raum standen Vorwürfe mangelnden Vertrauens zwischen Bürgermeister und Gemeinderat, fehlende Information über Pokrops Kandidatur in Rutesheim sowie Stillstand in der Verwaltung. „Kritik an öffentlichen Personen, die jeden Tag Entscheidungen treffen, gibt es in Riederich, in Rutesheim wie auch in anderen Orten. Insoweit halte ich von pauschalen Kritiken nichts“, sagt der Verwaltungsmann. Die Punkte müssten konkret benannt werden, um gemeinsam darüber zu sprechen, dazu sei er gerne bereit.
Kritische Stimmen aus Riederich über Bürgermeisterkandidat Pokrop
Der Kritik begegnet er mit folgenden Argumenten: „Nach der Kommunalwahl 2024 kam es im Gemeinderat von Riederich zu einem deutlichen Generationenwechsel. Sechs der sieben ausgeschiedenen Räte waren zwischen 68 und 79 Jahre alt und bis hin zu 31 Jahren im Amt.“ Tobias Pokrop bewertet deren Ausscheiden als nachvollziehbaren Schritt zugunsten jüngerer Kräfte und neuer Impulse. „Das stark verjüngte Gremium arbeitet sehr gut und konstruktiv mit der Verwaltung zusammen.“
Zugleich räumt Pokrop ein, dass die Zeit nach der Corona-Pandemie personell schwierig gewesen sei, da mehrere Mitarbeiter die Verwaltung – teils aus privaten, teils aus beruflichen Gründen – verlassen hätten. Inzwischen sei jedoch ein neues Team aufgebaut worden, mit dem zahlreiche Projekte vorangetrieben würden. Er verweist auf „die generell gestiegene Wechselbereitschaft im öffentlichen Dienst angesichts vieler offener Stellen“. Die schwierige Phase sei überstanden. Daher sei sein Wunsch, in Rutesheim Bürgermeister zu werden, auch kein Ausweichen vor etwaiger Kritik.
Warum ihm die Rutesheimer vertrauen sollten? „Für die Aufgabe des Bürgermeisters bringe ich als Diplomverwaltungswirt (FH) die notwendige Kompetenz und mit 23 Jahren Praxis in der Verwaltung die notwendige Erfahrung mit. Zudem gelte ich als fleißiger Schaffer, der sich mit hohem persönlichem Einsatz stets um die Belange der Stadt kümmert und einsetzt.“
Stichwahl in Rutesheim
Stichwahl
Weil kein Bewerber um das Amt der Rutesheimer Verwaltungsspitze am 8. Februar die absolute Mehrheit erreichen konnte,findet am Sonntag, 22. Februar, eine Stichwahl statt. Finalgegner sind Tobias Pokrop und Bettina Beck.
Wahllokale
Die Wahllokale sind von 8 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Gewählt ist, wer die einfache Stimmenmehrheit erhält.