Bürgermeisterwahl in Stuttgart Eisenmann steht vor ihrer zweiten Amtszeit

Von bra 

Die Bürgermeisterin für Bildung, Kultur und Sport stellt sich am Donnerstag zur Wiederwahl. Diese gilt als sicher: Fraktionsübergreifend wird ihr bescheinigt, kaum Fehler gemacht zu haben.

Susanne Eisenmann stellt sich am Donnerstag im Rat zur Wiederwahl. Foto: Baumann
Susanne Eisenmann stellt sich am Donnerstag im Rat zur Wiederwahl. Foto: Baumann

Stuttgart - Forsch, eloquent, streitbar – so präsentiert sich Susanne Eisenmann als Bürgermeisterin für Kultur, Bildung, Sport. Am 30. Juni endet ihre erste achtjährige Amtszeit, und sie will auf jeden Fall weitermachen: „Ich trete an, weil es mir auch Spaß macht.“ Im Gemeinderat zeichnet sich eine klare Mehrheit für sie ab – ein Gegenkandidat ist nicht in Sicht. Bereits am Donnerstag, 25. April, stellt sich die Beigeordnete zur Wiederwahl.

Die CDU-Frau weiß, dass sie nicht unumstritten ist: „Es ist auch nicht immer leicht mit mir.“ Dennoch sagt sie nicht ohne Stolz: „Den Dampfhammer beherrsche ich auch.“ Von dieser Eigenschaft macht sie auch gerne in öffentlichen Sitzungen Gebrauch. Dass sie Freund und Feind nicht nach Parteizugehörigkeit trennt, sondern des Öfteren etwa grüne Positionen besetzt, irritiert vor allem ihre eigene Partei, die CDU. Nach der Kommunalwahl 2009, bei der die Christdemokraten hinter die Grünen zurückfielen und die CDU einen neuen Kreischef suchte, wollte Eisenmann die Kreispartei zu neuen Ufern führen. Doch die Mitglieder gaben dem Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann den Vorzug.

Eigene Ambitionen auf den Chefsessel im Rathaus begraben

In der Folge rivalisierten Eisenmann und Kaufmann um die Meinungsführerschaft in der Partei. Bei der Kandidatenfindung der CDU für die OB-Wahl im vergangenen Jahr verzichtete die 48-Jährige zu Gunsten von Ex-Sozialminister Andreas Renner, der dann aber im parteiinternen Ausscheidungsrennen gegen den von Kaufmann zum Kandidaten ausgerufenen Unternehmer Sebastian Turner unterlag. Nach der Niederlage Turners gegen den Grünen Fritz Kuhn eskalierte der Streit mit Kaufmann und der CDU-Landespitze nochmals, als Eisenmann den Kreischef indirekt zum Rücktritt aufforderte und harsche Kritik am Landesvorsitzenden Thomas Strobl übte. Mittlerweile seien die Differenzen ausgeräumt, beteuern Kaufmann und Eisenmann unisono. Und die forsche Parteirebellin hat ihren Traum begraben, einmal Rathauschefin in ihrer Heimatstadt zu werden. Ambitionen auf den Chefsessel in einer anderen Stadt will sie zwar nicht völlig ausschließen, sagt aber: „Ich bin nicht auf Jobsuche.“

Inhaltlich kann Susanne Eisenmann einiges vorweisen. Ihren Hauptakzent legt sie dabei klar auf die Bildung. Das liegt nicht nur daran, dass der Schuletat stolze 226 Millionen Euro ausmacht, sondern auch daran, dass kein anderer Bereich so im Umbruch ist. Eisenmann hat die umfassende Sanierung der Schulen angestoßen und systematisiert. Sie hat den Umbau der Schulkindbetreuung initiiert und dazu beigetragen, dass einheitliche Qualitätsstandards eingeführt werden. Und sie hat dabei mit ihrer FDP-Kollegin Isabel Fezer kooperiert – auch wenn sich die Damen nicht immer grün waren. Bei den Werkrealschulen sah Eisenmann der Realität ins Auge – rapide sinkenden Schülerzahlen – und präsentierte eine Streichliste. Es wird nicht die letzte gewesen sein.

Eisenmann macht sich für Ausweitung von G 9 stark

Auch zukünftig sieht sie im Bildungsbereich große Aufgaben: Die Sanierung muss fortgesetzt werden, auf den vom Land initiierten Umbau der Schularten inklusive der Gemeinschaftsschule müsse die Stadt zunehmend auch mit pädagogischen Konzepten reagieren und diese – auch gestalterisch – in eine Gesamtplanung der Schulentwicklung einfließen lassen. Entgegen ihrer persönlichen Überzeugung möchte sich Eisenmann beim Land auch für eine Ausweitung von G 9 stark machen, damit die Elternwünsche erfüllt werden können. Und sie würde gern ein Projekt realisieren, das ihr ganz besonders am Herzen liegt: eine inklusive Bildungseinrichtung im Neckarpark mit einem Konzept vom Kleinkind bis zum Abiturienten – selbstredend als Gemeinschaftsschule. Damit war die schwarze Bürgermeisterin noch bei der alten CDU-FDP-Landesregierung angeeckt. Mit dem SPD-Kultusminister, so scheint es, klappt die Zusammenarbeit besser.

In der Kulturszene der Stadt hat sich die für ihre direkte Art bekannte Bürgermeisterin trotz beachtlicher Erfolge nicht nur Freunde gemacht. Dabei lautete 2005 ein unter Stuttgarter Kulturpolitikern häufig ausgestoßener Seufzer: „Bald ist ja die Susi dran“. Damals, zum Ende der Amtszeit ihrer glücklosen Vorgängerin Iris Jana Magdowski, waren die Erwartungen an ihre Nachfolgerin besonders groß gewesen. Auch Michael Kienzle, der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, hatte zu den Hoffenden gehört. Heute sagt er: „Susanne Eisenmann hat nie versucht, sich zum Darling der Stuttgarter Kulturszene zu machen. Sie ist aber zuverlässig ansprechbar auch für deren Nöte. Die Interessen der Stadtkultur vertritt sie pragmatisch nach außen und verwaltet sie innen kompetent. Mit bestem Erfolg dann, wenn sie sich – wie im Falle des Kunstmuseums – mit der Einrichtung identifizieren kann.“

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