Marcel Schindler ist der neue Bürgermeister von Urbach. Foto: Gottfried Stoppel
Ein politischer Paukenschlag im Remstal: Amtsinhaberin Martina Fehrlen verliert die Bürgermeisterwahl deutlich. Herausforderer Marcel Schindler gewinnt unerwartet klar.
Es ist ein Wahlabend, der in Urbach (Rems-Murr-Kreis) noch lange nachhallen dürfte. Mit einer Deutlichkeit, die kaum jemand erwartet hatte, haben die Bürgerinnen und Bürger der Remstalgemeinde für einen Wechsel an der Rathausspitze gestimmt. Der Herausforderer Marcel Schindler gewinnt die Bürgermeisterwahl mit 75,3 Prozent der Stimmen. Amtsinhaberin Martina Fehrlen kommt nur auf 24,4 Prozent.
Schon früh am Abend zeichnete sich die Richtung ab. Als das erste Ergebnis aus einem Wahlbezirk auf der Leinwand erschien, lag Schindler bei über 70 Prozent. Je mehr Wahlbezirke ausgezählt wurden, desto klarer wurde: Das wird kein knapper Sieg – das wird eine politische Zäsur.
Urbach setzt auf Wandel
Am Ende haben 3857 Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz bei Schindler gemacht, 1251 bei Fehrlen. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,2 Prozent – bemerkenswert hoch für eine Kommunalwahl. Die stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Jud fasste die Stimmung im Rathaus nüchtern zusammen: Die Mehrheit der Bürger habe sich für einen Wechsel entschieden, berichtete sie der Lokalzeitung.
Für den 31-jährigen Wahlsieger ist es ein Abend voller Emotionen. „Ich bin überwältigt, unglaublich erleichtert, glücklich und dankbar“, sagte Schindler nach Bekanntgabe des Ergebnisses.
„Danke, Urbach!“ Ein klarer Auftrag für Schindler
Schindler spricht nun von einem klaren Bürgerauftrag. „Danke, Urbach! Sie haben mir Ihr Vertrauen geschenkt – das ist eine riesige Ehre und ein klarer Auftrag, den ich mit ganzem Herzen annehme“, schreibt er auf seiner Facebookseite.
Martina Fehrlen hat am Wahlabend nichts zu lachen gehabt. Foto: Gottfried Stoppel
Im Wahlkampf habe er gespürt, dass die Gemeinde etwas bewegen wolle. „Genau das spornt mich an“, so der künftige Bürgermeister. Zugleich dankt er seiner Mitbewerberin für einen „fairen, respektvollen Wahlkampf“. Auch Familie, Freunde und Unterstützer hätten einen entscheidenden Anteil am Erfolg.
Der Verwaltungsfachmann arbeitet derzeit als Leiter des Amts für zentrale Aufgaben in der Gemeinde Kernen. Kommunalpolitisch ist er bislang in Plüderhausen aktiv, wo er im Gemeinderat sitzt. Seine Amtszeit in Urbach beginnt am 1. Juni. Mit seiner Frau Sandra und Sohn Lukas will er in die Gemeinde ziehen.
Als Schindler Anfang des Jahres seine Kandidatur bekannt gab, war klar: Diese Wahl könnte spannender werden als viele andere Bürgermeisterwahlen im Land. Die Amtsinhaberin Martina Fehrlen, seit 2018 im Amt, setzte auf Erfahrung, Kontinuität und ihre Verwurzelung im Ort. Schindler dagegen versprach frischen Schwung, schnellere Entscheidungen und mehr Bürgerdialog.
Bei der Kandidatenvorstellung in der Auerbachhalle war bereits spürbar, dass das Rennen offen sein könnte. Hunderte Bürger kamen, beide Kandidaten erhielten Applaus – doch viele wollten sich vor allem ein Bild vom Herausforderer machen.
Respektvolle Worte nach Niederlage
Für Martina Fehrlen endet mit diesem Abend eine achtjährige Amtszeit – und ein Wahlkampf, der fair, aber politisch hart geführt wurde.
„Das Ergebnis stimmt mich sehr traurig“, erklärt sie auf Nachfrage in einem persönlichen Statement. Sie habe das Amt und den Ort ins Herz geschlossen und wäre „unglaublich gerne“ Bürgermeisterin geblieben. Doch zu wenige Wähler hätten diesen Wunsch geteilt.
„So ist es, wenn man Verantwortung übernimmt und sich zur Wahl stellt – man kann verlieren“, schreibt Fehrlen. Das tue weh, sei aber Teil der Demokratie. Sie gratuliere ihrem Nachfolger und wünsche ihm und der Gemeinde alles Gute.
Fehrlen dankt Unterstützern und hebt Familie hervor
Zugleich bedankt sich Fehrlen bei allen Unterstützern der vergangenen Jahre. Besonders hebt sie ihre Familie hervor sowie das Team der Verwaltung und die vielen ehrenamtlichen Helfer, die Wahl und Wahlabend organisiert haben.
Damit endet in Urbach eine politische Ära – und eine neue beginnt. Für Marcel Schindler bedeutet der Wahlsieg Rückenwind. Für die Gemeinde ist er vor allem eines: ein deutliches Signal, dass viele Bürger einen Neustart an der Rathausspitze wollten.