Sieben Männer wollen die Nachfolge von Bernhard Bühler antreten und Bürgermeister der Gemeinde Oppenweiler werden. Am Montag stellten sie sich der Öffentlichkeit vor.
In Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis) wird ein neuer Bürgermeister gesucht. Bernhard Bühler (parteilos), seit sieben Jahren im Amt, hatte im Sommer erklärt, aus persönlichen Gründen nicht erneut zu kandidieren. „Meine Ressourcen sind endlich“, sagte er damals. Seine Entscheidung verändert die Neuwahl am 30. November deutlich, denn Oppenweiler geht ohne Amtsinhaber in die Abstimmung.
Sieben Männer werben nun um das Vertrauen der gut 4400 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Bandbreite reicht vom Verwaltungsfachmann über den Unternehmer bis zum Bewerber mit sozialer Berufspraxis. Bei der Kandidatenvorstellung am Montagabend in der mit rund 500 Besuchern gut besuchten Gemeindehalle hatte jeder von ihnen zehn Minuten Zeit, um sich zu präsentieren. Anschließend blieb nochmals ebenso viel Raum für Fragen aus dem Publikum.
Als Erster stellte sich Gabriel Nold (23) vor, Verwaltungsfachangestellter und dualer Student der öffentlichen Verwaltung. Er präsentierte sich als Verwaltungspraktiker mit Ausbildung beim Kommunalen Versorgungsverband, Stationen in Kämmererei, Hauptamt und Personalwesen sowie einem Studium an der Hochschule in Kehl. Nold hob hervor, dass er als einziger Kandidat eine abgeschlossene Verwaltungsausbildung mitbringe und Projekte wie sicheren Schulweg, Jugendtreff, Freibad und Ärztehaus mit einem strukturierten und haushaltsbewussten Ansatz angehen wolle. Seine Vorstellungen basieren auf Transparenz, Priorisierung und enger Zusammenarbeit mit Gewerbe und Vereinen. „Bürgernähe ist für mich nicht bloß ein Begriff, sondern eine Haltung“, sagte er. Und zu seiner Eignung erklärte er: „Ich bringe die fachlichen Grundlagen mit.“
Joachim Lux würde im Falle eines Wahlsiegs seine Metzgerei abgeben
Im Anschluss sprach Joachim Lux (44), Metzgermeister und staatlich geprüfter Lebensmitteltechniker aus Auenwald. Er stellte seinen Werdegang vom gelernten Metzger über Leitungsfunktionen in Vertrieb, Versand und Qualitätssicherung bis zur eigenen Metzgerei mit Partyservice vor – und machte deutlich, dass er seinen handwerklichen Hintergrund nicht als Nachteil für das Amt sieht. Lux sprach über ein verlässliches Umfeld für Gewerbe und Mittelstand, über Verkehrsanbindung und die Bedeutung der B14 sowie über Familien, Jugend, Vereine und Senioren als Herzstücke des Gemeindelebens. Im Fall einer Wahl würde Lux seine Metzgerei abgeben; seine Frau entscheide über die Weiterführung, den Partyservice wolle sie in jedem Fall übernehmen. Anschließend sprach Lux über seine Haltung als künftiger Bürgermeister. „Man muss die Leute mitnehmen, man muss die Leute abholen“, sagte er und betonte den Wert persönlicher Begegnungen.
Dritter Redner war Patrik Köhler (50), Fachkraft für Arbeitssicherheit und in Oppenweiler verwurzelt. Der gebürtige Cottbuser beschrieb seinen Weg vom Leistungssport über ein eigenes Kurierdienst-Unternehmen bis zur heutigen Tätigkeit und betonte, wie stark ihn Disziplin, Verantwortung und „Anpacken“ geprägt hätten. Er setzte Schwerpunkte bei anlassbezogenen Bürgerversammlungen, einem Förderverein für Projekte, einer aktiveren Wirtschaftsförderung sowie Dorfläden und regionalen Wertschöpfungsketten. „Erfolg hängt nicht von Titeln ab, sondern von den Menschen“, sagte er. Und zu seiner Motivation erklärte er: „Ich will hier leben und Entscheidungen mitgestalten.“
Für Bruce Schlößer ist für einen Rathauschef ganz wichtig: soziale Kompetenz
Bruce Schlößer (33), examinierter Altenpfleger aus Murrhardt, stammt ursprünglich von den Philippinen und ist im Rems-Murr-Kreis aufgewachsen. Er verknüpfte seine Kandidatur eng mit seinem Berufsalltag in der Altenpflege und hob Empathie, Geduld und Nähe zu den Menschen als wesentliche Qualitäten für das Bürgermeisteramt hervor. In seinen Zielen nannte er ein „Haus der Gesundheit“, die Digitalisierung von Rathaus, Schulen und Kitas, die Stärkung der Vereine sowie mehr barrierefreie Wohnungen als Antwort auf den demografischen Wandel. „Soziale Kompetenz, Geduld und Zuhören gehören zu meiner täglichen Arbeit“, sagte Schlößer. Und er formulierte seinen Anspruch so: „Genau das braucht ein Bürgermeister: soziale Kompetenz.“
Es folgte Christoph Hald (44), ehemaliger Bürgermeister von Gschwend. Er verwies auf seine achtjährige Amtszeit, in der er Projekte wie Breitbandausbau, Feuerwehrmagazin, Gewerbegebiet und Baugebiete angestoßen und abgeschlossen hat. Hald sprach offen darüber, dass er 2024 nicht wiedergewählt wurde, verwies auf die „Stimmungslage nach Corona“, einen „guten Mitbewerber“ und sagte dazu: „Eine Wahl ist eine Wahl.“ In Oppenweiler betonte er die Bedeutung einer schlagkräftigen Verwaltung und eines engen Austauschs mit Gewerbe, Vereinen und Bürgern und bezeichnete die B14 als Thema, an dem man konsequent „dranbleiben“ müsse. Er kündigte an, im Fall einer Wahl nach Oppenweiler zu ziehen und seine Tätigkeit als Unternehmensberater aufzugeben. „Ich möchte Ansprechpartner sein für Sie“, sagte Hald.
Johannes Herbrik betont seine enge Beziehung zu Natur und Kulturlandschaft
Als Nächster sprach Johannes Herbrik (37), Jurist und Büroleiter eines Landtagsabgeordneten. Er stellte seine Arbeit im öffentlichen Recht und im Petitionswesen des Landtags in den Mittelpunkt, wo er komplexe Anliegen analysiert, rechtliche Spielräume prüft und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt. Er sprach auch über seine Herkunft aus Lichtenwald, seine Jugend als Sportschütze und seine enge Beziehung zu Natur und Kulturlandschaft, die ihn bis heute als Jäger prägen. Demokratische Teilhabe, der Einsatz gegen gesellschaftliche Spaltung und eine solide rechtliche Entscheidungsgrundlage bildeten die Leitlinien seiner Vorstellung. „Das Problem verstehen, die Möglichkeiten ausloten und dann eine tragbare Lösung finden“, sagte Herbrik. Und zu Förderfragen erklärte er: „Anträge schreiben ist die größte Kunst – und man muss hart einfordern, was den Gemeinden zusteht.“
Der siebte Kandidat, Heiko Eberhard (56), Diplom-Ingenieur aus Kaisersbach, fehlte krankheitsbedingt an Montagabend. Eberhard hatte bereits in seinem Heimatort für das Bürgermeisteramt kandidiert, bevor er nun in Oppenweiler antritt.
Gewählt wird am 30. November. Für einen Sieg im ersten Wahlgang braucht ein Kandidat mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen. Kommt niemand über diese Marke, treten am 14. Dezember die beiden Bewerber mit den meisten Stimmen in einer Stichwahl gegeneinander an – dort entscheidet die einfache Mehrheit.
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