Bürgermeisterwahl in Rudersberg „Jede Stimme ist ein Vertrauensbeweis“ – Ahrens bleibt Rathauschef

Raimon Ahrens bleibt weitere acht Jahre der Chef im Rudersberger Rathaus. Foto: Gottfried Stoppel

Alleiniger Bewerber, klare Botschaft: Der Bürgermeister erhält Rückhalt für acht weitere Jahre. Was dieses Ergebnis über die Gemeinde sagt.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Der Wahlabend bringt keine Überraschung, aber ein klares Signal: Raimon Ahrens bleibt Bürgermeister von Rudersberg (Rems-Murr-Kreis) für weitere acht Jahre. Seine Wiederwahl war absehbar, denn er war der einzige Kandidat. Das Ergebnis: 98,5 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 37,3 Prozent. 50 der insgesamt 8905 Wahlberechtigten schrieben eine andere Person als Ahrens auf den Stimmzettel. 36 der abgegebenen Wahlzettel wurden als ungültig gewertet. Eine stille Wahl? Keineswegs.

 

Ahrens war der einzige Bewerber, der bis zum Ende der Frist am 22. Dezember seine Unterlagen eingereicht hatte. Das politische Solo sorgte im Vorfeld für verhaltene Diskussionen, aber keinen Herausforderer. Ahrens, 36, Verwaltungsfachmann, Vater von zwei Kindern, geht damit in seine zweite Amtszeit. Er wurde 2018 als Überraschungssieger ins Amt gehievt – gegen fünf Mitbewerber, mit stolzen 66,7 Prozent der Stimmen.

Ahrens: Vom Jungspund zum politischen Schwergewicht

Damals war er 28 – jung, unverbraucht, lokal verwurzelt. Heute wirkt Ahrens, der für die Freien Wähler auch im Kreistag ein Mandat hat, wie ein politisches Schwergewicht im Kleinen: präsent, sachorientiert, heimatverbunden. Seine erste Amtszeit? Geprägt von Infrastrukturprojekten, Starkregen-Krise und Digitalisierungsplänen.

„Wir haben viel bewegt – das möchte ich fortsetzen“, sagt er. Seine Bilanz: Der Bau eines Pflegeheims, 280 neue Wohneinheiten, der Rettungszentrum-Beschluss für Feuerwehr und DRK. Auch bei der Wieslauftalbahn machte Rudersberg unter seiner Führung Fortschritte – mit neuen Triebwagen, neuen Streckenplänen, neuem Mut.

Etwas zusammengewachsen, was vorher nebeneinander lebte

Als emotionalen Wendepunkt nennt Ahrens die Hochwasserkatastrophe. Damals sei „etwas zusammengewachsen, was vorher nebeneinander lebte.“ Auch das große Heimatfest im Sommer 2025 sei ein Zeichen der Gemeinschaft gewesen. Ahrens’ Botschaft: Rudersberg ist mehr als ein Flickenteppich aus Ortsteilen – es ist eine Gemeinde mit Haltung.

Die Bewältigung der Hochwasserkatastrophe hat Rudersberg zusammengeschweißt. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Mit dieser Haltung will der Bürgermeister auch künftig punkten: Der Hochwasserschutz soll neu aufgestellt, das Schulzentrum saniert, die Ortsmitte von Schlechtbach neu gedacht werden. Dazu kommen der lange geplante Glasfaserausbau – verteilt auf Telekom und NetCom – sowie ein neues Gemeindeentwicklungskonzept als Basis für den nächsten Flächennutzungsplan.

Jede Stimme ist ein Vertrauensbeweis – und ein Ansporn

Eine offizielle Kandidatenvorstellung gab es nicht – die Satzung sieht das bei nur einem Bewerber nicht vor. Doch Ahrens war präsent: in Vereinen, bei Gesprächen auf der Straße, auf Social Media. Die Wahl sei für ihn mehr als ein Formalakt, betont er. „Jede Stimme ist ein Vertrauensbeweis – und ein Ansporn.“

Dass dieses Vertrauen über Jahre gewachsen ist, zeigt auch der Blick zurück: Als Ahrens 2018 ins Amt kam, war Rudersberg noch auf der Suche nach Richtung. Der damalige Wechsel von Martin Kaufmann (jetzt: Cohn) nach Leonberg hatte ein Vakuum hinterlassen. Ahrens füllte es mit Verwaltungserfahrung, klarer Kommunikation und einem Faible für pragmatische Lösungen.

In einer Zeit, in der vielerorts Streit, Polarisierung und Wahlmüdigkeit dominieren, wirkt die Rudersberger Bürgermeisterwahl fast aus der Zeit gefallen. Kein Spektakel, keine Grabenkämpfe – und doch politisch relevant. Denn sie zeigt: Auch im Alleingang kann ein Bürgermeister ein Mandat spüren – wenn er zuhört, anpackt, bleibt.

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