Bürgermeisterwahl Wer macht in Oberriexingen das Rennen?

Robert Sach, Lars Roller und Ron Keller (von links) bewerben sich um das Amt des Bürgermeisters in Oberriexingen. Foto: Andreas Essig

In Oberriexingen (Kreis Ludwigsburg) wird ein Nachfolger für Frank Wittendorfer gesucht. Am 30. Juni haben die Bürger die Wahl zwischen drei Kandidaten. Am Donnerstag stellten sich die Bewerber den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Welche Themen bewegen die Oberriexinger?

Ludwigsburg: Nicole Töppke (top)

Die 500 Stühle im Zelt auf der Enzinsel sind restlos besetzt. Ein paar Besucher stehen am hinteren Ende des Zelts oder hören durch die offenen Seitenwände zu. Viele Oberriexinger sind gekommen, um die Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters der 3 300-Einwohner-Stadt kennenzulernen. Zur Wahl stehen Ron Keller, Lars Roller und Robert Sach. Alle drei wollen die Nachfolge von Frank Wittendorfer antreten, der seit November 2021 mit den Folgen seiner Covid-19-Auffrischungsimpfung (Post-Vac-Syndrom) zu kämpfen hat und seit am 1. April in den Vorruhestand versetzt wurde.

 

Am 30. Juni wählen die Bürger in Oberriexingen ihren neuen Bürgermeister. „Ich freue mich, dass das Zelt voll ist und Sie ein so großes Interesse haben“, leitet Gerd Maisch die Kandidatenvorstellung ein. Der ehemalige OB in Vaihingen unterstützt seit gut einem Jahr die Stadtverwaltung als Stellvertreter Wittendorfers.

Die Bürger wollen nicht nur die Kandidaten kennenlernen, sondern auch wissen, welche Pläne sie für ihre Stadt haben. Die längst überfällige Sanierung der Hauptstraße mit Temporeduzierung und einer gefahrlosen Querungsmöglichkeit, die Sanierung des Feuerwehrgerätehauses sowie die Bereitstellung moderner Ausrüstung und die Ansiedlung eines Discounters in der Stadt, da sind sich alle drei Kandidaten, wie auch die Bürger einig, haben Priorität.

Ehrenamt muss gewürdigt werden

„Auch das marode Kleinspielfeld muss dringend erneuert werden“, sagt Ron Keller. Der 27-Jährige war in den letzten zwölf Wochen in der Stadt unterwegs und lernte Oberriexingen und die Einwohner kennen. Für ihn spielt das Ehrenamt der Stadt eine zentrale Rolle. „Beinahe jedes Angebot, jede Veranstaltung wird ehrenamtlich gestemmt“, zeigt sich Keller begeistert. Menschen, die ihre Zeit in die Stadt investieren, stärkten den Zusammenhalt. Keller wolle sich einsetzen, dass das Ehrenamt nicht nur monetär und durch Wertschätzung, sondern auch durch sein eigenen Engagement gewürdigt wird. Der Familienvater ist selbst Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und im Karnevalsverein. Als Bürgermeister sieht er sich nah dran an den Bürgern. Er plant, an Teamsitzungen der Kindergärten teilzunehmen oder persönlich dafür zu sorgen, dass die Theatergruppe wieder einen Platz zum Proben hat. Laut Keller müssen keine weiteren Neubaugebiete ausgewiesen, sondern der vorhandene Wohnraum genutzt werden. Die Aussage „Menschen in den Neubaugebieten müssen dann wieder neu integriert werden“, sorgt für Lacher im Publikum und wird zum Running-Gag des Abends.

Angesprochen auf seine Mitgliedschaft bei der CDU sagt er: „Ich trete überparteilich und damit nur der Stadt Oberriexingen und dessen Einwohnern verpflichtet an.“ Seit 2020 ist er als Kämmerer in Freudental tätig und habe sich dort einen großen Erfahrungsschatz aneignen können. „Bürgermeister zu werden, das ist für mich ein Traumjob. Es ist die Möglichkeit, die Ärmel hochzukrempeln und mit anzupacken.“

Kämmerer mit Erfahrung in Oberriexingen

Kein Unbekannter in Oberriexingen ist Lars Roller. Auch er ist Kämmerer. Im Hauptberuf in Sachsenheim tätig, seit Februar unterstützt der 39-Jährige zusätzlich die Kämmerei in Oberriexingen, wo neben dem Bürgermeister auch die Kämmerin langfristig erkrankt war. „Je länger ich hier aushalf, umso mehr lernte ich die Stadt zu schätzen“, berichtet der Familienvater. Sein Trumpf sehe er darin, dass er sich im Rathaus auskenne und nicht mehr eingearbeitet werden müsse. Die Rathausarbeit auf kommunaler Ebene sei seine Leidenschaft. Er wolle die Digitalisierung vorantreiben, Dienstleistungen der Stadt künftig verstärkt auch digital anbieten. „Die Bürger sollen die Wahl zwischen digital und analog haben. Wir wollen alle mitnehmen.“ Wegen des Klimawandels müsse sich die Stadt auf extreme Wetterlagen einstellen. Konkret wolle er die Straßenbeleuchtung auf LED umstellen. Und: „Es kann nicht sein, dass es in ganz Oberriexingen nur eine öffentliche E-Ladesäule gibt“, moniert er.

Außerdem sei ihm eine langsame Entwicklung der Stadt wichtig. „Wir brauchen eine behutsame Baulandentwicklung, um Perspektiven für die Jungen, die hier Wurzeln austreiben wollen, zu schaffen.“ Die Interessen junger und ältere Bürger in Einklang zu bringen, sei ihm wichtig. „Ori soll sich gesund entwickeln. Aber Ori soll auch Ori bleiben“, sagt er abschließend. Oberriexingen braucht ein Carsharingangebot, eine deutlich bessere Busverbindung und ein attraktives Angebot für pädagogische Fachkräfte, darin sind sich Roller und Keller einig. Beide glänzten mit Fachwissen und kompetenten Antworten auf die Fragen der Bürger.

Pragmatische Ansätze von Kriminalhauptkommissar

Robert Sach ist der Bewerber ohne Erfahrungen in der Kommunalpolitik. „Ich bewerbe mich, weil ich es ein bisschen wenig fand, nur ein oder zwei Personen zur Auswahl zu haben. Und nur Kämmerer, irgendwann haben wir keine Kämmerer mehr“, sagt der 47-jährige Kriminalhauptkommissar aus Horrheim und sorgt für Lacher. Trotz fehlender Rathaus-Erfahrungen scheint er vielen Bürgern aus der Seele zu sprechen. „Die Politik soll für den Bürger da sein. Die Stadt ist eine Servicestelle“, sagt er unter Applaus. Auch, Tempo 30 in der Hauptstraße anzuordnen, findet Zustimmung.

Sachs Ansätze und Ideen wirken pragmatisch, häufig verweist er auf Gutachter oder andere Fachkräfte. „Beim Thema Finanzen kenne ich mich nicht gut aus“, gibt er zu. „Das muss er doch aber auch nicht“, sagt eine Besucherin zu ihrem Sitznachbarn.

Welcher der drei Bewerber die Nase vorn hat, wird sich am Wahltag zeigen. Nach den Eindrücken vom Donnerstag könnte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Roller und Keller geben.

Stadt Oberriexingen

Zahlen und Fakten
Die Stadt Oberriexingen ist mit knapp 3 300 Einwohnern und einer Fläche von 8,16 Quadratkilometern die kleinste Stadt im Landkreis Ludwigsburg. Die erste Erwähnung geht auf das Jahr 793 zurück.

Wahlen
Gerd Maisch hofft auf eine rege Wahlbeteiligung bei der Bürgermeisterwahl am 30. Juni. „Bei den Europa- und Kommunalwahlen lag die Beteiligung bei über 70 Prozent. Das ist überdurchschnittlich.“ Sollte keiner der Kandidaten im ersten Wahldurchgang mehr als die Hälfte der Stimmen erreichen, ist eine Stichwahl für den 21. Juli geplant. Die Bürger haben dann die Wahl zwischen den beiden Kandidaten, die im ersten Durchlauf die meisten Stimmen erhalten haben.

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