Bürgerstiftung Esslingen Von 300 000 Mark auf 2,5 Millionen Euro

Gruppenbild mit dem ausscheidenden Kuratoriumsvorsitzenden Jürgen Zieger (vorn). Der Esslinger Sozialamtsleiter Marius Osswald und die Beiratsmitglieder Gisela Rehfeld und Wolfgang Seifried (von links) bleiben der Bürgerstiftung erhalten. Foto: Horst Rudel

Die im Jahr 1999 aus der Taufe gehobene Esslinger Bürgerstiftung hat im Laufe ihres Bestehens nicht nur das Stiftungskapital vervielfacht, sondern auch mehr als 500 ehrenamtliche Projekten unterstützt. Jetzt greift sie Alleinerziehenden mit einem Stipendium unter die Arme.

Esslingen - Eine der ersten Amtshandlungen des damals frisch gewählten Esslinger Oberbürgermeisters Jürgen Zieger war die Gründung einer Bürgerstiftung. Jetzt, 22 Jahre später und auf den letzten Metern seiner Amtszeit, stellt er im Einklang mit dem Kuratorium und dem Beirat der Stiftung die Weichen noch einmal neu. Zusätzlich zu der bisher praktizierten Förderung von punktuellen und ehrenamtlich ins Leben gerufenen „Graswurzelprojekten“ will die Bürgerstiftung künftig auf Dauer angelegte Förderschwerpunkte verfolgen.

 

Den Auftakt macht die Unterstützung von Alleinerziehenden in Ausbildung. „Im Spannungsfeld zwischen Job, Familie, Homeschooling und Ausbildung haben es Alleinerziehende gerade in der aktuellen Corona-Situation schwer, die Mehrfachbelastung zu schultern“, sagt Zieger, der Kraft seines Amtes auch Vorsitzender des Stiftungskuratoriums ist. Vor allem seien es Frauen, die diesen Mehrfachspagat bewältigen müssten.

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Um sie zu unterstützen, ruft die Bürgerstiftung daher ein Stipendium für Alleinerziehende ins Leben, die eine Ausbildung, ein Studium oder eine Abendschule absolvieren. „Wir planen, bis zu 500 Euro im Monat als Ersatz für einen Nebenverdienst auszuschütten“, sagt Zieger. Frei zumindest von dieser Belastung könnten sich die Alleinerziehenden dann ihrer Ausbildung widmen. Der neue Förderschwerpunkt wird laut Zieger fünf Jahre lang verfolgt und bei Bedarf nachgebessert werden.

Stipendienprogramm geht nächstes Jahr an den Start

Mit der Ausarbeitung des Stipendienprogramms ist die als Treuhänderin der Stiftung fungierende Stadtverwaltung beauftragt. Es soll im kommenden Jahr an den Start gehen. Den finanziellen Anstoß für den neuen Förderschwerpunkt hatte den Worten des Oberbürgermeisters zufolge eine Erbschaft gegeben, die an die Bürgerstiftung geflossen war und die das Kapital des Sozialwerks über Nacht von zwei auf zweieinhalb Millionen Euro erhöht hat. Begonnen hatte die Bürgerstiftung im Jahr 1999 mit einem Kapitalgrundstock von 300 000 Mark.

Seit damals hat die Stiftung mittlerweile rund 500 Projekte mit mehr als 750 000 Euro unterstützt. „Wir fördern bewusst kleinere Projekte, die sonst durch das Raster staatlicher und gesellschaftlicher Förderstrukturen fallen“, erklärt Zieger. Finanziert werden diese Projekte aus den Erträgen des stetig wachsenden Stiftungskapitals, das von der städtischen Kämmerei verwaltet wird. „Wir haben das Geld in Fonds angelegt. Das versetzt uns in die Lage, trotz anhaltender Niedrig- und Negativzinsen jedes Jahr rund 40 000 Euro auszuschütten“, sagt der Ratschef. Das gute Tun der Bürgerstiftung werde erst durch eine engagierte Bürgerschaft, großzügige Unternehmensspenden sowie einige Erbschaften möglich. Die Bürgerstiftung sei damit im wahrsten Sinne des Wortes eine „Stiftung von Bürgern für Bürger“, betont der Oberbürgermeister. So habe die Bürgerstiftung im vergangenen Jahr Laptops für 201 Esslinger Schülerinnen und Schüler aus finanziell schwächer gestellten Familien zur Verfügung gestellt, um den Unterricht zu Hause zu ermöglichen.

Schnelle Hilfe in Corona-Zeiten

„Bereits Monate bevor Gelder aus Berlin und Stuttgart ankamen, konnte so die Bürgerstiftung unmittelbar helfen,“ sagt Zieger. Daneben half die Bürgerstiftung bei der Beschaffung von FFP2-Masken für Bedürftige und machte das Angebot, Fahrten zum Impfzentrum für finanziell schlechter gestellte, betagte Mitbürger zu unterstützen.

Frei nach dem Motto „Tue Gutes und rede auch darüber“ möchten sich die ehrenamtlichen Stiftungsräte nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Seit 2019 intensiviert die Stiftung mit einer Arbeitsgruppe Marketing ihre Öffentlichkeitsarbeit. Die beginnt den Worten der Marketing-Sprecherin Gisela Rehfeld damit, klarzumachen, dass das Geld nicht an die Stadt geht, sondern lediglich im Rathaus verwaltet wird, und endet noch lange nicht beim Verkauf des beliebten Stiftungsweins, den die Esslinger Weingärtner abfüllen. Pro verkaufter Flasche dieser Sonderedition fließen der Bürgerstiftung 2,50 Euro an Spenden zu. Auch das „Spendentäschle“, das jeden ersten Montag im Monat im Maultaschenparadies von „Mattis“ am Hafenmarkt stattfindet, geht auf eine Idee der Marketing-Arbeitsgruppe zurück. Die AG um Gisela Rehfeld, Renate Schaumburg, Elisabeth Schaal und Wolfgang Seifried plant zudem, mit Infoständen auf dem Wochenmarkt und in der Innenstadt sowie mit dem Ausschank des Stiftungsweins am Schenkbergtreff in den Esslinger Weinbergen für die gute Sache zu werben.

Stärkung der Solidarität in der Stadt

Bürgerstiftung
Die Bürgerstiftung Esslinger Sozialwerk hat sich zur Aufgabe gemacht, die soziale Verantwortung von Bürgerinnen und Bürgern zu stärken und deren ehrenamtliches Engagement zu fördern. Die entsprechenden Projekte werden auf Antrag mit Zuschüssen meist im vierstelligen Bereich unterstützt. Ein wichtiges Anliegen ist dabei auch die Stärkung der Solidarität in der Stadt zwischen Jung und Alt und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.

Förderung
 Das Kuratorium, das die Förderentscheidungen trifft, setzt sich aus Vertretern der Gemeinderatsfraktionen und Persönlichkeiten zusammen, die die Stadt gut kennen. Vorsitzender des Kuratoriums ist kraft Amtes der Oberbürgermeister Jürgen Zieger, der die Aufgabe nach seinem Ausscheiden seinem Nachfolger Jörg Klopfer übergibt. Vorbereitet wird die Vergabeentscheidung des Kuratoriums von einem ehrenamtlichen Stiftungsbeirat. 

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