Bürgerstiftungen im Strohgäu Hauptaufgabe: Geld verteilen

Von  

Die Bürgerstiftungen fördern Projekte oder Einzelpersonen in Not – wenn die Begründungen überzeugen. In Gerlingen können jetzt Anträge für 2020 gestellt werden.

Büchertausch: Das offene Bücherregal am Glemsbalkon ist eines der  Projekte der Bürgerstiftung Ditzingen. Foto: factum/
Büchertausch: Das offene Bücherregal am Glemsbalkon ist eines der Projekte der Bürgerstiftung Ditzingen. Foto: factum/

Strohgäu - Eine Quelle für unsere Stadt“ lautet das Motto der Gerlinger Bürgerstiftung. Mit „Lassen auch Sie sich anstiften“ wirbt das Ditzinger Pendant für sich und die Projekte, die gefördert werden. Beide Stiftungen haben vieles gemeinsam, agieren aber unterschiedlich. Die Gerlinger haben nun die Förderung für 2020 ausgeschrieben. Um Zuschüsse können sich Institutionen für besondere Projekte bewerben. Aber auch Einzelpersonen und Familien in Not können Geld für außerordentliche Anschaffungen erhalten.

Die Stiftungen in beiden Städten haben in jedem Jahr fünfstellige Summen zur Verfügung. Die Ditzinger wurde 2007 gegründet, das Stiftungsvermögen beläuft sich auf rund 130 000 Euro, pro Jahr stehen etwa 25 000 Euro zum Ausschütten zur Verfügung. Die Gerlinger Stiftung wurde vom Gemeinderat ein Jahr früher ins Leben gerufen und mit einem Stiftungskapital von 300 000 Euro ausgestattet. Es ist auf rund 2,3 Millionen Euro angewachsen, berichtet der Kämmerer Alexander Kern. Der letzte größere Zugang war ein Gebäude: Die Stiftung erhielt ein Achtfamilienhaus in Illingen (Enzkreis). Die Mieter dort blieben drin, die Stiftung unterhält das Haus im Sinne des Stifters – und hat pro Jahr Netto rund 30 000 Euro zur Verfügung, die sie im Sinne der Stiftung einsetzen kann.

Jedes Jahr fünfstellige Summen

Auch die Bürgerstiftungen bekommen derweil die Niedrigzinsphase zu spüren. Deshalb sind sie vermehrt auf Spenden angewiesen. So floss etwa der Erlös eines Open-Air-Konzerts von Bosch Bigband und Bosch Jazzorchester nach Gerlingen. Wer für welches Projekt wie viel Geld erhält, bestimmt der Sozialausschuss des Gemeinderats in jedem Herbst. „Im Moment warten wir auf die Anträge“, berichtet Kern. In den vergangenen Jahren wurden Projekte für Jugendliche gefördert, auch die Arbeit mit Flüchtlingen, die des Bürgertreffs oder die Stelle des jungen Menschen, der im Weltladen den Bundesfreiwilligendienst leistet, war förderwürdig. Auch die Jonglier-AG des Robert-Bosch-Gymnasiums gehört zu den Empfängern. Jedes Jahr werden zudem rund 20 Anträge positiv beschieden, mit denen Gerlinger Bürgern in einer Notlage geholfen wird. 35 000 bis 40 000 Euro stehen im Jahr für sie zur Verfügung.

Vier Patenprojekte im Portfolio

Die Stiftung in Ditzingen engagiert sich ebenfalls für viele soziale Zwecke, agiert aber anders. „Wir machen unsere Projekte im Wesentlichen selbst“, sagt der Vorsitzende Herbert Hoffmann. Vier Patenprojekte gehören dazu: Familienpaten, Lesepaten, Jobpaten und Schulpaten. Umweltprojekte wie das Repaircafé und der Betrieb zweier Solaranlagen gehören ebenso dazu wie das Bücherregal am Glemsbalkon. Die Bürgerstiftung beschafft auch Bücher für die Stadtbibliothek. Sie bezahlt das Honorar für eine Chorleiterin, die alle zwei Wochen eine Singstunde mit Senioren aus dem Guldenhof in Hirschlanden oder dem Haus Friederike in Ditzingen abhält. Das Marktfrühstück wird gesponsort, ebenso der Wunschbaum für Kinder in der Vorweihnachtszeit.

Fortbildung für Ehrenamtliche

Vieles ist in Bewegung. So sollen die vier Patenprojekte zusammengeführt werden, um den Einsatz der rund 50 Ehrenamtlichen besser koordinieren zu können. Geld wird demnächst gebraucht, um gemeinsame Fortbildungen zu finanzieren. „Wir haben rund 100 bis 130 Menschen, die sich dauerhaft engagieren“, berichtet Hoffmann. Trotz dieser Vielfalt schließt die Stiftung eines nie aus: „Wir lassen uns gerne von Projektideen überzeugen“, sagt der Vorsitzende, „unser erster Anspruch ist es, gemeinnützig zu sein.“