Bürgertreff in Stuttgart-Wangen Fünf Millionen Euro für die Lamm-Sanierung

Das Fachwerkhaus in der Ulmer Straße hat sich als Treff für Vereine und Bürgerschaft etabliert. Foto:  

Die Stadt Stuttgart will das Gebäude in der Ulmer Straße sanieren und zu einem Gemeinwesenzentrum entwickeln. Die Investition ist im Haushaltsentwurf eingeplant.

Wangen - D a s eh emalig e Gasthaus Lamm an der Ulmer Straße steht auf der Wunschliste der Wangener ganz oben. Das städtische Gebäude wird heute von verschiedenen Vereinen genutzt – und müsste umgebaut werden, damit es zu einem „echten“ Bürgertreff werden kann. Die Stadtverwaltung unterstützt das Vorhaben: Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann hat dem Stuttgarter Gemeinderat zum Doppelhaushalt 2022/2023 eine Vorlage präsentiert, in der er um die Bereitstellung von 5,22 Millionen Euro für die Gebäudesanierung bittet. Die Zustimmung der Fraktionen vorausgesetzt, könnte der Baubeginn im zweiten Halbjahr 2023 erfolgen, die Einweihung zwei Jahre später stattfinden.

 

Vernachlässigtes Fachwerkhaus

Das ortsbildprägende Gebäude war einst eine Gaststätte mit Kegelbahn und Wohnungen im Obergeschoss. Das Lamm wurde 1897 erbaut und 1984 umgebaut. Die Stadt Stuttgart ist Eigentümerin des schönen, aber vernachlässigten Fachwerkhauses. Die aktuelle Nutzung erstreckt sich auf die Wohnungen im zweiten Obergeschoss, in der Geflüchtete untergebracht sind, sowie den früheren Gastraum im Erdgeschoss und Räume im ersten Obergeschoss, die von örtlichen Vereinen genutzt werden.

Akuter Raummangel

Bereits im Jahr 2018 wurden Überlegungen angestellt, das Gebäude in einen selbstverwalteten Bürgertreff für den Stadtteil Wangenumzubauen. Für diesen Zweck wurde vom Bezirksbeirat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die als Ergebnis verschiedene Umbauvarianten darstellte. Durch das Bezirksrathaus wurde zudem der erweiterte Bedarf für die Einrichtung einer Begegnungsstätte sowie für Räume für die Vereinsarbeit ermittelt – im Stadtbezirk herrscht daran großer Mangel. Die Stadt untersuchte währenddessen die Gebäudesubstanz und bilanzierte: Das Gebäude weise zwar grundsätzlich eine hohe Qualität auf, müsse aber aufgrund der festgestellten Beschädigungen durch Witterungseinflüsse zwingend saniert werden.

Sanierung nicht aufschieben

In der Gesamtbetrachtung kommt die Verwaltung zu einem eindeutigen Ergebnis: „Der resultierende und aufwendige Eingriff in die grundsätzliche Bausubstanz soll genutzt werden, um nicht nur einen attraktiven und flexiblen Begegnungsort im ehemaligen Gasthof für die Bürger zu schaffen, sondern ebenso die übrige Gebäudesubstanz einer Sanierung zu unterziehen“, betont Thomas Fuhrmann in der Vorlage. In dem Gutachten, das ein Ingenieurbüro im Auftrag des Hochbauamtes erarbeitet hat, wird die Dringlichkeit des Vorhabens hervorgehoben: „Eine Entscheidung zur Sanierung des Hauses sollte hinsichtlich der Kostensteigerungen in den kommenden Jahren umgehend erfolgen.“

Innen und außen modernisiert

Vorgesehen ist, die Wohnungen umfassend zu modernisieren und im Dachgeschoss zwei zusätzliche Wohnungen – 44 und 63 Quadratmeter groß – zu schaffen. Der vermutlich schadstoffbelastete und im Schwellenbereich stark verwitterte Dachstuhl soll fachgerecht auf einen neuen Stand gebracht oder – je nachdem, was die näheren Untersuchungen ergeben – komplett neu aufgebaut werden. Die übrige Gebäudehülle wird saniert: Die Fachwerkfassade unterliegt dem städtischen Denkmalschutz, etwa ein Drittel muss erneuert werden. Auch die komplette Haustechnik, von Elektrik bis Lüftung, wird modernisiert – alle Räume werden mit einer Fußbodenheizung ausgestattet.

Treffpunkt für alle Bürger

Für die Nutzung als Gemeinwesenzentrum sind ebenfalls Umbauten erforderlich. Der künftige Bürgertreff erstreckt sich über zwei Etagen mit einem Saal und Räumen, die künftig unterschiedlich genutzt werden können. Ein neuer Aufzug und eine Begradigung der Geschosse ermöglicht einen barrierefreien Zugang. Neben der bisherigen Nutzung durch diverse Vereine sind durch die flexible bauliche Lösung weitere Angebote für die Bürgerschaft möglich. Nach derzeitiger Planung könnten die Räume zu einem Drittel für feste Termine genutzt werden, zu einem weiteren Drittel für Projekte und zum letzten einem Drittel für einen offenen Treff. Ein Wermutstropfen: Für den Zeitraum der auf 24 Monate veranschlagten Umbauarbeiten müssten die bisherigen Vereine in einem Ausweichquartier untergebracht und für die Bewohner der Wohnungen Interimsunterkünfte gefunden werden.

Entscheidung fällt erst noch

Die Chancen, dass das bislang in der „roten Liste“ der wünschenswerten Projekte geführte Vorhaben tatsächlich in die Finanzplanung der Landeshauptstadt bis zum Jahr 2026 aufgenommen wird, stehen nicht schlecht. Mit den Freien Wählern und der SPD haben sich bereits zwei Gemeinderatsfraktionen in entsprechenden Haushaltsanträgen klar für die Investition ausgesprochen. Die finale Entscheidung trifft das Stadtparlament am 17. Dezember.

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