Bürgertreff Nürtingen Eine Drehscheibe für Engagierte
Als der Bürgertreff vor 30 Jahren eröffnet wurde, galt er als Novum. Weil er schon damals Menschen aller Generationen unter einem Dach vereinte, heimste er mehrere Preise ein.
Als der Bürgertreff vor 30 Jahren eröffnet wurde, galt er als Novum. Weil er schon damals Menschen aller Generationen unter einem Dach vereinte, heimste er mehrere Preise ein.
Nürtingen - Sogar einen Delegation aus Japan kam damals nach Nürtingen, um sich die schwäbische Sensation anzusehen. Vor 30 Jahren galt der Bürgertreff im Rathausquartier als echtes Novum. Neu deshalb, weil sich dort Menschen aller Generationen trafen, während in vielen anderen Kommunen im Kreis Esslingen damals nur reine Seniorenbegegnungszentren entstanden. Die Nürtingerinnen und Nürtinger entschieden sich für ein anderes Konzept: Alle Menschen sollten im neuen Bürgertreff willkommen sein und diese Ausrichtung hat sich bis heute bewährt, darin sind sich die Akteure einig.
Vor 30 Jahren ist in Nürtingen demnach Pionierarbeit geleistet worden. Dass sich hier alle Generationen treffen konnten und können und eine Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement entstand, das sprach sich weit über die Stadtgrenzen herum. So fand der Bürgertreff bundesweite Anerkennung und wurde mehrfach ausgezeichnet. Beim bundesweiten Wettbewerb „Bürgerorientierte Kommune – Wege zur Stärkung der Demokratie“ der Bertelsmann-Stiftung landete Nürtingen 1999 auf dem ersten Platz unter 83 Bewerbern.
Von A wie Arthrose bis T wie Therapiehund reicht das Spektrum an Gruppen und Initiativen, die sich hier zuhause fühlen. Ob Turmwächter, Krankenhausclowns, Spieletreffs, Alpenverein, Amnesty International oder Englischstammtisch – die Auswahl erscheint riesig. Passanten machen auch gerne im integrativen Café Regenbogen Station, das von der Behinderten-Förderung Linsenhofen betrieben wird. Und beim Großereignis Benefiz-Stadtlauf, den Bürgertreff-Ehrenamtliche organisieren, tragen die Teilnehmer die Idee des Miteinanders mitten in die Stadt hinein.
Großes Augenmerk wird im Bürgertreff auch auf die Anerkennungskultur gelegt, die auf zwei wichtigen Säulen ruht. Bereits seit 24 Jahren gibt es dafür den Nürtinger Freiwilligenpass, der Engagierten die kostenlose Teilnahme an Veranstaltungen aller Art bietet sowie die Freiwilligenakademie. Ihre Workshops und Vorträge wenden sich ebenfalls an ehrenamtlich Engagierte. Und immer wieder funktioniert der Bürgertreff auch als Keimzelle für neue Aktivitäten, berichtet Silvia Sollner, die seit 20 Jahren im Bürgertreff arbeitet. Sollner leitet dort die Selbsthilfekontaktstelle und hat maßgeblich Anteil am reichen Angebot, das sich von zunächst 20 auf inzwischen 90 Selbsthilfegruppen ausgeweitet hat. Sie vermittelt, berät und informiert, erklärt Silvia Sollner, die auch mit Ärzten und Beratungsstellen im Austausch steht. Ihre 50-Prozentstelle wird von den Krankenkassen finanziert.
Eigentlich gilt Silva Sollner längst als heimliche Bürgertreff-Leiterin. Doch die 59-Jährige ist viel zu bescheiden, um diese Beobachtung zu bestätigen. Dabei hat sie viel zu tun: „Ich kann nur Routine machen, der Alltag frisst mich auf“, beschreibt Sollner ihre Tätigkeit. Gerne würde sie mal wieder Gespräche in Ruhe führen und ihrem Gegenüber ihre Wertschätzung zeigen können.
Bis 2018 wurde der Bürgertreff hauptamtlich geleitet. Maßgeblich beteiligt an der Konzeption war Hannes Wezel, der den Bürgertreff 1999 bis 2013 prägte, ihm folgte Sven Singler, und seit 2019 ist Christos Slavoudis der zuständige Mann. Allerdings steht der Bürgertreff nicht mehr so im Fokus wie in früheren Jahren, denn im Amt für Bildung, Soziales und Familie muss sich Slavoudis auch um die Aufgaben Integration und Sozialer Dienst kümmern.
„Wir wollen dem Bürgertreff wieder mehr Glanz geben“, nennt Slavoudis das Ziel und hat deshalb eine halbe Stelle beantragt. Künftig soll wieder mehr konzeptionell und projektorientiert gearbeitet werden auch vor dem Hintergrund, dass sich Menschen immer weniger auf Dauer ehrenamtlich, sondern eher projektbezogen engagieren mögen. Integration und Arbeit im Quartier seien die aktuellen Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels. Aber erst einmal soll das Jubiläum gefeiert werden, dazu hat Slavoudis die Ehrenamtlichen für Ende Juli in die Kreuzkirche eingeladen. Mit von der Partie ist auch Hannes Wezel, der dem Bürgertreff seinen Stempel aufgedrückt hat.
Hier treffen sich rund 90 Selbsthilfegruppen und andere Initiativen
Ausstattung
Es stehen Beamer, Flipchart, Moderationswände und Leinwände zur Verfügung. Rund 1600 Belegungen in verschiedenen Räumlichkeiten mit rund 16000 Personen pro Jahr. Die Räume im Besitz der Stadt werden von Vereinen, Selbsthilfegruppen und Initiativen kostenlos genutzt.
Gastronomie
Das integrative Café Regenbogen wird von der Behinderten-Förderung Linsenhofen betrieben. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr.