Bürgerumfrage in Stuttgart Was Stuttgarter an ihrer Stadt mögen – und was nicht

Von Josef Schunder 

Die Zufriedenheit der Stuttgarter mit ihrer Stadt ist groß. 81 Prozent geben an, gerne hier zu leben. Doch es gibt auch Themen, bei denen sie Handlungsbedarf sehen.

Zu wenig und zu teure Wohnungen  – das ist das Hauptproblem der Bürger. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Zu wenig und zu teure Wohnungen – das ist das Hauptproblem der Bürger. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Nach der Bürgerumfrage 2019 des Statistischen Amtes der Stadt zum Thema Leben in Stuttgart liegen jetzt die ersten Ergebnisse vor. 17 Prozent der Teilnehmer stuften die Lebensqualität als „sehr gut“ ein. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Umfrage dieser Art 2017. Die Gruppe jener, die das Wörtchen „gut“ ankreuzten, ging um drei Prozentpunkte zurück. Daher sank die Quote aller Zufriedenen von vormals 80 auf 79 Prozent. Als mittelmäßig empfanden die Lebensqualität in Stuttgart 19 Prozent der Teilnehmer (plus 2 Prozentpunkte), als schlecht wie schon 2017 zwei Prozent. 81 Prozent erklärten, dass sie gern in Stuttgart leben. 2017 waren es noch 83 Prozent gewesen, infolge von Rundungen seien die Unterschiede aber überzeichnet, erklärte die Stadtverwaltung. Die Werte seien weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Was gefällt den Stuttgartern?

Ganz oben rangieren die Einkaufsmöglichkeiten. 48 Prozent waren zufrieden damit, 39 Prozent sehr. Legt man das Kommunalbarometer an, bei dem auch noch drei andere Bewertungsmöglichkeiten von mittelmäßig bis sehr schlecht Eingang finden, bekommen die Einkaufsmöglichkeiten wie schon vor zwei Jahren 81 von 100 möglichen Punkten. Dann folgen die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten (+1 auf 80 Punkte), die Abfallbeseitigung (-1 auf 75), die Kultureinrichtungen und Veranstaltungen (-1 auf 75), die ärztliche Versorgung und Kliniken (-2 auf 71), die Arbeit der Polizei (+1 auf 69) und das Angebot an Parks und Grünanlagen (unverändert 69). Die fünf Bereiche mit der geringsten Zufriedenheit sind – außer dem Wohnungsmarkt ganz unten – die Situation der Fahrradfahrer (-3 auf 42 Punkte), die Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge (-7 auf 41), die Regelung des Autoverkehrs (unverändert 37) und Parkmöglichkeiten in der Innenstadt (+2 auf 34 Punkte).

Was sind die Hauptprobleme?

Auf der Liste der 30 möglichen Problembereiche, die man ankreuzen konnte, sind jetzt Wohnungsthemen ganz oben. „Zu hohe Mieten“ stellten für 64 Prozent ein sehr großes Problem dar, für 23 Prozent ein großes. Auf Platz 2 rangiert das „mangelhafte Wohnungsangebot“ mit 58 bzw. 26 Prozent. Das Problem „zu viel Straßenverkehr“ wurde auf Rang 3 verdrängt. In ihm erkannten 47 Prozent der Teilnehmer ein sehr großes Problem, 31 Prozent ein großes. „Zu viele Baustellen“, 2017 noch auf dem dritten Platz der Probleme, rutschte auf Platz 4 mit 34 bzw. 31 Prozent. Auf dem Kommunalbarometer kommt das Hauptproblem Miethöhen auf 86 von 100 Punkten.

Die größte Verbesserung konnte der Sicherheitsbereich verzeichnen: Unsicherheit auf den Straßen wegen Drogen, Räubereien und Beschädigungen sowie generell Kriminalität und Einbrüche wurden von jeweils sechs Prozent der Teilnehmer zu einem sehr großen Problem erklärt, von rund 15 Prozent zu einem „eher großen“ Problem. Da hatte es 2017 bei einer pauschaleren Abstimmungsmöglichkeit rund 28 Prozent Nennungen gegeben. Das bedeutet, dass die Sicherheitsfragen auf der Problemliste um elf bis 15 Plätze abrutschten. Beim Thema „Mangelnde Sauberkeit von Straßen und Anlagen“ sind es acht Plätze, bei Luftverschmutzung ein Platz, bei Lärmbelästigung drei Plätze.

Wofür will man Geld ausgeben?

Generell wären 46 Prozent bereit, mehr städtisches Geld auszugeben – vor allem für Wohnungsbau, für Schulen, für Kitas und für öffentliche Verkehrsmittel. Nur neun Prozent wollten „Geld einsparen“: etwa bei der Videoüberwachung und der Wirtschaftsförderung.

Die Bilanz im Rathaus?

Dass die Wohnungsprobleme ganz oben Niederschlag fanden, wunderte Schairer nicht. Mieten und Kaufpreise sind weiter gestiegen, die Wartelisten länger geworden. Kritischer als 2017 sei aber auch die Infrastruktur für Kinder, Jugendliche und Senioren bewertet worden. Das verbesserte Sicherheitsempfinden korrespondiere mit der tatsächlichen Lage. Themen rund um das Auto wie Straßenbau und Parken seien wie die Frage der Videoüberwachung von öffentlichen Bereichen „in der Bevölkerung besonders kontrovers und gegensätzlich wahrgenommen worden“, Umweltthemen weniger problematisch als 2017. Schairer findet, diese „Kundenbefragung“ habe „ein ziemliches Abbild der politischen und gelebten Wirklichkeit von Stuttgart“ ergeben. Daraus spreche ein großes Wohlgefühl der Einwohner trotz erheblicher Probleme wie Feinstaub oder Verkehr und trotz einer enormen „Protestkultur“. Im Rathaus könnte man bis zu den Etatberatungen im Herbst auf manches reagieren.

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