Bummel durch Ibizas Hauptstadt Poser, Promis und Phönizier
In der Hauptstadt von Ibiza sind mehr als 2000 Jahre Geschichte, Kultur, Religion und Architektur versammelt, belebt von einem illustren Völkchen.
In der Hauptstadt von Ibiza sind mehr als 2000 Jahre Geschichte, Kultur, Religion und Architektur versammelt, belebt von einem illustren Völkchen.
In Dalt Vila, der mit dicken Mauern und Türmen befestigten Altstadt von Eivissa (katalanisch) oder Ibiza (spanisch), die auf den ersten Blick wie ein Freilichtmuseum wirkt, trifft man alle: junge Poser mit Selfiestick im Anschlag, Promis, die dunklen Limousinen entsteigen und in diskrete Hauseingänge entschwinden, gealterte Hippies, die ihr geflochtenes Resthaar mit bunten Perlen geschmückt haben und Flatterkleidchen oder Häkelboleros tragen, übernächtigte Technofreaks, die in den Megadiscos der Insel jede Nacht zum Tag machen, Kulturreisende, Badeurlauber und Wandertouristen. Dazwischen tummeln sich gelassene Insulaner, die einen jeden so sein lassen, wie er will, solange er keinen anderen eben dabei stört.
Stadtführer José Antonio ist einer von ihnen, halb Deutscher, halb Spanier und „200 Prozent Ibizenker“. Im Schweinsgalopp geht’s durch die Historie der Insel – im 7. Jahrhundert vor Christi von den Phöniziern gegründet, danach von Römern, Vandalen und Mauren beherrscht, 1235 von den Katalanen im Zuge der Reconquista zurückerobert – und nebenher im Schneckentempo eine der ausnahmslos steilen Straßen hinauf.
Alle führen zur monumentalen Festungsmauer und dort wahlweise über eine Fallbrücke oder in einem steinernen Tunnel durch eines der Stadttore hinein. Am Portal Ses Taules, dem Haupttor zur Festung, weist José Antonio auf zwei kopflose Statuen am Eingang hin: „Die stammen aus der Römerzeit und waren so konstruiert, dass man die Köpfe der Statue je nach aktuellem Herrscher austauschen konnte – einer für den aktuellen weltlichen Chef, einer fürs geistliche Oberhaupt.“
In der Altstadt, die vom Aufbau her einer Burganlage ähnelt, aus der Renaissance stammt und auf den Grundmauern eines maurischen Palastes gründet, erinnern der Pulverturm Es Polvori, der Waffenhof Patio de Armas oder die insgesamt sieben Bastionen von Santa Llúcia, Santa Tecla oder Sant Jordi daran, wie sich die Bewohner in unruhigen Zeiten gegen die Vereinnahmung durch allerlei Eroberer wehrten. Die Kathedrale, deren Bau im 14. Jahrhundert begonnen aber erst im 18. vollendet wurde, und die Klöster von Augustinerinnen und Dominikanern bezeugen, wo die Menschen einst Schutz und Zuflucht suchten.
Doch die Geschichte lebt in Eivissa. In historischen Bauten residieren heute Museen, Galerien, Boutiquen und Manufakturen. In der Straße zum ehemaligen Jesuitenkloster liegt die „Hall of Fame“ von Dalt Vila – hier haben sich Filmpromis mit Handabdrücken im Zement der Mauer verewigt. In den teils stark vom Zahn der Zeit angenagten, teils aufwendig renovierten Gebäuden in malerischen Gassen wohnen (Lebens-)Künstler, Kreative, Verfolgte und Vertriebene oder im eigenen Land wegen ihrer politischen, religiösen oder sexuellen Ausrichtung Unerwünschte. José Antonio begrüßt eine Roma-Familie in einem der pittoresken Hinterhöfe und verrät, zu welchem Nobel-Restaurant die parkenden Stretch-Limousinen mit getönten Scheiben gehören.
Und dann fängt er an zu schimpfen. Auf diejenigen, die meinen, mit Geld die Seele der Insel kaufen zu können oder auf solche, die ein einst verruchtes Viertel mit ärmlichen Fischerhäusern und Spelunken in eine In-Location verwandelten. „Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft wird hier für 1000 Euro im Monat gehandelt“, sagt Antonio. Vor allem Holländer, die die Insel wegen einer Serie liebten, hätten nach Corona Häuser aufgekauft, ein bisschen renoviert und vermieteten sie seither ebenso erfolgreich wie teuer.
Da will Ibizas Tourismusdirektorin Carmen Sanchez nicht widersprechen. „Ibiza ist keine billige Insel. Aber es stimmt nicht, dass es nichts für Ältere, Familien oder weniger Betuchte gibt und die ganze Insel voller Partytouristen ist“, sagt sie. Letztere konzentrierten sich auf wenige Areale. Und für alle anderen gebe es Familienprojekte, 0-Kilometer-Gastronomie mit Bioobst und Gemüse und Sportangebote von Fahrrad bis Kajak. „Das funktioniert prima von Herbst bis zum Frühjahr, da ist es nicht so heiß und nicht so voll“, sagt sie. Dann hätten auch die großen Technopartyhotels zu, die mit den Clubs von Mitte Oktober bis Ende April schließen.
„Die Stadt sollte auch noch ein paar Bewohner haben, nicht nur Besucher“, bruddelt derweil Stadtführer Antonio, um dann mitten im Satz zu verstummen. Er lauscht, bedeutet der Gruppe, still zu sein und ihm auf Zehenspitzen zu folgen, hinein in ein kleines Kirchlein, versteckt zwischen Cafés und Restaurants und Lädchen. Hier singen und beten Nonnen in Tracht, die altehrwürdigen Canonesas de San Augustin. Die Welt bleibt komplett außen vor, wenn man auf einer der harten Holzbänke sitzt und lauscht. Um die Seele der Stadt ist einem hier nicht bange.
Anreise
Von Stuttgart fliegt Eurowings direkt nach Ibiza, www.eurowings.com . Unterkunft
Direkt am Strand von Talamanca und fußläufig zur Promenade von Ibiza-Stadt liegt das Hotel Argos, DZ ab 154 Euro, www.hotelargos-ibiza.com/.Zentral in Ibiza-Stadt und trotzdem direkt am Meer liegt das Hotel THB Los Molinos, DZ ab 133 Euro, www.thbhotels.com.
Essen und Trinken
Am Fuße der Altstadt Dalt Vila serviert das CBbC Ebusus ibizenkische Küche, https://cbbcgroup.com/ebusus-restaurant/ .Im Hafen von Ibiza-Stadt bietet das Restaurant Calma beste Aussichten auf das Meer. Auf den Tisch kommen die frisch gefangenen Schätze des Meeres, https://marinaibiza.com/lifestyle/calma/.
Veranstalter
Wikinger Reisen bietet diverse Wanderreisen mit Besuch der Unesco-Welterbestätten an, www.wikinger-reisen.de. Reisen nach Ibiza bieten auch Frosch, www.frosch-sportreisen.de oder SRD, www.srd-reisen.de.
Allgemeine Informationen
Fremdenverkehrsamt Ibiza, www.ibiza.travel Spanisches Fremdenverkehrsamt, www.tourspain.es