Bund der Selbstständigen in Zuffenhausen Mitmachen statt motzen und meckern

„Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft“, sagt Hanna Schaaf. Foto: Bernd Zeyer
„Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft“, sagt Hanna Schaaf. Foto: Bernd Zeyer

Die Zuffenhäuserin Hanna Schaaf ist seit Kurzem Vizepräsidentin des Bundes der Selbständigen Baden-Württemberg. Die junge Frau möchte vor allem kleinen Betrieben und Mittelständlern eine starke Stimme in Politik und Wirtschaft geben.

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Zuffenhausen - Nicht motzen und meckern, sondern die Dinge anpacken und umsetzen“, so lautet die Devise von Hanna Schaaf. Die Zuffenhäuserin ist seit einigen Monaten Vizepräsidentin des Bundes der Selbstständigen Baden-Württemberg. Mit ihren 28 Jahren ist sie das jüngste Vorstandsmitglied. Dem Zuffenhäuser BdS hält sie auch weiterhin die Treue. Dort ist sie seit 2016 Schriftführerin, ihr Vater Martin Schaaf hat seit vielen Jahren den Vorstandsvorsitz inne.

Kleinen Betrieben und Mittelständlern eine Stimme geben

Natürlich, so berichtet Hanna Schaaf, habe die Coronapandemie in vielen Branchen ihre Spuren hinterlassen. Wobei es beispielsweise Kulturschaffende, Friseure, Gastronomen oder Messebauer besonders hart getroffen habe. Relativ gut seien hingegen unter anderem Betriebe über die Runden gekommen, die Leistungen rund ums Haus anböten – wie auch die eigene Firma: „2020 war für uns ein normales Geschäftsjahr“, erzählt die Raumaustattermeisterin, die im Zuffenhäuser Familienbetrieb in der Geschäftsleitung tätig ist.

Kleinen Firmen und Mittelständlern eine starke Stimme in Politik und Wirtschaft geben, so lässt sich die Aufgabe des BdS-Landesverbands in einem Satz zusammenfassen. Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl im September wurde eine Art Wunschliste erstellt. Gefordert werden unter anderem Bürokratieabbau, eine schnelle Auszahlung der Coronahilfen für die Betriebe und mehr Planungssicherheit und Transparenz, wenn es wegen eines erneuten Lockdowns wieder zu Einschränkungen für die Wirtschaft kommt.

Ein wichtiges Thema sind auch die steigenden Umweltkosten. „Natürlich sind wir für eine nachhaltige und ökologische Wirtschaft“, betont Schaaf. Doch man müsse im Auge behalten, dass den Unternehmen zusätzliche Kosten aufgebürdet werden – beispielsweise beim Wagenpark oder bei den Energieausgaben. Ganz zu schweigen von den Materialkosten: Vor gut einem Jahr habe der Kubikmeter Holz noch 300 Euro gekostet, mittlerweile seien es 1000 Euro. Solche und weitere Themen kommen zur Sprache, wenn sich Vertreter des BdS mit Politikern verschiedener Parteien treffen.

Bald soll es einen Podcast geben

„Nur wer mitmacht, kann Einfluss nehmen“, meint Schaaf. Um die eigenen Kräfte zu bündeln und nach außen hin einen möglichst einheitlichen Eindruck zu vermitteln, habe sich im Landesverband (gegründet wurde er bereits im Jahr 1852) einiges geändert und werde sich noch ändern. So gibt es seit Februar mit Bettina Schmauder und Jan Dietz zum ersten Mal ein Duo an der Vorstandsspitze. Laut Schaaf war der Verband früher recht träge, eingefahren und habe veraltete Strukturen gehabt. 2019 war ein Team gebildet worden, das sich Gedanken über die Zukunftsfähigkeit machen sollte. Bei der Hauptversammlung im Februar 2021 sind dann die Weichen neu gestellt worden (damals ist auch Schaaf ins Amt gewählt worden), unter anderem wurde dabei eine neue Satzung verabschiedet.

Während der Coronapandemie sind diverse Schwachpunkte, wie beispielsweise die mangelhafte Digitalisierung innerhalb des Verbandes, aufgedeckt worden. Hatte es früher nur wenige Präsenztreffen gegeben, so hat man nun auf wöchentliche digitale Meetings umgestellt. Bald soll es eine neue Homepage geben, auch ein BdS-Podcast ist für die nahe Zukunft geplant.

Rund 10 000 Mitglieder hat der BdS Baden-Württemberg zurzeit, circa 400 sind es in Stuttgart. Dazu zählen neben zahlreichen kleinen Firmen und Familienbetrieben auch bekannte Unternehmen wie Dinkelacker und Schwabenbräu, das Audi Zentrum Stuttgart oder der Neckar Käpt’n.

Schaaf bedauert, dass Handwerksberufe in einigen Teilen der Bevölkerung einen relativ schlechten Ruf hätten. Oftmals sähen sich junge Menschen, die sich in diese Richtung beruflich orientieren möchten, mit Vorurteilen und dem Satz „mach’ lieber was Gescheites!“ konfrontiert. Und es gebe nicht wenige Schüler, die kaum eine Vorstellung davon hätten, welche Handwerksberufe es überhaupt gebe. Für Schaaf hingegen zählt das althergebrachte Sprichwort: „Handwerk hat goldenen Boden.“




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