Bundesbank-Studie Privatvermögen trotz Mini-Zinsen gestiegen

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Höhere Löhne und Gehälter ermöglichen vielen Verbrauchern, mehr zu sparen. Bei Eigenheimbesitzern kommt hinzu, dass die meisten Häuser im Wert gestiegen sind. Wohneigentum ist allerdings in vielen anderen Ländern stärker verbreitet.

Höhere Einkommen und der steigende Wert des Eigenheims erhöhen die Privatvermögen. Foto: dpa
Höhere Einkommen und der steigende Wert des Eigenheims erhöhen die Privatvermögen. Foto: dpa

Frankfurt - Trotz der niedrigen Zinsen sind die Vermögen der deutschen Haushalte laut einer Bundesbank-Studie auf breiter Front gestiegen. Allerdings liegen die Zahlen für einen typischen Privathaushalt hierzulande weit unter den Vergleichswerten für Italien oder die USA. Einer der Hauptgründe dafür ist vermutlich, dass bei den Haushaltsvermögen der Wert des Eigenheims eine erhebliche Rolle spielt. Anders als in Italien oder den Vereinigten Staaten sind in Deutschland die Mieterhaushalte in der Mehrheit.

Das durchschnittliche Nettovermögen der deutschen Privathaushalte, also die Summe der Sachwerte und Geldanlagen abzüglich Schulden, erhöhte sich laut dem aktuellen Bundesbank-Monatsbericht von 214 500 Euro im Jahr 2014 auf 232 800 Euro 2017. Der aussagekräftigere Median, also das Nettovermögen eines Haushalts in der Mitte der Gesamtverteilung, stieg von 60 400 auf 70 800 Euro. In Süddeutschland liegt dieser Wert mit 139 800 Euro allerdings deutlich höher.

Der Unterschied zwischen Durchschnittswert und Median verdeutlicht die Ungleichheit der Vermögensverteilung. Die unteren 50 Prozent aller Haushalte verfügen laut Bundesbank lediglich über drei Prozent des gesamten Nettovermögens. Die Zahlen stammen aus einer Umfrage der Bundesbank im Rahmen des europaweiten Forschungsprojekts „Household Finance and Consumption Survey“, fast 5000 Haushalte waren daran beteiligt.

Italiener haben weniger Geldanlagen, dafür aber oft ein Eigenheim

In Italien lag der Median im Jahr 2016 bei 126 000 Euro. Die Finanzvermögen der Italiener, also reine Geldanlagen ohne Sachwerte, sind laut Zahlen der Banca d’Italia zwar geringer als die der Deutschen. Doch in dem Mittelmeerland besitzen rund 70 Prozent aller Haushalte ein Eigenheim, in der Bundesrepublik nur 44 Prozent. Allerdings sind auch in Österreich, wo der Anteil der Eigenheimbesitzer mit 46 Prozent ähnlich niedrig liegt, die Haushalte etwas vermögender als in Deutschland: Hier lag der Median bei 83 000 Euro. Die Ergebnisse der übrigen Staaten, die an dem europäischen Forschungsprojekt beteiligt sind, liegen noch nicht vor. Frühere Erhebungswellen hatten großes Aufsehen erregt, weil danach selbst im krisengeschüttelten Griechenland der Median-Haushalt über ein größeres Nettovermögen verfügte als in Deutschland. In Griechenland ist Wohneigentum ähnlich verbreitet wie in Italien.

Wie stark sich Immobilienbesitz auf das Gesamtvermögen auswirkt, zeigt der Vergleich von Mietern und Hauseigentümern innerhalb Deutschlands: Eigentümerhaushalte kommen laut Bundesbank auf einen Medianwert von 277 000 Euro, Mieter dagegen nur auf 10 400 Euro. Dieser gewaltige Unterschied ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass für den Erwerb eines Eigenheims schon ein gewisses Vermögen vorhanden sein muss. Zudem hat sich der Abstand zwischen Mietern und Hauseigentümern durch den Anstieg der Immobilienpreise seit 2014 weiter vergrößert. Das Nettovermögen der Mieter stieg zwar ebenfalls, aber nicht im gleichen Umfang.

In Italien sind die Hauspreise in den vergangenen Jahren gefallen, dementsprechend gingen auch die Nettovermögen zurück. Anders als der Medianwert liegt das Durchschnittsvermögen italienischer Haushalte mit 206 000 Euro nun unter dem deutschen. Weit über dem europäischen Niveau liegt mit umgerechnet 625 000 Euro das durchschnittliche Nettovermögen der US-Haushalte. Der Medianwert ist mit 88 000 Euro allerdings erheblich niedriger, was das Ausmaß der Ungleichheit in den USA unterstreicht.