Der Landschaftspark Bruckenwasen ist 1998 im Rahmen der Landesgartenschau in Plochingen entstanden. Foto: Roberto Bulgrin
Statt für die Landesgartenschau bewirbt sich die Stadt Esslingen jetzt für die Bundesgartenschau. Die Erwartungen sind hoch – doch bis die Schau kommt, dauert es noch Jahre.
Melanie Braun
01.07.2025 - 18:00 Uhr
Sie soll Esslingen attraktiver machen, grüner und moderner. Das erhoffen sich die meisten Stadträte im Esslinger Gemeinderat von einer Bundesgartenschau vor Ort. Nun hat eine breite Mehrheit des Gremiums einer Machbarkeitsstudie zugestimmt, die Potenziale und Kosten für eine gemeinsame Bundesgartenschau in Esslingen, Ludwigsburg und Stuttgart klären soll, bei der auch der Verband Region Stuttgart mit im Boot wäre. Doch bis eine solche Schau realisiert werden kann, dauert es – vermutlich bis zum Jahr 2043.
Die Hoffnungen, die mit einer Bundesgartenschau verbunden werden, sind groß: nachhaltige Stadtentwicklung, ökologische Innovationen und touristische Impulse sind die Schlagwörter, die im Zusammenhang mit dem Event fallen. In Esslingen hat man laut Stadtverwaltung das Ziel im Blick, den Neckarraum durch eine an den Klimawandel angepasste Stadtplanung, verbesserte Infrastruktur, neue Grünflächen und einen erlebbaren Flusslauf nachhaltig weiterzuentwickeln. Zusammen mit Ludwigsburg, Stuttgart und dem Verband Region Stuttgart (VRS) strebt man eine zukunftsorientierte Transformation an.
Machbarkeitsstudie soll Potenzial für Buga in Esslingen klären
Die Machbarkeitsstudie soll aufzeigen, welche Potenziale eine gemeinsame Bundesgartenschau in der Region hätte, welche Kosten damit verbunden wären und mit welchen Chancen auf Umsetzung zu rechnen ist. Zudem soll die Studie eine fachlich fundierte Grundlage für weitere Entscheidungen bieten. Man rechnet mit Kosten in Höhe von rund 263 000 Euro für die Machbarkeitsstudie, wovon die Stadt Esslingen – ebenso wie jeweils die anderen Projektpartner – rund 65 750 Euro tragen soll. Weitere 75 000 Euro plant die Stadt für mögliche ergänzende Untersuchungen ein.
Die Buga 2043 eröffne die Chance, die beteiligten Städte Esslingen, Stuttgart und Ludwigsburg und die Region Stuttgart als Vorreiter für resiliente, nachhaltige und gestalterisch hochwertige Stadt- und Regionalentwicklung zu positionieren, heißt es von der Stadt Esslingen. Dabei sei vorgesehen, dass die Buga von den Bürgerinnen und Bürgern als ein Prozess mit sichtbaren Zwischenschritten und mit viel Bürgerbeteiligung erlebt werden könne.
Die Bewerbung für die Bundesgartenschau bedeutet in Esslingen allerdings auch eine Absage für die von mehreren Fraktionen geforderte Bewerbung für eine Landesgartenschau. Die Stadtverwaltung begrüße zwar das Engagement der Fraktionen und erkenne das große Potenzial an, das mit einer Landesgartenschau verbunden sei. Allerdings verfolge man mit einer Buga die gleichen Ziele wie mit einer Landesgartenschau, jedoch in einem größeren Maßstab, mit stärkeren Partnern und überregionaler Strahlkraft. Dieser Argumentation schloss sich die Mehrheit der Stadträte in der Sitzung des Gemeinderats am Montag an.
Bei der Bundesgartenschau in Mannheim 2023 wurden Besucher mit einer Seilbahn von A nach B gebracht. Foto: dpa
Im Dezember des vergangenen Jahres hatten Grüne, CDU, SPD und Freie Wähler die Stadtverwaltung in einem interfraktionellen Antrag aufgefordert, sich für die Ausrichtung einer Landesgartenschau zu bewerben. Anlass dafür sei unter anderem eine gemeinsame Klausur von Gemeinderat und Stadtverwaltung in Schwäbisch Gmünd gewesen, wo man noch einmal vor Augen geführt bekommen habe, welch positive, transformierende Wirkung eine gut gemachte Gartenschau für eine Stadt haben könne, hieß es. Schwäbisch Gmünd hat 2014 eine Landesgartenschau ausgerichtet und war 2019 Teil der Remstal-Gartenschau.
OB Klopfer erwartet positive Folgen von Buga in Esslingen
Oberbürgermeister Matthias Klopfer zeigte sich überzeugt, dass eine interkommunale Bundesgartenschau sehr positive Auswirkungen in Esslingen haben dürfte. „Die Buga lohnt sich aus ganz verschiedenen Gründen, neben inhaltlichen Aspekten ist auch das Thema interkommunale Zusammenarbeit sehr wichtig“, betonte er. Und Axel Fricke, Leiter des Stadtplanungsamtes, wies darauf hin, dass im Rahmen der Buga unter anderem Themen wie der Erhalt der Weinberglandschaft, die Weiterentwicklung des blau-grünen Bandes Neckartal oder die Schaffung zusätzlicher Freiflächen am Fluss vorangetrieben werden könnten.
Im Gemeinderat stieß dies auf breite Zustimmung. „Die Buga ist weit mehr als eine temporäre Gartenschau“, lobte etwa CDU-Fraktionschef Tim Hauser. „Es ist eine sehr gute Idee, dass wir gemeinsam mit Nachbarn eine große Lösung suchen“, befand Benjamin Baecker (Grüne). Christa Müller (SPD) stellte die städtebaulichen und tourismusfördernden Aspekte der Buga hervor und Matthias Vetter (Freie Wähler) hielt die Buga-Bewerbung für ein klares Signal, dass man sich auch in Krisenzeiten Gedanken über die Zukunft mache. Auch FDP/Volt, AfD und WIR/Sportplätze erhalten begrüßten die Buga-Bewerbung ausdrücklich.
Lediglich die Linke zeigte sich skeptisch: „Uns fehlen die konkreten Ideen – Stadtentwicklung und Klimaanpassung erwarten wir auch ohne Buga“, erklärte Tobias Hardt. Die drei Mitglieder der Fraktion Linke/FÜR stimmten geschlossen gegen die Buga-Bewerbung, alle anderen Stadträte dafür.
Bundesgartenschau im Fokus
Historie und Zukunft Die erste Bundesgartenschau (Buga) wurde im Jahr 1951 in Hannover eröffnet. Sie findet alle zwei Jahre an wechselnden Standorten in Deutschland statt. Neben innovativen Garten- und Landschaftsgestaltungen werden bei der Buga auch nachhaltige Konzepte für Städtebau, Umwelt und Klimaschutz präsentiert. Zudem wurden im Zuge von Bugas zuletzt sogar Transformationen ganzer Stadtteile oder Regionen angestoßen. Die nächsten Bundesgartenschauen finden im Ruhrgebiet (IGA 2027), im Oberen Mittelrheintal (2029), in Wuppertal (2031), Dresden (2033), Dessau-Roßlau (2035) und Garzweiler (IGA 2037) statt.
Erfolge und Misserfolge Insbesondere die Buga 2011 in Koblenz sowie die Buga 2019 in Heilbronn gelten als große Erfolge, weil in ihrem Zuge ganz neue und innovative urbane Quartiere entstanden. Allerdings führen Buga-Bewerbungen nicht zwangsläufig zum Erfolg. So wurde die Buga 2025, die eigentlich in Rostock stattfinden sollte, im Jahr 2022 abgesagt, weil die geplanten Bauvorhaben nicht rechtzeitig umgesetzt werden konnten. Es war die erste Absage in der rund 70-jährigen Geschichte der Bundesgartenschau. Auch vor zehn Jahren gab es bereits Probleme: So schloss 2015 ein Städteverbund in Brandenburg die örtliche Buga nach Medienberichten mit einem Minus von rund zehn Millionen Euro ab.