Bundesgartenschau in Mannheim Was die Besucher von der Buga erwarten dürfen

Der Luisenpark in Mannheim gehört zum Bundesgartenschaugelände. Foto: Burger

Am 14. April wird die Bundesgartenschau eröffnet. Zu sehen gibt es natürlich Gärten in allen Variationen. Aber die Buga will mehr – ein Event sein und Mannheim nachhaltig verändern.

Die Bundesgartenschau, kurz Buga, wird schön, ohne Frage. Aber noch braucht es jede Menge Fantasie, sich das vorzustellen. Zwei Wochen vor der Eröffnung duftet es eher nach Zement als nach Blümchen, letztere stehen auf fahrbaren Regalen bereit. Einerseits ist das Absicht, da vieles erst in letzter Minute gepflanzt werden soll. Die Blumenshow in der U-Halle beispielsweise. Andererseits ist der Zeitplan sportlich: Zehn Jahre Planung, drei Jahre für die Umsetzung, und dann wird es doch knapp auf den letzten Metern. Zusätzliche Projekte, Lieferengpässe, Nachtfröste und nun die anstehenden Feiertage ... Die Veranstalter versichern selbstredend, dass zur Eröffnung alles fertig würde. Na gut, fast alles.

 

Ehemaliges Militärgelände

Herzstück im neuen Spinelli-Park mit Ausstellungen und Kulturveranstaltungen ist die U-Halle, von über 20 000 Quadratmetern auf immer noch imposante 13 000 zurückgebaut. Vom Militär wurde darin schweres Gerät wie Panzer verladen, nach dem Krieg von den US-Amerikanern, die sich 2012 aus Mannheim, einem der größten Stützpunkte in Deutschland, zurückzogen. Ein Mammutgelände, das der Umwandlung harrte. Die Halle wurde teils bis auf das tragende Gerippe geöffnet, teils bleibt sie überdacht und wurde neu mit Photovoltaik bestückt. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – diese Buga soll die nachhaltigste aller Zeiten werden – verwendeten die Planer Fundstücke aus den Bauhöfen der Stadt für die Gestaltung: Frühere Skulpturen vom Marktplatzdenkmal wurden heran gekarrt und neu drapiert, dazu eine große Zahl an älteren Lampen vom Friedrichsplatz rund um den Wasserturm. Diese gute Stube der Stadt, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts, wird an den Wochenenden mit Wasserspielen bis heute zum Publikumsmagnet.

Starke Kontraste

Am Friedrichsplatz, genau wie im 1894 eröffneten Luisenpark, zeigt sich alles rund und geschwungen, als Kontrast zur streng in Quadraten angelegten Innenstadt. Hier draußen auf dem ehemaligen Militärgelände bleibt es rustikal und kantig. Staunend spaziert man durch die Hallen, dahinter sind die Bagger weiter zu Gange. Neu errichtet wurde kein Gebäude, sondern umgebaut und umgesetzt. Betonplatten wurde herausgerissen und Fläche entsiegelt. Material wurde an anderen Stellen wieder verwendet, beispielsweise für Zäune oder Sichtschutz. Wie ein roter Faden ziehen sich 17 Zukunftsgärten durch das Experimentierfeld im Spinelli-Park, 2023 „Zukunftsbäume“ sind auf dem Gelände gepflanzt und sollen nach der Buga im Stadtgebiet verteilt weiterwachsen.

Ziel ist eine nachhaltig sanierte Stadt mit Frischluftkorridoren und neuen Freizeitparks. Auf den Grünzug Nordost zeigt sich Oberbürgermeister Peter Kurz besonders stolz: Er reicht vom Käfertaler Wald über die Vogelstang-Seen, das Bundesgartenschau-Gelände Spinelli und die Feudenheimer Au bis zum Luisenpark und soll das Stadtklima positiv beeinflussen. Mit einem sechs Kilometer langen Radschnellweg wurden gleich mehrere Stadtteile an die Innenstadt angebunden.

Ein echter Benefit für die Mannheimerinnen und Mannheimer. Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft, sagt: „Jede Bundesgartenschau verändert eine Stadt. Das ist Programm.“ Sie setze neue Grünzüge und städtebauliche Akzente. Das Ziel sei immer, grüne Infrastruktur in die Stadt zu bringen, für mindestens zwei bis drei Generationen. Die Blümchen, von vielen Gartenschaubesuchern stets eingefordert, gehören natürlich dazu. Man baue einen Garten auf Zeit, ein nachgestaltetes Paradies, das man auch einfach genießen könne: „Aber ja“, sagt Sandner, „Gartenschau, heißt Garten schauen“.

Frühlingsflor und Fernsehturm

Also hinaus in den bereits gepflanzten Frühlingsflor, fürs offizielle Foto. Im Hintergrund der Fernsehturm von 1975, der letzten Buga in Mannheim. Zugleich war es eine der meistbesuchten aller Zeiten, im Luisen- und im Herzogenriedpark fand sie damals statt. Beide Parks waren mit einem Aerobus verbunden, der auch den Neckar überquerte.

In dieser Auflage wurde es eine Kabinenbahn der österreichischen Firma Doppelmayr, jedem Skifahrer geläufig. Zehn Plätze, schöne Holzsitze, freie Sicht auf das Gelände: Auf den Spinelli-Park und den künstlichen See, mit einer zackigen Aussichtsbrücke ist er angebunden. Noch fehlt Wasser und eine Picknickplattform. Man blickt auf ausgedehnte Schrebergärten. Auf Sportanlagen und einen Schießstand, auf den Neckarseitenkanal mit seinen Frachtschiffen und den Neckar, dessen Ufer en passant renaturiert werden.

Schon ist das Vergnügen vorüber, die 2,2 Kilometer sind in sieben bis zehn Minuten zurückgelegt. Je nach Auslastung wird die Geschwindigkeit angepasst, um Energie zu sparen. Nun ist man im Luisenpark, als englischer Landschaftspark angelegt. Schön gemacht zur Buga 1975, noch schöner zur jetzigen.

Aber dafür braucht es tatsächlich noch etwas Geduld: Die Neue Parkmitte Luisenpark ist eine einzige Baustelle. Die riesige Voliere schon sichtbar, das Gewächshaus ebenfalls fast fertig. Aber die Pinguine und die Bewohner der begehbaren Unterwasserwelt müssen noch ein paar Wochen warten, bis sie einziehen können. So zieht man selbst einfach weiter, zum chinesischen Garten mit seinem Teehaus. Gastfreundlich geöffnet seit 22 Jahren, zur Teezeremonie oder zum ruhigen Genießen, die Kamelien blühen bereits aufs Schönste. Da sind sie endlich, die exotischen Blümchen.

Info

Anreise
Am besten mit der Bahn. Zum Beispiel ab Stuttgart mit dem ICE in 38 Minuten. Details unter www.bahn.de. Ab Hauptbahnhof mit der Straßenbahn „Buga-Express“ bis zum Spinelli-Gelände. Bei Ein- und Zweitageskarten ist der ÖPNV enthalten.

Unterkunft

Im Gründerzeitpalast am Friedrichsplatz (mit Wasserturm) im Maritim-Hotel, DZ/F ab 120 Euro, www.maritim.de.

Schräg gegenüber des Bahnhofs wohnt man lässig im Syte Hotel, DZ ab 129 Euro, Frühstück für 23,50 pro Person, www.sytehotel.de. Im Partnerhotel Staytion um die Ecke, DZ ab 89 Euro, Frühstück dazu im Syte, www.staytion.de.

Charmant und mit gutem mediterranem Restaurant wohnt man im Hotel „Kleiner Rosengarten“, DZ/F ab 132 am Wochenende, unter der Woche ab 177 Euro, www.kleiner-rosengarten.com.

Essen und Trinken

In der City: Gutes Essen, Mittagstisch und Picknickkörbe aller Art (auf Vorbestellung) im Restaurant Die Metzgerei in Rheinnähe, www.diemetzgerei-mannheim.de.

Gemütlich sitzt man im Restaurant Glück und Verstand. Frische Küche, zumeist ohne Fleisch, Wintergarten, www.glueckundverstand.de.

Keinesfalls versäumen sollte man einen Besuch in der Eisdiele von Dario Fontanella auf den Planken (O4,5) , der vor über 50 Jahren das Spaghetti-Eis erfunden hat, www.eisfontanella.de.

Aktivitäten
Die Bundesgartenschau findet vom 14. April bis zum 8. Oktober 2023 auf dem Spinelli-Gelände und im Luisenpark statt und hat täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Bei bestimmten Abendveranstaltungen längerer Einlass. Erwachsene zahlen 28 Euro für die Tageskarte und 43 Euro für die Zweitageskarte (an aufeinanderfolgenden Tagen). Junge Erwachsene (15 bis 24 Jahren) zahlen 11 bzw. 17 Euro, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren sind frei. Hunde dürfen nicht mit aufs Gelände.

Auskünfte zur Buga gibt es unter Tel. 06 21/ 39 99 20 23 (Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa bis 16 Uhr und So- und Feiertage bis 14 Uhr). Weitere Informationen, das komplette Programm und Tickets unter www.buga23.de.

Was kann man sonst noch in Mannheim machen?
Stadtführung zur Street-Art durch Mannheims Quadrate, www.stadt-wand-kunst.de

Ausstellung 1,5 Grad, Sonderausstellung passend zur Buga, zeigt die Verflechtungen von Leben, Kosmos und Technik in der Kunsthalle am Friedrichsplatz 4, www.kuma.art.

Allgemeine Informationen

Stadtmarketing Mannheim, www.visit-mannheim.de,

Tourismus Marketing Baden-Württemberg, www.tourismus-bw.de .

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