Bundeskanzler im Kreis Böblingen Scholz kommt zweimal zu Besuch

Olaf Scholz steigt beim Besuch im März 2024 in Sindelfingen aus seinem Auto. Foto: tefanie Schlecht

Olaf Scholz besucht den Kreis Böblingen 2024 gleich zweimal. Vom EU-Projekttag in Sindelfingen bis zur Eröffnung des Quanten-Rechenzentrums in Ehningen – was bleibt in Erinnerung?

Böblingen: Julia Theermann (the)

Hohen Besuch hatte der Kreis Böblingen im Jahr 2024 gleich mehrmals. Zweimal – einmal im März und einmal im Oktober – kam der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Und Redakteurinnen und Redakteure der Kreiszeitung Böblinger Bote waren beide Male mittendrin.

 

Erste Station des Kanzlers war am Montag, 4. März, die Gottlieb-Daimler-Schule 1 in Sindelfingen. Schon lange vor seinem Eintreffen waren Straßen rund um die Schule und der Weg dorthin abgesperrt worden. In der Mensa der Schule tummelten sich die Schülerinnen und Schüler, die vor dem Politiker beim EU-Projekttag ihrer Schule eine Präsentation halten sollten – sowie Dutzende Journalistinnen und Journalisten. Belegte Brötchen und Getränke sollten dafür entschädigen, dass die schuleigenen Snack-Automaten ausgeschaltet worden waren.

Junge Generation liebt „Olaf“

Sobald Scholz vor der Schule aus dem Auto stieg, schallte ein lauter Ruf über die Straße: „Olaf!“ Ein junger Mann bat von der anderen Straßenseite um ein Wort mit dem Kanzler – und durfte rüberkommen. Ein Handschlag, eine Begrüßung mit dem damals wohl mächtigsten Mann Deutschlands. Auch ein Selfie gab es. („Was? Wie heftig? Der ist der Heftigste“, rief ein anderer Jugendlicher über die Straße, der die Szene verfolgte.) Die Fragen des Reporters des SWR dagegen schmetterte Scholz ab: „Sie hören gleich zu in der Schule. Das freut mich, da haben Sie Ihr ganzes Team dabei“, sagte er grinsend. Und ließ die Reporter und Kameraleute stehen.

Kanzler Scholz hörte sich in der Gottlieb-Daimler-Schule 1 Präsentationen zu verschiedenen Themen an. Foto: Stefanie Schlecht

Drinnen warteten schon die Schülerinnen und Schüler mit ihren Stellwänden über EU-Themen: Migration als Chance, Antisemitismus, oder Elektromobilität. Im Anschluss ging es – unter vielen „Olaf“-Rufen aus den Reihen der draußen versammelten Schüler – zu einer Podiumsdiskussion. Darauf hatten sich sechs Schülerinnen und Schüler offensichtlich sehr intensiv vorbereitet. Und ihre Fragen durchaus kritisch formuliert. Ein Schüler bezeichnete Scholz und seine Regierung als „blass“ und warf ihm vor, mit Machtworten zu geizen.

Besuch strahlt über Sindelfingen hinaus

Das „Machtwort“, das darauf folgte, schaffte es aus der Aula in Sindelfingen in diverse Nachrichten- und Satiresendungen sowie nationale Publikationen: „Ich bin der Kanzler, und deshalb gilt das“, sagte Olaf Scholz über eines der damals heißesten Streitthemen im politischen Diskurs – nämlich, ob Deutschland die Ukraine im Krieg mit Russland mit Taurus-Marschflugkörpern unterstützen solle. Scholz war vehement dagegen, anders als der jetzige Bundeskanzler Friedrich Merz.

Scholz’ erster Besuch des Jahres im Kreis Böblingen ging am späten Vormittag im Mercedes-Werk, ebenfalls in Sindelfingen, weiter. Es war der erste Besuch eines Bundeskanzlers überhaupt in dem Werk. Dort schaute er sich die Factory 56 an, nahm Platz im neuen EQA und drehte eine Runde auf der Teststrecke – als Beifahrer.

Besuch beim Quanten-Rechenzentrum

Im Oktober war Olaf Scholz schon wieder zu Besuch im Kreis Böblingen – in Ehningen. Dieses Mal gefühlt mit weniger Pomp, dabei war das Thema wahrlich futuristisch: Scholz war am Dienstag, 1. Oktober, gekommen, um das erste Quanten-Rechenzentrum Europas einzuweihen. Gastgeberin IBM hatte 2021 ihren ersten Quantencomputer in Betrieb genommen, den ersten kommerziell nutzbaren in Europa. 2024 folgte dann die Erweiterung zu einem Rechenzentrum. Für IBM ist es nach dem in Poughkepsie (USA) das zweite Quanten-Rechenzentrum, das sie betreibt.

Olaf Scholz hält einen Quanten-Chip in der Hand. Foto: Stefanie Schlecht

„Die größten Fortschritte sehen oft nicht beeindruckend aus“, sagte Scholz in Ehningen, als ihm der IBM-Forschungschef Dario Gil einen Quanten-Chip überreichte. Tatsächlich, so der Plan, sollen Unternehmen in ganz Europa Zeit im Quanten-Rechenzentrum buchen können und damit neue Forschungen vorantreiben.

Mehrere Kanzler besuchten Böblingen

Scholz war an diesem Tag einer von vier Ehrengästen, die das blaue Band durchschneiden durften. Vor der Geräuschkulisse aus surrenden Maschinen und zischenden Kühlpumpem klackten im Oktober die Scheren. Es war Scholz’ letzter Besuch im Kreis Böblingen als Bundeskanzler.

Immer wieder haben sich in den letzten vier Jahrzehnten Bundeskanzler im Kreis Böblingen blicken lassen. Schon Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) kam 1986, vier Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, nach Böblingen, um Alexander Vogelgsang (SPD) auf dem Weg zur Stichwahl für das Oberbürgermeisteramt zu unterstützen. Im überfüllten Gerätehaus der Feuerwehr sprach er damals rund 15 Minuten. Vogelgsang gewann danach seine Stichwahl gegen den CDU-Kontrahenten.

Wann kommt Merz in den Kreis Böblingen?

Aber nicht nur SPD-Kanzler besuchten Böblingen. Auch Helmut Kohl (CDU) ließ sich hier blicken. Er kam wenige Jahre später auf die Hulb, um ein IBM-Werk zur Halbleiterproduktion einzuweihen.

Im Jahr 2004 kam dann auch Angela Merkel (CDU), allerdings nach Sindelfingen. Dort trug sie sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Kanzlerin war sie damals noch nicht. Die CDU hatte sie zur Regionalkonferenz eingeladen, wo sie und der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) in der Stadthalle vor mehr als 1000 Menschen über Argumente gegen die EU-Mitgliedschaft der Türkei und die Reform des Gesundheitssystems sprachen. Merkel kam neun Jahre später noch mal nach Renningen – dann schon als Kanzlerin und mit Teufels Nachfolger Winfried Kretschmann (Grüne) – und eröffnete ein Bosch-Forschungszentrum.

Angela Merkel kam auch in den Kreis Böblingen. Auf dem Bild ist sie 2017 in Berlin zu sehen. Foto: Julia Theermann

Und noch einen letzten Besuch stattete Merkel dem Kreis Böblingen in ihrer langen Zeit als Bundeskanzlerin ab – damals aber nur per Video. Mitten in der Corona-Pandemie weihte sie den ersten Quantencomputer bei der IBM in Ehningen ein. Genau den, dessen Erweiterung später ihr Nachfolger Scholz eröffnen durfte. Symbolisch nahm sie 2021 von ihrem Schreibtisch aus den Supercomputer in Betrieb.

Bleibt noch die Frage, wann sich der aktuelle Kanzler, Friedrich Merz (CDU), im Kreis blicken lässt.

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