Bundesliga Nach Bayern-Torshow: Kimmich verteidigt sich in Impfdebatte

Fußballspieler Joshua Kimmich vom FC Bayern München. Foto: Sven Hoppe/dpa Foto: dpa
Fußballspieler Joshua Kimmich vom FC Bayern München. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Bayern feiern den zweiten Sieg im zweiten Spiel ohne den kranken Julian Nagelsmann. Nach dem 4:0 gegen Hoffenheim positioniert sich Joshua Kimmich in einer Impfdebatte.

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München - Am heimischen Fernseher durfte Julian Nagelsmann nicht nur die nächste Torshow des FC Bayern bestaunen. Er verfolgte auch einen TV-Auftritt von Joshua Kimmich in der kontroversen Impfdebatte.

Der Münchner Mittelfeldanführer begründete nach dem 4:0 gegen die TSG Hoffenheim im Sky-Interview seinen Impfverzicht. Er habe "persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht", sagte der Fußball-Nationalspieler.

Im Zuge der Corona-Infektion des vollständig geimpften Nagelsmann, der wie beim 4:0 auswärts gegen Benfica Lissabon auch beim Sieg am Samstag in der Fußball-Bundesliga von Assistent Dino Toppmöller vertreten wurde, hatte die "Bild" darüber berichtet, dass fünf Bayern-Stars nicht geimpft sein sollen. Darunter eben auch Kimmich, der im Fernseh-Interview nur zur Impfthematik und nicht zum hochverdienten Erfolg durch Tore von Serge Gnabry (16. Minute), Weltfußballer Robert Lewandowski (30.) sowie die Joker Eric Maxim Choupo-Moting (82.) und Kingsley Coman (87.) befragt wurde.

"Jeder sollte für sich Entscheidung treffen"

Er finde es schade, dass es in der Debatte "nur noch geimpft oder nicht geimpft" gebe, sagte Kimmich bei seiner Positionierung. "Und nicht geimpft bedeutet dann oftmals gleich, dass man Corona-Leugner oder Impfgegner ist. Aber ich glaube, es gibt auch ein paar andere Menschen zu Hause, die einfach ein paar Bedenken haben, was auch immer die für Gründe haben. Und ich finde, auch das sollte man respektieren. Vor allem, so lange man sich an die Maßnahmen hält", sagte Kimmich. Er sage nicht kategorisch, dass er sich "überhaupt nicht impfen lasse". Es sei "auch sehr gut möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse", betonte Kimmich.

Öffentlich sorgt der Impfverzicht Kimmichs nicht nur im Lichte der von ihm und seinem Nationalmannschafts- und Bayern-Kollegen Leon Goretzka ins Leben gerufene Hilfs-Aktion "We Kick Corona" (#wekickcorona), mit der sie Spenden für soziale Einrichtungen sammeln, für Erstaunen. "Bei "WeKick Corona" ging’s ja darum, karitative Einrichtungen und gemeinnützige Zwecke zu unterstützen, die Personen unterstützen, die durch Corona in Not geraten sind. Wir haben ja auch an die Unicef Geld gespendet, die dann Impfstoff zur Verfügung stellen", führte Kimmich bei Sky aus. "Da geht es ja darum, dass es Länder gibt, die keinen Zugang zum Impfstoff haben. Ich denke, jeder sollte für sich die Entscheidung treffen."

Ähnlich äußerte sich Mainz-Coach Bo Svensson. Er akzeptiere die Meinung von Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich zu dessen Impfstatus. "Jeder hat das Recht, das selbst zu entscheiden. Und selbst wenn wir als Verein eine Impfung empfehlen: Es sind Menschen, und es gehört mehr zu ihrem Leben als nur die Arbeit", sagte der Trainer des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF.

FC Bayern empfiehlt Impfung

Die hat Kimmich getroffen. Wenngleich er damit allerdings nicht der Empfehlung seines Arbeitgebers folgt. "Der FC Bayern empfiehlt, sich impfen zu lassen, genauso wie ich persönlich, um unter anderem vielleicht allen ein normaleres Leben zu ermöglichen", sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic über den Rat des Vereins. Aber weil es in Deutschland keine Impfpflicht gebe, habe der Verein "die Empfehlung ausgesprochen und jeder darf das selber entscheiden."

Torwart Manuel Neuer bezeichnete es ebenfalls bei Sky erst einmal als "Privatsache". Er habe sich impfen lassen. "Und ich denke, dass es für uns alle auch unabdingbar ist, dass wir heute so viele Zuschauer in der Arena gehabt haben. Aber das ist die Sache von jedem selbst", sagte der Bayern- und Nationalmannschaftskapitän.

Der Rekordmeister freute sich, dass am Samstag rund um das Hoffenheim-Spiel zum sechsten Mal der Impfbus der Stadt München vor dem Stadion war. Die Impfquote der Stadionbesucher sei "generell vorbildlich", hob Jan-Christian Dreesen, stellvertretender Vorsitzender hervor.

"Wir plädieren dafür, dass man es macht", hatte Trainer Nagelsmann im Vorfeld des Spiels betont, als es grundsätzlich um ungeimpfte Spieler und nicht speziell um Kimmich ging. Den Unterschied im Krankheitsverlauf zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften könne man ja in den Kliniken sehen. "Es gibt keinen Zwang, sondern eine Empfehlung und die sprechen wir aus", sagte der 34-Jährige.

Wann Nagelsmann wieder zur Mannschaft stoßen werde, könne man "nicht seriös" sagen, erklärte Toppmöller. Der Vertreter freute sich über einen "hochverdienten Sieg" und Phasen mit "sehr gutem Fußball", wie er in der Pressekonferenz betonte, in der er auch zu den Kimmich-Aussagen befragt wurde. "Jeder Spieler hat mit Sicherheit die Möglichkeit gehabt, mit unserem Internisten darüber zu reden, wie da die Risiken sind und wurde über alles aufgeklärt", sagte Toppmöller. Kimmich habe sich in der Impffrage entschieden, das "erstmal nicht zu machen" und das respektiere er.

Das war auch der erste Tenor bei Verantwortlichen anderer Clubs. "Jeder Mensch in unserem Land ist frei", sagte Freiburgs Trainer Christian Streich nach dem 2:0-Sieg auswärts gegen den VfL Wolfsburg. "Ich wünsche mir, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen, weil ich weiß, was es für Auswirkungen haben kann, wenn man sich nicht impft."

Der Familienvater Kimmich verwies darauf, dass er sich seiner "Verantwortung bewusst" sei und halte sich an die Hygienemaßnahmen. Beim deutschen Rekordmeister würden alle nicht geimpften Spieler alle zwei bis drei Tage getestet, sagte der Mittelfeldakteur. Spätestens, wenn Kimmich in einem Stadion aufläuft, in das nur Zuschauer nach dem 2G-Konzept, also nur Geimpfte und Genesene, dürfen, birgt die Situation Stoff für eine weitere Debatte.

© dpa-infocom, dpa:211023-99-708163/7




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