Nach einer Schlägerei wegen eines Fahrrads sind nun wegen eines Sitzplatzes zwei Frauen aneinandergeraten.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Ferienzeit und 9-Euro-Ticket haben der Bahn volle Züge beschert. Das führt mitunter zu Konflikten unter den Reisenden. So sorgte vor gut einer Woche ein Fall für Aufsehen, bei dem ein Passagier und der Ehemann einer Frau, die im Fahrradbereich ein Fahrrad transportieren wollte, in Streit gerieten– es flogen Fäuste. Am Montagabend sollen in einem Zug zwischen Karlsruhe und Stuttgart zwei Frauen aufeinander losgegangen sein.

Zwei Frauen streiten sich um einen Sitzplatz

Gegen 21 Uhr wollten die Frauen, eine 56-jährige und eine 37 Jahre alte, von Karlsruhe nach Stuttgart beide einen Sitzplatz ergattern. Diese seien aber in dem Zug rar gewesen. Deswegen hätten sich die Frauen erst gestritten. Dann sei es auch zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden gekommen, meldet die Bundespolizei, die in Stuttgart einschritt. Die Frauen hatten sich offenbar gekratzt, darauf deuteten die Kratzspuren und Schürfwunden hin, die sie davontrugen. Eine Behandlung durch den Rettungswagen, der angefordert worden war, sei jedoch nicht notwendig gewesen. Der genaue Ablauf der tätlichen Auseinandersetzung sei noch nicht geklärt. Die Bundespolizei ermittele nun gegen beide Frauen wegen des Verdachts der Körperverletzung.

Am Sonntag vor einer Woche hatte sich ein Passagier an einem Fahrrad gestört, das im für die Radmitnahme vorgesehenen Wagen abgestellt war. Ihm habe missfallen, wie das Rad, das einer Frau gehörte, dort stand. Er soll die Frau beschimpft und weggestoßen haben. Da habe sich der Ehemann eingeschaltet und den Mann zurückgestoßen, was dieser mit einem Faustschlag quittierte. Auch hier musste die Bundespolizei einschreiten. Im Netz wollten viele gleich wissen, wem hier die Schuld für den Konflikt zuzuschreiben war: eindeutig der Radfahrerin, kommentierten etliche Leserinnen und Leser unter einem Facebook-Beitrag mit der Polizeimeldung. Die Radfahrenden würden immer den anderen Passagieren Plätze wegnehmen, so der Tenor. Das kann man im vorliegenden Fall nicht so stehen lassen. Denn die Bundespolizei hat – im Gegensatz zur Deutschen Bahn – auf Anfrage unserer Zeitung im Nachhinein feststellen können, dass der Wagen nur zu etwa 50 Prozent belegt gewesen sei – es war also ausreichend Platz für Reisende mit und ohne Fahrräder.

Die Deutsche Bahn betont, dass Räder in dem Bereich abgestellt werden dürften, jedoch Kinderwagen und Rollstühle Vorrang hätten. Auch wenn die Bahn Wagenabschnitte für die Radmitnahme im Regionalverkehr designiert habe, bestehe keine Garantie, dass man es in einem vollen Zug mitnehmen dürfe, sagt eine Sprecherin der Bahn. Nur wenn Platz sei, gehe das.