Der Zuffenhäuser Bezirksvorsteher Saliou Gueye war zusammen mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu Gast in seiner senegalesischen Heimat.

Seit Oktober 2020 ist Saliou Gueye Bezirksvorsteher von Zuffenhausen. Noch viel länger übt er eine andere Funktion aus: Seit der gebürtige Senegalese 1995 nach Deutschland kam, engagiert er sich für die Zusammenarbeit von Deutschland und Afrika. Vor Kurzem war er zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und einer rund 50-köpfigen Delegation in seinem Heimatland. Danach hätte es eigentlichen weiter auf die Kapverdischen Inseln gehen sollen, doch dieser Teil der Reise musste wegen des Ukrainekrieges ausfallen.

„Dieser Konflikt zeigt deutlich, dass wir alle in einer gemeinsamen Welt, einem globalen Dorf leben“, sagt Gueye. Die Auswirkungen des Krieges gingen alle Menschen etwas an. Sicherheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa seien in Gefahr, die weltweiten Konsequenzen seien kaum abzuschätzen. Schon einige Zeit vor dem eigentlichen Angriff Russlands habe es in der deutschen Delegation Vorahnungen gegeben, der Bundespräsident sei ständig mit Berlin in Kontakt gewesen. Angekommen in der senegalesischen Hauptstadt Dakar war die Delegation am 20. Februar.

Schon im Flugzeug beginnt das Gespräch über Stuttgart und Zuffenhausen

Für Gueye war schon der Flug dorthin ein echtes Erlebnis: Die Maschine beschreibt er als „kleinen Palast“ mit allerlei Annehmlichkeiten. Der Zuffenhäuser Bezirksvorsteher wurde sogar noch im Flugzeug zu Steinmeier gerufen, Gesprächsthemen seien unter anderem auch Stuttgart und Zuffenhausen gewesen. „Er war sehr aufgeschlossen und nett“, erzählt Gueye. Es war sein zweites Treffen mit Frank-Walter Steinmeier, dessen beide Vorgänger er ebenfalls kennt: Horst Köhler hatte er 2009 bei der Bundesversammlung kennengelernt, Joachim Gauck überreichte Gueye im Jahr 2014 das Bundesverdienstkreuz für dessen Engagement beim Thema Migration.

Immer wieder hat Gueye in der Vergangenheit an Projekten des Auswärtigen Amtes teilgenommen. Neben dem Senegal standen unter anderem Mali, Guinea und Gambia auf der Reiseliste, doch auch in Berlin gab und gibt es regelmäßige Tagungen. Dabei geht es immer wieder darum, junge afrikanische Menschen aufzuklären, ihnen legale Migrationswege aufzuzeigen, ihnen aber auch zu erläutern, dass Europa kein Schlaraffenland ist. „Ich möchte ein differenziertes Bild von Deutschland vermitteln“, sagt der 54-Jährige, der in Dortmund Raumplanung mit Schwerpunkt Migration und Entwicklungspolitik und in Brüssel Internationale Beziehungen studiert hat.

Gueye erhielt 2014 das Bundesverdienstkreuz

Der Unterschied zwischen Lokalpolitik und Weltpolitik ist für den Zuffenhäuser Bezirksvorsteher kein wirkliches Problem, ganz im Gegenteil: „Das sind zwei Welten, die ich gerne miteinander verbinde.“ Beispielsweise durch den Fairtrade-Gedanken oder, so hofft der Bezirksvorsteher, durch Schulpartnerschaften oder Austauschprogramme, die er eventuell einfädeln möchte. Eines ist für ihn klar: „Auch in Zuffenhausen müssen wir global denken.“

Lokalpolitik und Weltpolitik miteinander verbinden

Gueye betont, dass seine Priorität ganz klar im Stadtbezirk in Stuttgart liege. Zwar sei der Job sehr komplex, mittlerweile habe er sich aber gut eingefunden. Wunder erwarten dürfe man aber keine, denn in Zuffenhausen gebe es tief greifende strukturelle Probleme, die durch mehr Miteinander, eine bessere Vernetzung und neue Ideen angegangen werden müssten.

Der Besuch Steinmeiers war (nach Heinrich Lübke 1962) erst der zweite eines Bundespräsidenten im Senegal. Themen waren unter anderem die politische Partizipation der Frauen, Migration und Bildung. Es ging aber auch um den geplanten Aufbau einer Impfstoffproduktion im Senegal mithilfe des deutschen Unternehmens Biontech. Damit sollen erstmalig Vakzine in Afrika für Afrika produziert werden.

Die Visite der deutschen Delegation wurde im Land sogar im TV übertragen. „Als mich meine Mutter, die in Dakar lebt, im Fernsehen sah, war sie sehr stolz“, erzählt Gueye. Er brachte dem senegalesischen Präsidenten Maky Sall sogar bei, wie man das Wort „Zuffenhausen“ richtig ausspricht. Und eine Frage musste Gueye vor Ort immer wieder beantworten (und verneinen): Ob er denn einen Porsche fahre? Nein, tut er nicht.