Bundespräsident Steinmeier in der Kritik Ehrt Deutschland einen Srebrenica-Leugner?

Kein Völkermord? Um die Zahl der Opfer von Srebrenica gibt es Streit. Foto: AP/Kemal Softic
Kein Völkermord? Um die Zahl der Opfer von Srebrenica gibt es Streit. Foto: AP/Kemal Softic

Der Historiker Gideon Greif soll das Bundesverdienstkreuz bekommen. Er ist allerdings wegen seiner Äußerungen zum Srebrenica-Massaker höchst umstritten.

Korrespondenten: Thomas Roser (tro)
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Belgrad - Wir dürfen niemals vergessen, was in Srebrenica passierte“, erinnerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im vergangenen Sommer an den 25. Jahrestag des Völkermords: Mehr als 8000 Männer und Jugendliche waren nach dem Fall der ostbosnischen Muslimenklave am 11. Juli 1995 ermordet worden.

Doch ein Jahr später sieht sich das deutsche Staatsoberhaupt in Bosnien und Herzegowina selbst Vorwürfen ausgesetzt, das Gedenken an Srebrenica mit Füßen zu treten. Der Grund dafür ist die geplante Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den israelischen Historiker Gideon Greif. „Schändlich: Deutschland zeichnet den Leugner des Genozids von Srebrenica aus“, berichtete Radio Sarajevo. Wegen seiner Verdienste um die Holocaust-Forschung ist Greif nominiert worden. Doch in Bosnien hat er sich vor allem als Vorsitzender einer vom Teilstaat Republika Srpska eingesetzten „Unabhängigen Srebrenica-Kommission“ einen Namen gemacht.

Kritiker sprechen von einer inhumanen Entscheidung

Bei der Vorstellung deren Abschlussberichts im August hatte Greif verkündet, dass es „in Srebrenica keinen Völkermord gab“. Die Tötung von „2500–3000 Kriegsgefangenen“, unter denen sich „einige Hundert Zivilisten“ befunden hätten, sei zwar ein Kriegsverbrechen, doch kein Genozid, heißt es in dem von der Republika Srpska bestellten und finanzierten Rapport. Als „zutiefst inhumane Entscheidung“ kritisierte Emir Ramic, Direktor des Genozid-Research-Instituts Kanada, in einem offenen Brief an Steinmeier die noch nicht erfolgte Würdigung für Greif: „Das ist dasselbe, als ob man einem Holocaust-Leugner einen Orden verleiht.“

Die Proteste haben ihre Wirkung offenkundig nicht verfehlt. Die Auszeichnung werde „einer neuerlichen Prüfung unterzogen“, teilte das Bundespräsidialamt auf Anfrage am Montag mit.




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