Wieder gibt es neue Vorwürfe gegen Christian Wulff. Auch deshalb blieben viele geladene Gästen seinem Empfang bei der Berlinale fern.

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff sieht sich mit neuen Berichten zu dem Fall konfrontiert. Die Folgen der Affäre überschatteten am Sonntagabend auch den Berlinale-Empfang des Bundespräsidenten. Nur etwa 100 Gäste folgten der Einladung, fast alle Größen des deutschen Films blieben fern.

 

Die „Bild am Sonntag“ berichtete, das einstige Unternehmen des Wulff-Freundes und Filmproduzenten David Groenewold, die Waterfall Productions GmbH, sei eine Briefkastenfirma gewesen. Die niedersächsische Landesregierung des damaligen Ministerpräsidenten Wulff hatte dem Unternehmen mit Sitz in Hannover seinerzeit eine Landesbürgschaft über vier Millionen Euro zugesagt. Die Firma habe nicht einen einzigen Film produziert, zitiert die Zeitung den damaligen Geschäftsführer Stephan Hansch. „Es gab keine Mitarbeiter und keine eingerichteten Büros. An der Adresse auf dem Expo-Gelände ist nie etwas passiert.“ Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann forderte in der Zeitung: „Herr Wulff muss erklären, warum eine Briefkastenfirma in Hannover eine Millionenbürgschaft des Landes erhalten hat. Eine Briefkastenfirma ist ein Indiz für unlautere Geschäfte.“ Nach einem Bericht des „Focus“ erhielt Groenewold 2009 von Wulff auch eine Einladung zu einer offiziellen Japan-Reise. Er sei dann aber zu Hause geblieben.

Viele blieben fern

Fast alle großen Filmemacher, Schauspieler und Produzenten blieben dem Empfang des Bundespräsidenten fern. Anwesend waren der Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und die internationale Wettbewerbsjury sowie von der Berlinale gekürte Jungschauspieler, mit denen Wulff sich ablichten ließ. Schon seit Tagen war am Rande der Festspiele immer wieder die Frage gestellt worden, ob man der Einladung Folge leisten solle. Etliche bekannte Filmschaffende erklärten ihre Absage mit Terminkollisionen und sagten dazu, dass sie darüber nicht unglücklich seien. Die Filmproduzentin Regina Ziegler sagte der Stuttgarter Zeitung, sie habe andere Einladungen. „Wenn man allerdings fragt, ob Wulff hätte zurücktreten sollen, sage ich: ja.“ Der Dokumentarfilmer Andres Veiel, der zu dem Empfang gekommen war, sagte: „Ich bin eher aus ethnografischem Interesse da.“ Es gehe um die Beobachtung von etwas, das im Schwinden begriffen sei.

Die Verbindung mit seinem Freund Groenewold brachte Wulff zuletzt mehrfach in Bedrängnis. So soll Groenewold in Teilen ein Buch Wulffs finanziert und ein Hotel-Upgrade bezahlt haben. Zuletzt hatte er Wulff und dessen heutiger Frau 2007 Übernachtungen in einem Hotel auf Sylt und in einem Apartment bezahlt – Wulff ließ erklären, er habe dies später in bar zurückbezahlt. Außerdem nutzte Wulff ein Firmenhandy // privat – die Kosten dafür zahlte er demnach zurück.

Vor Wulffs heute beginnender Italienreise riss die Kritik nicht ab. DGB-Chef Michael Sommer forderte Wulff auf, über einen Rücktritt nachzudenken. „Das Amt hat hohe moralische Autorität, davon lebt es“, sagte Sommer der „Bild“-Zeitung. „Der Bundespräsident muss selber wägen, ob er diesem Anspruch gerecht wird.“ Wulff hat mehrfach deutlich gemacht, dass er im Amt bleiben will.