Bundespreis für junge Esslinger Malerin Die verwelkende Rose überzeugt die Jury
Einen Bundespreis hat die 14-jährige Lucía Messina von der Kunstakademie in Esslingen gewonnen. Die verwelkende Rose hat die Jury des Europäischen Wettbewerbs überzeugt.
Einen Bundespreis hat die 14-jährige Lucía Messina von der Kunstakademie in Esslingen gewonnen. Die verwelkende Rose hat die Jury des Europäischen Wettbewerbs überzeugt.
Die lilafarbene Blüte wurde im Moment ihres Vergehens eingefangen. Bevor die ersten Blätter fallen, lässt sich das nahende Ende bereits erahnen. Mit ihrem großformatigen Bild einer verblühenden Rose hat die 14-jährige Lucía Messina, Schülerin der Kunstakademie Esslingen, erst einen Landes- und nun auch noch einen Bundespreis des 69. Europäischen Wettbewerbs gewonnen. Mehr als 58 000 Schülerinnen und Schüler jeden Alters und aus allen Schulformen haben dabei zum Thema „Nächster Halt: Nachhaltigkeit“ ihre kreativen Ideen in Form von Zeichnungen, Collagen und Gemälden, Videos, Podcasts, Songs oder Texten eingereicht.
„Das ist der erste Wettbewerb für Kunst, an dem ich mitgemacht habe. Dabei gleich einen Preis zu gewinnen, ist echt toll“, freut sich Lucía Messina, die die 8. Klasse der Waldorfschule Esslingen besucht. Für ihr ausdrucksstarkes Rosen-Bild hat sie im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs sogar drei Preise erhalten: Nach dem Ortspreis erhielt sie mit dem Landespreis die Nominierung für den Bundespreis. Und mit ihrer welkenden Rose überzeugte sie die Jury, die ihr einen von insgesamt 530 Bundespreisen zuerkannte, verbunden mit einer Urkunde und einer Powerbank.
Mit rund 60 auf 40 Zentimetern Größe ist das Gemälde, das mittlerweile im Esslinger Wohnzimmer ihrer Familie einen Ehrenplatz erhalten hat, nicht gerade klein. „Die Arbeit hat viel Durchhaltevermögen abverlangt, es gab durchaus auch Durststrecken“, erzählt Karin Genitheim, Kursleiterin an der Kunstakademie Esslingen, die ihrer Schülerin zwischendurch immer mal wieder über WhatsApp Nachrichten als Motivationshilfe schickte. „Lucía macht sich viele Gedanken. Und was Malerei und Zeichnung betrifft, ist sie sehr zielgerichtet. Sie ist etwas ganz Besonderes, da ist viel Potenzial vorhanden, das sich entwickeln lässt“, lobt Genitheim. „Ich male eigentlich schon immer. Und seit ich zwölf Jahre alt bin, möchte ich Künstlerin werden und das Malen zu meinem Beruf machen“, erzählt Lucía Messina, die seit knapp zwei Jahren Genitheims wöchentlichen Kurs an der Kunstakademie besucht.
Zuhause füllt sie Skizzenbuch um Skizzenbuch: „An regnerischen Tagen oder in den Ferien zeichne ich viel. Meine Eltern, meine kleinen Schwestern und meine Familie in Argentinien unterstützen mich sehr, sie stehen voll hinter mir“, erzählt die Schülerin. Dabei sei sie sich durchaus bewusst, dass das Künstlerdasein kein einfaches Leben ist: „Aber ich bin bescheiden, und es ist wichtig, dass man das tut, was man liebt.“
Für ihren Beitrag zum Europäischen Wettbewerb hat Lucía Messina sich aus den Aufgaben für die achte bis zehnte Klasse das Thema „Art of Nature“ ausgesucht: „Die Natur hat Künstlerinnen und Künstler schon immer zu ihren Werken inspiriert, egal ob in der Musik, der Literatur oder der Bildenden Kunst. Gestalte dein eigenes Kunstwerk – Hand in Hand mit der Natur“, hieß ihr Auftrag. Gut zwei Monate hat sie an dem Bild gearbeitet, zu Weihnachten hatte sie sich ein großes Set professioneller Farbstifte gewünscht: „Dann konnte ich gleich am 25. Dezember mit dem Kolorieren anfangen“, erzählt sie.
Das Verblühende und Dahinwelkende, das sich auch auf das menschliche Leben übertragen lässt, hat Lucía und ihre Lehrerin an diesem Thema besonders fasziniert: „Vanitas, die Vergänglichkeit alles Irdischen, das wollte Lucía in ihrer Rose darstellen“, erklärt Karin Genitheim. Die Rose, die als Blume aber auch als Symbol vielfach in der Kunstgeschichte auftaucht, begeistert die junge Malerin: „Im Barock wurden in Europa sehr viele Rosen gemalt. Und es wurde sogar mit Pigmenten aus Rosenblättern gemalt.“ Deshalb haben Lucía und ihre Lehrerin auch experimentiert und Rosenblätter zermahlen, um Farbpigmente selbst herzustellen. „Sie haben leider ihr Rot nicht abgegeben, alles blieb grau“, bedauert Karin Genitheim. Kurzerhand hat Lucía Messina deshalb ihre gemalte Rose nun durch getrocknete Rosenblütenblätter ergänzt.