Bundestagswahl 2017 Damit Menschen nicht zur Ware verkommen

Von Kathrin Klette 

Peter Wenzel ist der Kandidat für die Linken. Er will seine Partei bei den Wählern ins rechte Licht rücken.

Peter Wenzel, hier am Wimsheimer Rathaus, kandidiert für Die Linke. Foto: Andreas Gorr
Peter Wenzel, hier am Wimsheimer Rathaus, kandidiert für Die Linke. Foto: Andreas Gorr

Enzkreis - „Ich komme aus derselben Generation wie Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Und ich denke, dass diese Generation vieles verpennt hat.“ Peter Wenzel, 63 Jahre alt, ist der Direktkandidat für die Partei Die Linke im Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis – und ist der Ansicht, dass früher wie heute in der Politik so einiges schiefgelaufen ist. „Damals hat man sich zurückgelehnt und gesagt: Uns geht’s doch gut. Dabei hat man dann verpasst, sich um die Zukunft und um soziale Gerechtigkeit zu kümmern.“ Inzwischen gehe die Vermögensschere im Land immer weiter auseinander. Punkte wie diesen möchte die Linke anpacken. Und eben das möchte Peter Wenzel den Menschen im Wahlkampf vermitteln.

Er selbst hat keinen Listenplatz. Ein Einzug in den Bundestag ist für ihn daher sehr unwahrscheinlich. Trotzdem möchte er als Kandidat für seine Partei einstehen und die anstehende Wahl nutzen, um die Menschen für die Ideen der Linken zu gewinnen – nicht nur kurzfristig für die Bundestagswahl, sondern vor allem langfristig im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2019. Was die Wahl im September angeht, will Peter Wenzel realistisch bleiben. Einen großen politischen Wandel jedenfalls sieht er nicht kommen. „Vielleicht geht es den Leuten einfach noch zu gut“, mutmaßt er. „Aber ein Wandel im Wirtschaftssystem wird ein paar Generationen dauern. Und wenn man das heute nicht in Gang bringt, wird die menschliche Arbeitskraft immer mehr zu einer Ware verkommen, die Tendenz haben wir jetzt schon.“

Nur Vielverdiener stärker zur Kasse bitten

Der Wahlkampf ist oftmals ernüchternd, hat Peter Wenzel erfahren. Und das nicht nur, weil seine Heimat schon seit den Sechzigern quasi „in CDU-Besitz“ sei. „Ich bin auch immer wieder überrascht, wie wenig Menschen bereit sind, sich politisch zu informieren.“ Ein Phänomen, das er nicht erst seit diesem Wahlkampf beobachtet.

Auch die Vorurteile gegenüber seiner eigenen Partei seien oft groß. „Die Leute denken immer, wir wollen an ihr Geld, aber das stimmt nicht.“ Menschen mit einem Monatsgehalt von bis zu 7100 Euro sollten sogar mehr entlastet werden, als es gerade der Fall ist. Nur die Vielverdiener würden stärker zur Kasse gebeten. Viele Menschen aber kennen die Programme der Parteien gar nicht. „80 Prozent wählen im Grunde gegen ihre eigenen Interessen“, ist Peter Wenzel überzeugt.

„Wir wollen vernünftige Verhältnisse schaffen“, betont er. „Ich war selber mal Chef, ich kenne die Probleme von mittelständischen Unternehmen.“ Auch deren Entlastung wolle die Linke erreichen. Ein weiteres seiner erklärten Ziele ist es folglich, dass auch Unternehmer sagen: „Die Linken machen ein gutes Programm.“

Deutliche Kritik an der SPD

Auf die SPD – eine Partei, die eigentlich für ähnliche Werte einsteht – ist Wenzel überhaupt nicht gut zu sprechen. Sein Vorwurf, dass in der Vergangenheit vieles falsch gelaufen ist, geht sogar noch mehr in Richtung SPD als an die CDU. „Bei der CDU ist klar, wofür sie steht.“ Doch die Sozialdemokraten haben sich in seinen Augen durch Entscheidungen in der Vergangenheit – von Hartz IV bis Leiharbeit – klar ins Abseits befördert. „Leiharbeit ist etwas, das für mich grundsätzlich abgeschafft gehört.“

Er selbst entwickelte seine politischen Überzeugungen durch sein Studium, erzählt Wenzel. Seine Studiengänge waren Politik und Soziologie. Dabei habe er sich stark auf den Marxismus fokussiert und sei dabei geblieben. „Für mich war das immer eine vernünftige Alternative zum Kapitalismus.“ Später habe er auch Kompromisse gemacht, „man lebt in und mit dem System. Aber jetzt habe ich Kinder und Enkelkinder. Denen will man schließlich etwas hinterlassen und politisch etwas vermitteln. Deshalb bin ich wieder aktiv geworden.“

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