Bundestagswahl 2021 Ein Grüner, der mit Sport punkten will

Ein Grüner – und dann so wenig Grün? Lars Maximilian Schweizers Steckenpferd ist die Sportpolitik und deshalb sind die Stufen vor der Ege-Trans-Arena auch ein passender Ort, um ihn zu treffen. Foto: Simon Granville
Ein Grüner – und dann so wenig Grün? Lars Maximilian Schweizers Steckenpferd ist die Sportpolitik und deshalb sind die Stufen vor der Ege-Trans-Arena auch ein passender Ort, um ihn zu treffen. Foto: Simon Granville

Lars Maximilian Schweizer kandidiert für die Ökopartei im Wahlkreis Neckar-Zaber – und setzt auf ein ungewöhnliches Thema.

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Bietigheim-Bissingen - Lars Maximilian Schweizer kommt im Bus, in einem Verbrenner – sein Vater hat ihn gebracht. Normalerweise erledige er das meiste mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, versichert der 28-Jährige. Ein eigenes Auto haben er und seine Frau nicht, typisch grün also. Auch sonst passt der junge Mann gut ins Schema: Er ist eloquent, hat studiert, auf die drängenden Fragen hat er die – für die Partei – passenden Antworten. Beim Thema Verkehr führe nichts am Ausstieg aus dem Verbrenner vorbei, für Flüge müsse der Gast entsprechend zahlen, mit der E-Mobilität ließen sich beispielsweise auch Lärmprobleme lösen. Der ÖPNV sei nicht zu teuer, sondern in erster Linie nicht verlässlich genug. Beim Klimaschutz lauten die Schlagworte: Ausbau der Erneuerbaren, Flächenverbrauch, Wassermanagement. „Dass die Grünen Klimaschutz können, steht außer Frage“, sagt Schweizer selbstbewusst. Einstudiert wirkt es nicht, was er erzählt. Eher, als sei er wirklich überzeugt davon.

Sind die Grünen eine Verbotspartei?

Gleichwohl: überzeugt sind längst nicht alle von den Ideen seiner Partei. Trotz Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, trotz Starkregen – auch in der Region –, trotz Bränden in Südeuropa. Mit Leid Politik machen, das will Schweizer nicht. Das ändert aber auch nichts daran, dass den Grünen inzwischen (auch) das Image einer Verbotspartei anhaftet. Es gehe aus seiner Sicht bei all den Forderungen der Partei nicht darum, „Menschen zu geißeln, sondern Freiheit zu bewahren“, sagt Schweizer. Das bedeute eben auch, sich seiner Verantwortung für künftige Generationen bewusst zu sein und entsprechend zu leben. Dabei denkt er wohl auch an seinen bald ein Jahr alten Sohn. Aus Sicht des 28-Jährigen ist es wichtig, nicht alles auf den Einzelnen abzuwälzen. Dass seine Partei dabei nicht immer den richtigen Ton trifft – zuletzt beim Thema Inlandsflüge, vor Längerem beispielsweise beim Veggie-Day –, auch das weiß Schweizer. Trotzdem: Es sei Zeit für einen Wechsel in der Politik. Besonders beim Klimaschutz seien die vergangenen 16 Jahre verlorene Jahre gewesen.

Mikroplastik im Kunstrasen, weniger Energie für das Schwimmbad

Gerade deshalb muss es ihn als Grünen doch wurmen, dass Annalena Baerbock bislang keine gute Figur als Kanzlerkandidatin macht. Schweizer schnauft durch, er wusste, dass diese Frage kommt. Ja, sie habe Fehler gemacht, aber die seien im Vergleich zur Konkurrenz „zu vernachlässigen“ Insgesamt seien die Grünen in der Spitze und der Breite wesentlich besser aufgestellt, jedenfalls „besser durchmischt, als die Konkurrenz sich eingestehen mag.“

Zur thematischen Vielfalt trägt Schweizer selbst bei. Denn ins Rennen geht er auch mit einem Thema, das allgemein nicht unbedingt den Grünen zugeschrieben wird: Sportpolitik. Wobei sich eigentlich vieles aus dem Sport auf grüne Politik anwenden beziehungsweise mit ihr verbinden ließe, findet Schweizer. Der passionierte Fußballtrainer, der auch lange Schiedsrichter war, preist die integrative Wirkung, Bewegung und Gesundheitsförderung – und selbst mit Umwelt- und Klimaschutz habe der Sport Schnittmengen. Sei es Mikroplastik im Kunstrasen oder energetische Sanierungen von Schwimmbädern. Es gebe generell viel nachzuholen auf dem Gebiet.

Wie Gienger in den Sportausschuss?

Deshalb will er auch in den Sportausschuss im Bundestag. Damit würde er Eberhard Gienger (CDU) nicht nur als Vertreter des Wahlkreises Neckar-Zaber nachfolgen. Von der Arbeit des ehemaligen Weltklasse Turners ist Schweizer aber wenig angetan. „Man muss sich nur mal anschauen, was er zuletzt an Anfrage gestellt hat“, sagt er noch, bevor er geht. Dieses Mal nimmt er den Zug.

Aufgewachsen auf einem Pferdehof, daheim auf dem Fußballplatz

Privates
 Lars Maximilian Schweizer ist verheiratet und hat einen Sohn, die Familie lebt in Tübingen, wo er auch Geschichts- und Rechtswissenschaft studiert hat. Aufgewachsen ist der 28-Jährige auf einem Pferdehof in Ludwigsburg-Poppenweiler, bei der DJK Ludwigsburg hat er in der Jugend selbst Fußball gespielt, er war lange Zeit als Schiedsrichter aktiv, seit 14 Jahren ist er Trainer.

Politisches
 Zur Politik ist Schweizer über ein Praktikum bei einer Beratungsfirma gekommen. Unter anderem hat er den Grünen-Europawahlkampf in Tübingen für die Partei koordiniert. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er in den Abgeordnetenbüros von Daniel Lede Abal und der heutigen Umweltministerin Thekla Walker tätig. Zur Zeit arbeit Schweizer für den Staatssekretär im Umweltministerium Andre Baumann.




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