Politiker und Jurastudent
An der Wand seines Wahlkreisbüros im Bahnhofsgebäude in Nürtingen hängen ein Boxhandschuh, ein Feuerwehrgürtel, das Foto eines kleinen Affen, ein VfB-Trikot mit der Nummer 40 und ein Schild mit der Aufschrift „In diesem Haus wird SPD gewählt“. Jedes einzelne Stück ist ein Stück Nils Schmid. Der Boxhandschuh zum Beispiel. Denn der Sozialdemokrat musste sich immer durchboxen. Seit seiner Studienzeit ist er Berufspolitiker. Noch während des Jurastudiums in Tübingen wurde er 1997 in den Landtag gewählt, seine beiden Staatsexamina und die Promotion absolvierte er neben dem Mandat: „Es war ein hartes Stück Arbeit“. Auch der Feuerwehrgürtel an der Wand ist Lebensprogramm. Denn Feuerwehr musste er in seinen verschiedenen politischen Positionen etwa als baden-württembergischer Wirtschafts- und Finanzminister oft spielen.
Der Amtsbonus hat immer gefehlt
Sehr gut kennt er als echter Fan den VfB Stuttgart. Die Mitarbeitenden seines Teams haben ihm zum 40. Geburtstag ein Trikot mit der Nummer 40 geschenkt, und der Fußballverein erinnert mit seinen Auf- und Abstiegen an die SPD. Das schlechte Abschneiden seiner Partei bei vielen Landtagswahlen führt Nils Schmid darauf zurück, dass die Sozialdemokraten bei mageren Wahlergebnissen nie auf den Amtsbonus und einen amtierenden Ministerpräsidenten zählen konnten. Das sei auch der Grund für die Zurückhaltung der Genossen beim Verkaufen eigener Erfolge in der schwarz-roten Bundesregierung: Als Juniorpartner und Nicht-Kanzler-Partei tue man sich eben schwer mit der Profilierung. Doch Olaf Scholz sei als Kanzlerkandidat der rechte Mann am rechten Platz. Die Hinweise auf den Wirecard-Skandal, Cum-Ex-Geschäfte und die Ausschreitungen beim G20-Gipfel 2017 während seiner Zeit als Erster Bürgermeister von Hamburg wischt Nils Schmid zur Seite: Als Bundesfinanzminister habe Olaf Scholz einen guten Job gemacht, als Vize-Kanzler sei er bei den Wählern bekannt, als Mensch strahle er Ruhe und Kontinuität aus.
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Das Schild „In diesem Haus wird SPD gewählt“ an seiner Bürowand gibt ebenfalls Nils Schmids politisches Manifest wieder. Er ist Genosse pur und total. Mit 17 Jahren wurde er Mitglied der Jusos, der SPD-Nachwuchsorganisation, aber eine Wahl in den Jugendgemeinderat in Filderstadt scheiterte: „Meine politische Karriere begann mit einer Niederlage“, meint Nils Schmid. Doch Politiker war und ist sein Traumberuf. Die langen Jahre im aufreibenden Politbusiness haben ihn optisch wenig verändert. Na ja, meint er, die schwierigen Jahre würden erst noch kommen. Und das Gehen in den fünften Stock seines Berliner Büros und in den langen Fluren der Parlamentsgebäude würde ihm guttun. Im Falle einer Wiederwahl möchte er für seinen Wahlkreis weiterhin die Sanierung von Sportstätten und Bädern vorantreiben. Hier wolle er sich für Fördergelder des Bundes einsetzen.
Vom Auto zur Nachhaltigkeit
Die Transformation der Industriegesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit ist ihm ebenfalls wichtig. Im 19. Jahrhundert, sagt er, wurde das Auto in Baden-Württemberg erfunden. Nun sei es an der Zeit, das Auto in Baden-Württemberg nochmals neu zu erfinden – als ein Fahrzeug mit wenig CO2-Ausstoß. Und der Außenpolitik möchte er in der nächsten Legislaturperiode treu bleiben – wenn möglich weiterhin als außenpolitischer Sprecher seiner Partei.
Das Foto eines kleinen Äffchens ziert die bunt gestaltete Bürowand. Besuche in der Wilhelma liebt Nils Schmid. Das sei eine bevorzugte Vater-Tochter-Unternehmung. Die Familie ist sein großes Hobby, neben Lesen und Tennisspielen.
Immer unter den Ersten
Sonst war und ist er beruflich gut eingespannt. Er arbeitete immer viel: Ein Abitur mit 1,0, Prädikatsexamen und Summa-Cum-Laude-Promotion erfordern viel Schweiß. Seine Doktorarbeit hat er bei Ferdinand Kirchhof geschrieben, der von der CDU für das Bundesverfassungsgericht nominiert wurde. Ein anderes Parteibuch aber ist für Nils Schmid kein Problem. Er ist eben ein Pragmatiker. Aber auch ein Sozialdemokrat und Schwabe: Sein Büro am Bahnhof, sagt er, habe den Vorteil, dass man klimaneutraler und sparsamer mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen und das Auto öfter stehen lassen könne.
Zur Person
Nils Schmid studierte nach seinem Abitur in Filderstadt von 1994 bis 1999 Jura an der Universität in Tübingen. 1997 kam der Vater zweier Kinder als Nachrücker für den an einem Herzinfarkt verstorbenen Werner Weinmann in den baden-württembergischen Landtag. Bis 2017 übte der promovierte Jurist im Landesparlament verschiedene Funktionen etwa als finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, stellvertretender Ministerpräsident oder Minister für Finanzen und Wirtschaft aus. 2017 wurde er in den deutschen Bundestag gewählt. Im Bundesparlament war der 48-Jährige in verschiedenen Positionen als Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur oder außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion tätig.