Bundestagswahl 2021 Gesundheitspolitik nah an den Menschen
Der Spagat zwischen Bundespolitik und der Arbeit auf lokaler Ebene reizt Michael Hennrich. Der CDU-Kandidat für den Wahlkreis Nürtingen ist seit 2002 im Bundestag.
Der Spagat zwischen Bundespolitik und der Arbeit auf lokaler Ebene reizt Michael Hennrich. Der CDU-Kandidat für den Wahlkreis Nürtingen ist seit 2002 im Bundestag.
Nürtingen - Lange war die Gesundheitspolitik eher ein Randthema. Durch die Corona-Pandemie ist der Schwerpunkt des Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (CDU) in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. In der gesellschaftlichen Debatte über Impfungen und die schrittweise Rückkehr ins normale Leben punktet der 56-jährige Jurist gerade jetzt mit seinem Fachwissen. „Mir ist es wichtig, auch die Impfgegner abzuholen und sie mit Argumenten zu überzeugen“, sagt der Rechtsanwalt, der mit seiner Frau Anja Hennrich und den beiden Söhnen in Kirchheim lebt. „Der Impfpass ist der neue Porsche“, sagt er lachend. Eine bessere Impfquote zu erreichen, das ist sein Ziel.
Derzeit ist Hennrich viel im Wahlkreis unterwegs, um dort mit den Wählerinnen und Wählern zu sprechen. Froh ist der CDU-Politiker, dass er und seine Kollegen nicht länger auf Videoformate angewiesen sind wie noch vor Monaten vor der Landtagswahl. Dennoch sieht er darin auch eine Chance. Zwischen zwei Wahlkampfterminen nahm er an einer Videokonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) teil. „Wir passen das Infektionsschutzgesetz beim Thema Inzidenzwerte an“, bringt er das Thema auf den Punkt. In Zukunft werde dieser Wert auf Bundesebene eine deutlich geringere Rolle spielen. Dafür soll es stärker darum gehen, wie viele an Covid-19 erkrankte Menschen in Krankenhäusern oder sogar auf den Intensivstationen landen: „Das war überfällig“, schreibt Hennrich auf seiner Facebook-Seite.
Die sozialen Medien nutzt der Bundespolitiker, der zwei erwachsene Söhne hat, rege. Damit will er nicht nur junge Menschen erreichen. Nach dem langen Lockdown hat der Politik-Profi aber erkannt, wie wichtig es ist, mit den Menschen direkt in Kontakt zu treten. Deshalb geht er bei seinen Wahlkampfveranstaltungen wandern. Das ist für den sportlichen Politiker nicht nur ein pandemiebedingtes Muss. Auf so einer Tour erfahre man viel über die Leute: „Beim Wandern kann man einfach auch mal lockerer Probleme ansprechen.“
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Wahlkampf kommt langsam auf Touren
Vom Austausch mit den Menschen, die in seinem Wahlkreis leben, lerne er viel. Zwar vertieft der Jurist seine Spezialthemen. Ihm sei es jedoch ebenso wichtig, sich in die Bereiche einzuarbeiten, die im Wahlkreis auf der Agenda stehen. Da denkt der Wahl-Kirchheimer zum Beispiel an die Neubaustrecke zwischen Stuttgart und Ulm. Kürzlich war er in Oberboihingen, um sich dort über den Lärmschutz an der Bahnstrecke zu informieren. „Durch den Bau der Wendlinger Kurve werden die Bürger mit noch mehr Lärm konfrontiert werden – die Lärmschutzwand muss also näher an die Bebauung heranreichen“, fordert der Bundespolitiker.
Brücken zu bauen zwischen der Bundesebene und der Kommunalpolitik, das reizt den CDU-Abgeordneten. Bevor er 2002 bei den Christdemokraten die Nachfolge des damaligen Bundestagsabgeordneten Elmar Müller antrat, hätte sich Hennrich auch vorstellen können, als Oberbürgermeister zu kandidieren. Die Arbeit im Bundestag in Berlin und im Wahlkreis reize ihn aber jeden Tag aufs Neue. Glücklich ist Hennrich, dass er trotz vieler Sitzungstage in Berlin den Spagat zwischen Familie und Beruf immer geschafft habe. Da will er seinen jüngeren Kollegen auch ein Vorbild sein. Seine Frau Anja habe ihn stets unterstützt, und auch die Söhne hätten für seinen zeitintensiven Beruf immer viel Verständnis gehabt.
Gerade bei der Pflege nutzt Hennrich die Chance, bundespolitische und regionale Akteure miteinander zu vernetzen. Gemeinsam mit dem Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, und dem sozialpolitischen Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion, Thaddäus Kunzmann, hat Hennrich jüngst das Gespräch mit Pflegeeinrichtungen im Landkreis Esslingen gesucht. „Dabei war für mich besonders wichtig, stationäre und ambulante Pflege gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen.“ Auch die Situation pflegender Angehöriger nimmt Hennrich seit Jahren in den Blick. „Die Leistungen der Pflegeversicherung müssen einfacher und transparenter werden“, bringt das Mitglied des Bundestagsausschusses für Gesundheit das Ergebnis des Austauschs auf den Punkt. Den demografischen Wandel noch besser zu gestalten, das ist ihm wichtig.
Lesen Sie aus unserem Angebot: CDU-Politiker nennen Favoriten für die Kanzlerkandidatur
Als die CDU/CSU die Kanzlerkandidaten-Frage stellte, hatte sich Michael Hennrich klar für den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ausgesprochen. Zwar bereiten auch ihm jetzt die sinkenden Umfragewerte für Armin Laschet Sorge. Dennoch ist Hennrich überzeugt, dass der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ein guter Kanzler werde. Die Fehler, die im Wahlkampf gemacht worden seien, die müsse man ansprechen und daraus lernen, ist der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Nürtingen überzeugt.
Zur Person
Leben
Michael Hennrich wurde am 14. Januar 1965 in Balingen geboren. Der Jurist ist Rechtsanwalt und lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Kirchheim.
Politik
Im September 2002 zog er als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Nürtingen in den Deutschen Bundestag ein. Dieses Direktmandat hat er seitdem inne. Hennrich ist unter anderem Mitglied im Ausschuss für Gesundheit als Berichterstatter für Arzneimittelversorgung und Apotheken, Obmann im Gesundheitsausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Nachgefragt
Politiker zieht es ans Wasser
Was kochen Sie gerne?
Am liebsten grille ich im Sommer draußen mit der Familie.
Wenn es keine Corona-Einschränkungen mehr geben würde, in welches Urlaubsland würden Sie dann gerne reisen?
Auch in Deutschland gibt es schöne Reiseziele. Mir ist es wichtig, am Wasser zu sein. Das gefällt mir gut.
Mit wem würden Sie gerne einen trinken gehen?
Mit dem ehemaligen US-Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Barack Obama.
Auf welchem Magazin-Cover stünden Sie gerne?
Auf die Titelseite der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ habe ich es geschafft. Die Nachrichtenmagazine „Spiegel“ und „Focus“ wären noch eine Herausforderung.