Bundestagswahl 2021 Jamaikakoalition hat in Baden-Württemberg mehr Rückhalt

Die Jamaikakoalition (CDU/CSU, FDP, Grüne) hätte im Bundestag weniger Sitze als die Ampelkoalition (SPD, FDP, Grüne). Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
Die Jamaikakoalition (CDU/CSU, FDP, Grüne) hätte im Bundestag weniger Sitze als die Ampelkoalition (SPD, FDP, Grüne). Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Regiert künftig eine Jamaika- oder eine Ampelkoalition? In Baden-Württemberg hätten die Wähler eine andere Präferenz als in den meisten anderen Bundesländern.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Berlin - Wird Deutschland künftig von einer Jamaikakoalition aus CDU, Grünen und FDP regiert? Oder bildet der Wahlsieger Olaf Scholz eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP?

In der Bevölkerung ist die Meinung eindeutig: Laut der vom Institut Forsa durchgeführten Umfrage „RTL/ntv-Trendbarometer“ sprechen sich nach der Bundestagswahl 50 Prozent der gut 1000 Befragten für eine Ampelkoalition aus, 22 Prozent für eine Jamaikakoalition und 13 Prozent für eine erneute große Koalition.

Die Umfrage hat eine statistische Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten über oder unter den angegebenen Werten. Das bedeutet, dass die Ampelkoalition in der Bevölkerung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit deutlich beliebter wäre als die Jamaikakoalition.

Jamaikaland und Ampelland

Möglicherweise gibt es bei den Koalitionspräferenzen regionale Unterschiede. Hierfür liegen keine Umfragen vor, deshalb suchen wir die Antwort im Wahlergebnis. Unabhängig von individuellen Vorlieben oder Abneigungen für oder gegen das eine oder andere Bündnis haben wir die Stimmenanteile von CDU und SPD mit den potenziellen Koalitionspartnern Grünen und FDP zusammengezählt, zudem noch die Stimmanteile der bisherigen Großen Koalition aus SPD und CDU errechnet. Heraus kommen drei politische Landkarten: die von Jamaikaland, Ampelland und Grokoland.

Ampel- und Jamaikakoalition würden je nach Region sehr unterschiedlich große Anteile des Wahlvolks vertreten. Jamaikaland und Ampelland sind doch sehr unterschiedliche Länder, wie die Karte zeigt. Voreingestellt sind die Stimmenanteile für die Ampelkoalition, weil sie im Bundestag auf 10 Sitze mehr kommt als CDU/CSU.

Die Karten für Jamaika- und Ampelland unterscheidet zunächst einmal nur der Zweitstimmenanteil von SPD und CDU, weil die beiden Koalitionspartner ja dieselben sind. Doch das macht einiges aus.

Wegen der Stärke der CSU in Bayern würde die Ampelkoalition dort fast nirgends eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler vertreten. Auch das Wahlergebnis in Baden-Württemberg, wo die CDU trotz starker Verluste weiterhin stärkste Kraft ist, legt eher eine Jamaikakoalition nahe. Von Teilen Oberschwabens und des Schwarzwalds abgesehen würde die Ampelkoalition hier allerdings auch die Mehrheit der Wähler repräsentieren.

Wegen der Schwäche der CDU würde eine Jamaikakoalition auch im konservativen Süden der Republik nur etwas mehr als die Hälfte der Wählerstimmen abbilden. Sogar in Bayern kommen CSU, FDP und Grüne nur vereinzelt an die 60 Prozent Stimmenanteil heran. Im Saarland, wo die Grünen wegen eines Formfehlers nicht zur Wahl zugelassen worden waren, käme eine Jamaikakoalition nirgends über 50 Prozent.

Koalitionen für Westdeutschland

Auffällig ist etwas Anderes: Jamaika und die Ampel sind Koalitionen für Westdeutschland. In weiten Teilen der ostdeutschen Länder kommen CDU, Grüne und FDP selbst zusammengerechnet nicht einmal auf ein Drittel der Stimmen. Die Ampel kratzt wenigstens in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern an den 50 Prozent, in Berlin liegt sie vielfach darüber. Aber auch diese Koalition würde im Osten nicht die Mehrheit des Wahlvolks vertreten.

Für die bisher regierende Große Koalition gilt das freilich in weiten Teilen Deutschlands genauso, auch in fast ganz Baden-Württemberg. Nordwestdeutschland ist Grokoland. Sachsen und Thüringen, wo keine der drei derzeit realistischen Regierungskoalitionen auch nur annähernd auf die Hälfte der Stimmenanteile kommt und die AfD am Sonntag vielfach Wahlsieger war, scheinen zu einem ganz anderen Land zu gehören.




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