Bundestagswahl 2021 So ist die Lage im Wahlkreis Esslingen
Im Wahlkreis Esslingen wird die Luft für Markus Grübel (CDU) zusehends dünner. Seine Konkurrenz ist allerdings darauf angewiesen, ihm das Direktmandat abzujagen.
Im Wahlkreis Esslingen wird die Luft für Markus Grübel (CDU) zusehends dünner. Seine Konkurrenz ist allerdings darauf angewiesen, ihm das Direktmandat abzujagen.
Esslingen - Natürlich hat das Coronavirus auch den Landkreis Esslingen im Griff. Natürlich sind die Folgen des Klimawandels auch hier zu spüren. Natürlich werden die Flüchtenden vor der Taliban-Herrschaft in Afghanistan über kurz und lang auch in der Region Schutz suchen und natürlich macht die Transformation in der Automobilindustrie gerade vor den Automobilkonzernen und deren Zulieferern am Neckar nicht halt. Natürlich klafft über allem zudem die Schere zwischen Arm und Reich auch in den blühenden Landschaften hier immer weiter auseinander. Wann, wenn nicht vor einer Wahl, müssten die Themen im öffentlichen Diskurs auf den Tisch. Die Probleme sind so nah, und der Wahlkampf ist doch so fern. Er hat bisher, wenn überhaupt, im virtuellen Raum stattgefunden. Mehr als auf inhaltliche Schwerpunkte scheinen die Wählerinnen und Wähler derzeit gebannt auf die Umfragewerte der Parteien zu schauen.
Da macht der Wahlkreis Esslingen keine Ausnahme. Dabei haben die Wählerinnen und Wähler vor der eigenen Haustüre mehr Auswahl als vor vier Jahren. Hatten sich 2017 die Kandidatinnen und Kandidaten von sieben Parteien um die Gunst des Wahlvolks bemüht, so sind es jetzt deren zwölf.
Auch wenn sich die CDU derzeit im Sinkflug befindet, kommt, wer aus Wahlkreissicht auf den Deutschen Bundestag in Berlin blickt, an Markus Grübel nicht vorbei. Der CDU-Platzhirsch vertritt den Wahlkreis Esslingen dort seit dem Jahr 2002, seit neun Jahren ist er der einzige lokale Interessenvertreter von immerhin knapp 170 000 Wählerinnen und Wählern. Sichert sich der 61 Jahre alte Politiker erneut das Direktmandat, wie in den vorausgegangenen fünf Wahlgängen auch, wird das wohl auch so bleiben. Seine Konkurrentin von der SPD ist, ebenso wie die Bewerber der Grünen, der FDP und der AfD, auf der Landesliste ihrer Partei nicht so weit vorn platziert, als dass sie sich ernsthaft Hoffnungen auf ein Ticket nach Berlin machen könnte.
Undenkbar ist auch das Undenkbare nicht mehr. Die Wahl ist für Grübel, der noch vor neun Jahren mehr als die Hälfte aller Stimmen auf sich vereinigen konnte, zuletzt aber rund zehn Prozent dieses einst komfortablen Vorsprungs eingebüßt hat, alles andere als ein Selbstläufer. Über die Landesliste ist er nicht abgesichert. Parteiintern hat er seinen Widersacher Tim Hauser beim Nominierungsparteitag noch in die Schranken verwiesen. Ob ihm das am Wahltag auch mit der politischen Konkurrenz gelingt, hat er weniger denn je selbst in der Hand.
Denn Genosse Trend hat ein rotes Parteibuch. Das hat auch Argyri Paraschaki, die Grübel im Wahlkreis Esslingen herausfordert. Kommunalpolitisch hat die SPD-Kandidatin bisher wenige Akzente setzen können. Das muss jedoch mit Blick auf die steigende Beliebtheitskurve ihrer Partei und der in der bundespolitischen Flaute vor sich hindümpelnden CDU wenig heißen. Auf der Landesliste ihrer Partei steht Argyri Paraschaki auf einem hoffnungslosen 31. Platz. Sie braucht das Direktmandat.
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Auch der Kandidat der Grünen, Sebastian Schäfer, kann nur hoffen, mit dem Rückenwind aus Berlin direkt an Grübel vorbeizusegeln. Dass der 42 Jahre alte Referatsleiter im Finanzministerium, studierte Staatswissenschaftler und Philosoph über die Landesliste in den Bundestag einzieht, ist bei Platz 17 auf der Landesliste eher unwahrscheinlich. Der FDP-Kandidat Robert Langer ist gleich gar nicht auf der Landesliste seiner Partei vertreten. Für ihn geht es darum, den Liberalen im Wahlkreis ein anständiges Ergebnis zu verschaffen. Gleiches gilt für Boris Malewski, der für die AfD antritt. Anil Besli, der seinen Hut für die Partei Die Linke in den Ring wirft, findet sich zwar auf dem 17. Platz der Landesliste wieder. Für eine Fahrkarte nach Berlin wird das jedoch auch nicht reichen.
Der 20. Deutsche Bundestag wird am 26. September gewählt. Das ist in vier Wochen: So nah, und doch so fern . . .
Wahlkreis Esslingen: Zwölf Bewerberinnen und Bewerber stellen sich zur Wahl
Der Wahlkreis
Im Bundestagswahlkreis 261, Esslingen, zu dem die Städte und Gemeinden Aichwald, Altbach, Baltmannsweiler, Deizisau, Denkendorf, Esslingen am Neckar, Hochdorf, Köngen, Lichtenwald, Neuhausen auf den Fildern, Ostfildern, Plochingen, Reichenbach, Wendlingen und Wernau zählen, sind rund 170 000 Wählerinnen und Wähler wahlberechtigt. Ihnen stellen sich zwölf Bewerberinnen und Bewerber zur Wahl.
Markus Grübel (CDU)
Der 61 Jahre alte Bundestagsabgeordnete ist in Esslingen geboren und aufgewachsen. Seit dem Jahr 2002 sitzt der ausgebildete Notar als direkt gewählter Abgeordneter im Berliner Parlament. Auf seiner politischen Agenda für den Wahlkreis Esslingen steht die Mobilität als Voraussetzung zur Teilhabe aller Menschen am Leben. Als wichtiges Anliegen bezeichnet er sichere, saubere und barrierefreie Bahnhöfe und eine Ausweitung des O-Busnetzes in Esslingen. Den Weg zur E-Mobilität will er begleiten. Um den Zusammenhalt der Gesellschaft zu erhalten, setzt sich Grübel für einen verpflichtenden Gemeinschaftsdienst bei freier Wahl des Bereichs ein.
Sebastian Schäfer (Grüne)
Sebastian Schäfer ist im Jahr 1979 in Unterfranken geboren worden. Er hat Staatswissenschaften und Philosophie an der Universität Erfurt und an der University of California Berkeley (USA) studiert. Seine Dissertation hat er im Jahr 2013 abgeschlossen. Seit 2018 arbeitet der ehemalige Mitarbeiter des damaligen Grünen-Bundesvorsitzenden Cem Özdemir als Referatsleiter im Finanzministerium in Stuttgart. Als Abgeordneter will er den Klimaschutz und die ökologische Transformation in den Mittelpunkt der Politik stellen. In einer gerechten Gesellschaft und in einem geeinten Europa sollen alle Menschen die Chance bekommen, ihr Leben selbst zu gestalten.
Argyri Paraschaki (SPD)
Die Sozialdemokratin ist 1977 auf Rhodos geboren und in Esslingen aufgewachsen. Die SPD-Kandidatin hat sich den Einsatz gegen Benachteiligung und für ein gleichberechtigtes Miteinander auf Augenhöhe in der Gesellschaft auf die Fahnen geschrieben. Eine wichtige Rolle darin spielt für sie die Bildung, über die weder Alter, Herkunft, Geschlecht, noch eine Behinderung oder der soziale Status entscheiden dürften. Die 43 Jahre alte studierte Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitet als Geschäftsführerin des Landesverbandes der kommunalen Migrantenvertretungen Baden-Württemberg und ist ehrenamtlich Mitglied im SWR-Rundfunkrat und Vorsitzende des Fachrates Migration und Integration der Stadt Esslingen.
Robert Langer (FDP)
Der Liberale wurde 1971 in Esslingen geboren. Nach einer technischen Ausbildung in einem Autohaus wechselte er in den kaufmännischen Bereich. Heute ist er selbstständig und Inhaber einer Personalvermittlung in Ostfildern und einer Vertriebsagentur in Filderstadt. Als seinen Lebensmittelpunkt gibt er Ostfildern an, wo er auch für die FDP im Gemeinderat sitzt. Den Klimawandel will Langer mit Innovationen bekämpfen und nicht mit der Entscheidung für den „richtigen“ oder „falschen“ Antrieb. Ein Anliegen ist ihm nicht nur ein durchgängiges und schnelles Internet im gesamten Land, sondern auch eine funktionierende Kombination aus analogen und digitalen Inhalten.
Boris Malewski (AfD)
Der 43-Jährige wohnt in Lichtenwald. Er arbeitet als staatlich geprüfter Techniker, Fachrichtung Elektrotechnik. Im Falle seiner Wahl will er sich besonders für die Stärkung der klein- und mittelständischen Betriebe im Wahlkreis einsetzen. Der Schutz der Umwelt und eine zukunftsorientierte Energieversorgung stehen ganz oben auf seiner To-Do-Liste – wie auch „der Schutz und Erhalt unserer Heimat“. Straffällige Flüchtlinge und Asylbewerber sollten konsequent in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden.
Anil Besli (Die Linke)
Der Student lebt in Leinfelden-Echterdingen. Der 26 Jahre alte Kandidat der Linken sieht die Überwindung der Pandemie und des Klimawandels als die größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen dieser Tage, wie auch die Sicherung bezahlbaren Wohnraums, den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Bekämpfung von Rassismus. Der Kampf für ein buntes Deutschland, ein buntes Baden-Württemberg, und ein buntes Esslingen verbindet er mit der Aussage: „Ich möchte eine Stimme für all diejenigen sein, die unter dem immer wachsenden Rechtsruck in der Gesellschaft leiden müssen.“
Zudem treten an
Daniela Negt (Die Partei), Holger Fritz (Freie Wähler), Hubert Bauer (Marxistisch-Leninistische Partei), Stefan Zweifel (Basisdemokratische Partei), Wolfgang Hamberger (Humanisten) und Andreas Jakobi (Volt).