Bundestagswahl Ein Mann für akustische und kulinarische Genüsse

Die Gitarre verkörpert für Rainer Arnold seine Liebe zur Musik. Alle Kandidaten des Wahlkreises Nürtingen im Überblick sehen Sie in der folgenden Fotostrecke. Foto: Horst Rudel 5 Bilder
Die Gitarre verkörpert für Rainer Arnold seine Liebe zur Musik. Alle Kandidaten des Wahlkreises Nürtingen im Überblick sehen Sie in der folgenden Fotostrecke. Foto: Horst Rudel

Rainer Arnold kandidiert im Wahlkreis Nürtingen/Filder erneut für die SPD. Seit 1998 sitzt er im Bundestag. In seiner Freizeit schwingt er gerne den Kochlöffel, spielt Gitarre, und er hängt an einem Bild vom Haus seiner Oma

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Wolfschlugen - Rainer Arnold ist noch völlig entspannt. Das liegt daran, dass er auf der Terrasse seines Hauses in Wolfschlugen sitzt und von dort direkt ins Grüne blickt. Er denkt aber schon an die Anspannung, die ihn einholen wird, wenn der Wahlkampf in die Endphase geht. Nach den drei heißen Wochen unmittelbar vor der Bundestagswahl „ist man schon geschafft“, gibt der 63-Jährige zu. Dennoch empfinde er das Werben um die Gunst der Wähler als positiven Stress, denn „ich gehöre zu den verrückten Menschen, denen der Wahlkampf Spaß macht“. Er spricht aus Erfahrung, denn schon seit 15 Jahren sitzt er für die SPD im Deutschen Bundestag. Vor dem anstrengenden Schlussspurt hat er die Zeit gefunden, drei Gegenstände herauszusuchen, die ihm wichtig sind.

Der erste ist ein altes Foto seiner Oma, die aus einem Fenster ihres Hauses in Filderstadt-Harthausen schaut. Denn Berlin ist Arnolds Arbeitsplatz, seine Heimat aber ist der Wahlkreis Nürtingen und dort ganz besonders das Haus seiner Großmutter an der Hauptstraße in dem Filderstädter Stadtteil. Er bezeichnet es auch heute noch als den „Kristallisationspunkt der Familie“. Am Sonntagabend habe man sich dort getroffen, die Großmutter kochte Riesenportionen, um die vielen Verwandten und Bekannten satt zu bekommen. Ein sehr offenes Haus sei es gewesen, „fast wie eine Besenwirtschaft“, sagt er, während er sich das Ende der 1970er Jahre aufgenommene Foto anschaut, auf dem die Oma aus dem Fenster schaut und gerade einen Plausch mit einer Nachbarin hält. Noch heute befinde sich das kleine Gebäude, in dem die Großeltern mit zehn Kindern gelebt hatten, im Familienbesitz – aufgrund der großen Verwandtschaft „gehört uns etwa ein Dreißigstel davon“, erklärt Arnold und lacht. Die Tradition, sich dort zu treffen, sei auch nach dem Tod der Oma nicht in Vergessenheit geraten. Eine Tante von ihm lebe jetzt in dem Haus, „und wenn ich durch Harthausen fahre, gehe ich auch gerne dorthin“.

Kochen und Musik sind zwei seiner Passionen

Vielleicht wurde bei den gemeinsamen Essen schon der Grundstein für Rainer Arnolds Kochleidenschaft gelegt, die der zweite Gegenstand, ein Kochlöffel, symbolisiert. Die Zubereitung von Gerichten empfinde er als „etwas Kreatives“. Er bringt schon zum dritten Mal ein Kochbuch im Wahlkampf heraus, das sich dieses Mal mit der Vielfalt der internationalen Küche befasst. Nach den Mahlzeiten mit seinen Freunden ist es durchaus möglich, dass der Vollblutpolitiker die Gitarre – der dritte Gegenstand – in die Hand nimmt. Dann würden gerne Schlager geträllert oder aber – wie es sich für Genossen gehört – Arbeiterlieder intoniert, die von Frieden und Freiheit erzählen.

Einmal habe er Bürger aus dem Wahlkreis sogar schon zum gemeinsamen Singen an den Waldrand bei Neuffen eingeladen. Und siehe da, „die Leute machten mit Freude mit“, was sich die vielen Skeptiker in den SPD-Ortsvereinen im Vorfeld nicht hätten vorstellen können. Aber man erhalte bei solchen musikalischen Zusammenkünften einen Eindruck, „mit welchem Pathos unsere Gründungsmitglieder diese Lieder gesungen haben“.

Auf Berliner Freundschaften verzichtet er

Nein, ein Leben ohne Musik könne er sich nicht vorstellen. Sie spiele für ihn, der nebenberuflich schon als Musiker gearbeitet hat, eine überaus wichtige Rolle. Er könne sich für viele Richtungen begeistern: Klassik höre er ebenso wie Jazz oder Weltmusik – „eigentlich alles außer Techno“. Es kommt durchaus vor, dass er am Abend nach einem anstrengenden Tag im Berliner Plenum bei einem Konzert Zerstreuung sucht. Gerne teste er aber auch neue Lokale in der Bundeshauptstadt.

Allerdings ziehe er nicht mit Kollegen aus der Politik um die Häuser. „Das brauche ich nicht, Freundschaften entstehen im täglichen politischen Betrieb des Bundestags eher nicht“, sagt er. Lieber tauche er allein, mit seiner Frau oder mit Freunden in das Berliner Leben ein.

Dem ständigen Wechsel zwischen dem ländlich anmutenden Idyll Wolfschlugens und dem kulturellen Angebot Berlins könne er durchaus etwas abgewinnen. Und er ist sicher, die Weltstadt werde ihm fehlen, „wenn ich mal nicht mehr im Bundestag bin“. Aber genauso sicher sei er, dass nach seiner politischen Karriere Wolfschlugen seine Heimat bleibt: „Hier will ich eigentlich nicht mehr weg.“




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