Briefwahl zur Bundestagswahl Diese Stadt in Baden-Württemberg ist Spitzenreiter

Gemütlich zuhause wählen? Per Briefwahl ist das möglich. Foto: /Christian Ohde via www.imago-images.de
Gemütlich zuhause wählen? Per Briefwahl ist das möglich. Foto: /Christian Ohde via www.imago-images.de

Parteien wie die CDU hoffen noch auf eine Trendwende im Endspurt des Wahlkampfs. Dabei haben viele Baden-Württemberg längst gewählt – die Briefwahl boomt. Welche Stadt ist Briefwahl-Spitzenreiter?

Politik: Christoph Link (chl)
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Stuttgart - Der Endspurt im Wahlkampf ist für einige Parteien bei der Bundestagswahl wichtig, gerade die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet hofft auf eine Trendwende in den Umfragen. Eine Anfrage unserer Zeitung bei größeren Städten in Baden-Württemberg aber ergibt, dass vermutlich ein großer Teil des Wahlvolks längst gewählt hat: Die Anträge auf Briefwahl sind mancherorts um ein Drittel im Vergleich zur Bundestagswahl von 2017 gestiegen.

Rekord in Freiburg

So meldet die Landeshauptstadt Stuttgart, dass bis Montagabend bereits 156 882 Personen Briefwahl beantragt hätten, das entspricht 42,4 Prozent aller Wahlberechtigten. Bei der Bundestagswahl 2017 hatten nur knapp 35 Prozent der Wählenden in Stuttgart per Briefwahl abgestimmt. Auch Freiburg verzeichnet einen „Bestwert in puncto Briefwahl“, am Dienstagvormittag war von 64 000 Briefwahlanträgen die Rede. „Bis zum Wahltag rechnen wir mit 75 000 Anträgen, das entspricht 39 Prozent der Wahlberechtigten und 55 bis 60 Prozent der Wählenden“, so Pressesprecher Toni Klein: „Der Trend zur Briefwahl nimmt seit vielen Jahren auch in Freiburg deutlich zu, die Pandemie wirkt dabei nochmals wie ein starker Katalysator.“ Heidelberg meldet mit Stand Dienstagmittag 41,5 Prozent Briefwähler, 2017 waren es nur 27,8 Prozent.

Wie sah es 2017 aus?

Besonders hoch mit schon jetzt 46 Prozent ist auch die Briefwahlbeteiligung in Karlsruhe, bei der letzten Bundestagswahl lag sie in der Residenzstadt nur bei 26,5 Prozent. In Mannheim beträgt die Quote derzeit fast 37 Prozent, ebenso wie in Ludwigsburg. Pforzheim meldet eine Steigerung der Briefwahlantragszahl um 25 Prozent im Vergleich zur letzten Wahl. Heilbronn hat einen genauen Vergleich angestellt, wie die Zahlen zwölf Tage vor der aktuellen Bundestagswahl aussehen und wie sie 2017 waren. Bis Dienstag hätten 22 054 Wahlberechtigte in Heilbronn Briefwahlunterlagen beantragt (29,2 Prozent der Wahlberechtigten) und damals – am 12. September 2017 – seien es nur 12 165 Wahlberechtigte gewesen (15,6 Prozent) – also eine glatte Verdoppelung.

Umfrage bestätigt den Trend

Die Ergebnisse bestätigen einen Trend, den die Universität Hohenheim bereits Anfang August in einer Umfrage erfahren hat. Damals gaben 37 Prozent der Befragten an, dass sie Briefwahl machen möchten, nur 41 Prozent wollten im Wahllokal abstimmen und 19 Prozent wussten es noch nicht. Professor Frank Brettschneider vom Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft sagte unserer Zeitung: „Die Zahlen waren für die Befragten, die aus Baden-Württemberg kommen, ähnlich: 40 Prozent, 35 Prozent, 21 Prozent. Auch sonst waren die Ergebnisse zu den baden-württembergischen Befragten denen aus dem gesamten Bundesgebiet sehr ähnlich: Der Anteil der Personen, die Briefwahl beabsichtigen, ist bei den über 60-Jährigen überdurchschnittlich hoch.“

Linke und AfD-Wähler gehen lieber ins Wahllokal

Laut Brettschneider ist der Anteil der Briefwähler unter den Anhängern der CDU, SPD, der Grünen und der FDP in etwa gleich hoch. „Unter den Anhängern der Links-Partei und der AFD ist hingegen der Anteil derjenigen, die im Wahllokal wählen wollen, überdurchschnittlich hoch.“ Die Uni bereitet derzeit eine zweite Umfrage zur Briefwahl vor, deren Ergebnisse nächste Woche veröffentlicht werden soll. Bei der Bundestagswahl 2017 lag der Anteil der Briefwähler an der Wählerschaft bei 28,6 Prozent.

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