Bundestagswahl Gedränge bei der Nachfolge von Fritz Kuhn

Von Johanna Eberhardt 

In Heidelberg wollen gleich fünf Grüne das Mandat des Stuttgarter OB-Kandidaten Fritz Kuhn übernehmen. Neben den beiden Frauen Franziska Branter und Caja Thimm gehören Dierk Helmken, Rudolf Witzke und Jonas Jenis zu den Bewerbern.

Sie wollen im Rhein-Neckar-Kreis für den Bundestag kandidieren: die Grünen Franziska Brantner, Caja Thimm und Dierk Helmken (von links). Foto: StZ
Sie wollen im Rhein-Neckar-Kreis für den Bundestag kandidieren: die Grünen Franziska Brantner, Caja Thimm und Dierk Helmken (von links). Foto: StZ

Schriesheim - Zehn Jahre lang war der Grüne Fritz Kuhn für den Wahlkreis Heidelberg, zu dem auch ein Teil des Rhein-Neckar-Kreises bis Weinheim gehört, im Bundestag in Berlin. Im Herbst will er bekanntlich den OB-Sessel in Stuttgart erobern. Uli Sckerl, Landtagsabgeordneter in Weinheim und innenpolitische Sprecher der Grünen im Stuttgarter Parlament, ist sich „ziemlich sicher“, dass ihm das auch gelingt. „Da sieht es im Moment exzellent gut für ihn aus“, stellte er zum Auftakt der Nominierungsrunde für Kuhns Nachfolge in dessen bisherigem Wahlkreis fest.

Dort weint man dem prominenten Abgeordneten keine Träne nach. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Klagen darüber gegeben, Kuhn sei zu wenig vor Ort gewesen. „Wahlkreismäßig“ sei bei ihm nicht viel gelaufen, bedauern viele Heidelberger Grüne. Am Schluss sei man „eher unzufrieden als zufrieden“ mit ihm gewesen. In den Kreisgemeinden war er noch seltener präsent; auf einen eigenen Mitarbeiter dort hatte er zum Leidwesen vieler Mitglieder ganz verzichtet.

Kuhns Nachfolger wollen im Wahlkreis stärker präsent sein

Das soll sich ändern, dies haben seine möglichen Nachfolger bereits angekündigt. Das Interesse an dem Berliner Posten ist groß. Heidelberg gehört von jeher zu den grünen Hochburgen; gleich fünf Bewerberinnen und Bewerber – zwei Frauen und drei Männer – machen sich Hoffnungen auf die Nominierung.

An mehr oder weniger prominenten Namen herrscht kein Mangel: die bekannteste unter den Bewerberinnen ist sicher die 32-jährige Franziska Brantner, die junge, aktive Europaabgeordnete der Region und Frau des – gleichfalls grünen – Oberbürgermeisters von Tübingen, Boris Palmer. Auch Caja Timm, die Mitgründerin und ehemalige Fraktionsvorsitzende der GAL im Heidelberger Gemeinderat will es noch einmal wissen. Sie ist zwar seit zehn Jahren in Bonn als Professorin für Medienwissenschaften tätig, hat aber ihren Wohnsitz am Neckar nie aufgegeben. Vor sechs Jahren bei der OB-Wahl in Heidelberg hat sie mit 45,1 Prozent relativ knapp gegen den parteilosen Eckart Würzner verloren. Jetzt würde sie gern dem CDU-Abgeordneten Karl. A. Lamers das Direktmandat abnehmen. „Ich war so lange mit ihm im Gemeinderat“, erklärte sie bei der Vorstellungsrunde in Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis). Um ihn zu schlagen, gestand die begeisterte Wahlkämpferin, „würde ich fast alles tun“.

Der bunteste Grüne ist ein früherer Liberaler

Der bunteste Kandidat in der Runde ist wohl Dierk Helmken. Der frühere Staatsanwalt und Richter ist 67 Jahre alt; er war lange bei der FDP, die er 1996 aus Protest gegen den großen Lauschangriff verlassen hatte. In den Reihen der Liberalen war er vor Jahren bundesweit als Streiter für ein Verbot der Vergewaltigung in der Ehe bekannt geworden. Später war er für die UN und andere internationale Organisationen wiederholt im Ausland als Richter aktiv. Letztmals Schlagzeilen machte er vor zwei Jahren, als er sich mit 65 gegen den gesetzlichen Ruhestand wehrte und vor dem Verwaltungsgericht – vergeblich – gegen seine „Zwangspensionierung“ klagte. Helmken sprach sich für ein „mildes Rotationsprinzip“ aus. Nach spätestens zwei Wahlperioden werde er abtreten, kündigte er für den Fall seiner Nominierung an.

Vergleichsweise unbeschriebene Blätter sind dagegen die beiden weiteren Männer in der Runde: Rudolf Witzke (55), ein Soziologe und Politologe, der als Altenpfleger arbeitet und sich auf ökonomische Fragen spezialisiert hat – wo er, sicher nicht ganz zu Unrecht, Defizite in seiner Partei ausgemacht hat. Als „besserer Pirat“ hingegen empfiehlt sich Jonas Jenis. Mit 30 ist der Volkswirt der Jüngste in der Runde. Er habe gerade seine Existenzgründung zu stemmen. „Dennoch würde ich gern auch in meinem grünen Hemd auf der Straße um Wahlunterstützung kämpfen“, sagte er. Ob es dazu kommt, wird am 18. Juli bei der Nominierungskonferenz entschieden.